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Die Vermögensfrage : Mühsamer Eigenheimverkauf auf Raten

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Die umgekehrte Hypothek gewinnt als Altersversorgung nur langsam an Bedeutung. In einigen Fällen kann sie aber richtig sein - gerade dann, wenn im Alter die Rente knapp wird, man aber gleichzeitig in einem goldenen Käfig sitzt.

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          Die Altersversorgung ruht in der Regel auf drei Pfeilern. Zuerst kommt die gesetzliche Rente. Dann folgen die betrieblichen Leistungen. Zum Schluss wird das private Vermögen angezapft. Es besteht in vielen Fällen aus dem Eigenheim und freiem Kapital, so dass die Gesamtrente aus vier Quellen gespeist wird. In einzelnen Haushalten, vor allem bei Freiberuflern und Gewerbetreibenden, sieht es finanziell weniger rosig aus. Hier reicht die gesetzliche Rente, sofern sie überhaupt fließt, allenfalls fürs tägliche Leben, aber betriebliche Zuwendungen sind ein Fremdwort. Das Eigenheim mag schuldenfrei sein, doch zusätzliches Vermögen wie Anleihen, Immobilien und Aktien ist nicht vorhanden.

          Genauso kann es aber auch Angestellten gehen, und die Tendenz, dass es so kommen wird, nimmt deutlich zu. Das liegt in erster Linie an der Lebensgestaltung, die sich in den letzten Jahren gewaltig geändert hat. Die akademische Ausbildung verschlingt viel Zeit. Danach kann es eine Weile dauern, bis der Einstieg in das Berufsleben klappt. Wenn überhaupt geheiratet wird, findet die Hochzeit selten vor dem dreißigsten Lebensjahr statt.

          Die ersten Kinder kommen bei vielen Frauen mit Mitte 30. Das Eigenheim wird mit Ende 30 angepackt. Wenn dann auch noch die Finanzierung auf 25 oder 30 Jahre angelegt wird, sind Engpässe kaum zu vermeiden. Bei solchen Verläufen steht nur selten Geld für den Aufbau des freien Vermögens zur Verfügung, so dass im frühen Alter guter Rat teuer ist.

          Die jungen Rentner, vormals angestellt oder selbständig, sitzen in der Falle. Sie leben in goldenen Käfigen, die 300.000 oder 400.000 Euro wert sind, doch die laufenden Bezüge sind so gering, dass die Frage auftaucht, wie die Objekte versilbert werden können, um den Lebensabend in finanzieller Hinsicht aufzuhellen. Die Chancen und Risiken der Lösungen werden in folgendem Fall deutlich.

          Verkaufen, verschulden oder verrenten?

          Ein Handelsvertreter ist 68 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder, die finanziell auf eigenen Beinen stehen. Der Vater hat über viele Jahre hinweg gut verdient. Allerdings hat der Vertreter, wie das im Verkauf üblich ist, auch flott gelebt. In den Anfangsjahren sind die Provisionen sofort in den Konsum geflossen. Später hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es nicht nur Einnahmen und Ausgaben, sondern auch noch Steuern gibt. So hat es für größere Rücklagen nie gereicht. Autos, Kleidung und Urlaube standen immer an vorderster Stelle. Vor diesem Hintergrund war das Leben des Handelsvertreters von Provisionen, Konsum und Steuern bestimmt. Immerhin hat der Familienvater wenigstens das Eigenheim gebaut und die Kredite getilgt.

          Die Reserve ist heute Gold wert, weil die gesetzliche Rente nur 1500 Euro je Monat beträgt. Die laufenden Ausgaben für Auto, Ernährung, Instandhaltung des Hauses, Kleidung und Versicherungen betragen aber 2500 Euro je Monat. Der Rentner macht trotz seiner 68 Jahre noch das eine oder andere Geschäft, doch auf Dauer sind die Einnahmen im Verhältnis zu den Ausgaben zu gering. Daher ist es kein Wunder, dass das Eigenheim, das etwa 450.000 Euro wert ist, in den Blickpunkt der familiären Diskussion rückt: verkaufen, verschulden oder verrenten?

          Der einfachste Weg ist der Verkauf des Hauses, doch dieser Schritt erscheint dem Mann wie ein Offenbarungseid. Er hat Jahrzehnte für das Eigenheim geschuftet und die Schulden abgetragen, so dass es eine bittere Erfahrung wäre, diesen Schatz wieder aus der Hand zu geben. Trotzdem kann der Umzug in eine Mietwohnung sinnvoll sein. Der Verkauf des Hauses liefert, falls es für 450.000 Euro über den Tisch geht, monatliche Einnahmen von 2800 Euro.

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