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Die Vermögensfrage : Mit Sparplänen ein Vermögen aufbauen

Wenn der große dem kleinen Geschäftsmann die Rechnung zeigt. Bild: SIS/Doriano Solinas

Viele Banken bieten kostenlose Sparpläne schon ab 25 Euro im Monat an. Im Gegensatz zu Riester-Produkten sind sie einfach, transparent und flexibel.

          Die Finanzbranche besteht nicht nur aus Abzockern und Betrügern. Über das Vorstrafenregister der Deutschen Bank und anderer Institute gerät dies gelegentlich in Vergessenheit. Es gibt in dieser Branche auch Entwicklungen zum Wohle des Kunden. Zweifellos gehören dazu auch die Sparpläne, vor allem jene auf Indexfonds (ETFs). Zwar scheint die Erhöhung dieses Angebots zur „größten Finanzinnovation des 21. Jahrhunderts“, als die ETF-Sparpläne gelegentlich bezeichnet werden, etwas zu stark zu sein, zumal das Jahrhundert noch jung ist. Doch aus Sicht der Sparer bieten sie viele Vorteile.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Bei der Comdirect kann der Anleger zum Beispiel mit 25 Euro Sparleistung im Monat ohne Bankgebühren gleichzeitig in rund 1600 der größten Aktiengesellschaften der Welt investieren. Das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Mehr als 200 Indexfonds bietet die Comdirect im Rahmen von Sparplänen an. 75 davon sind als Aktions-ETFs derzeit gebührenfrei erhältlich. Darunter sind Produkte auf alle Standard-Aktien- und Anleiheindizes und damit eben auch auf den iShares Core MSCI World mit der Wertpapierkennnummer A0RPWH. Dieser Indexfonds investiert in die rund 1600 größten Aktientitel auf der Welt. Für Anleger, die ihr Geld gerne breit international streuen wollen, ist der Fonds damit gut geeignet.

          Anders als Riester-Verträge und viele andere Altersvorsorgeprodukte sind Sparpläne einfach und flexibel. Der Anleger bestimmt, wie viel er im Monat sparen möchte und in welchem Produkt. Das kann eine Einzelaktie sein, was sich wegen des Klumpenrisikos nicht unbedingt anbietet. Das können aktiv gemanagte Fonds sein, was jedoch relativ teuer ist. Das kann auch auf einem Zinskonto erfolgen, was allerdings im derzeitigen Zinsumfeld wenig ertragreich ist. Das kann aber eben auch in Indexfonds erfolgen, was wegen der niedrigen Gebühren bei gleichzeitig breiter Risikostreuung besonders ratsam ist.

          Flexibilität bei Fonds

          Der Anleger muss sich aber nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag festlegen. Die besparten Fonds können täglich gewechselt werden. Es können auch verschiedene Fonds gleichzeitig bespart werden, wobei die Mindestsumme je Sparplan von in der Regel 25 oder 50 Euro im Monat beachtet werden muss. Nach oben sind den Sparraten keine Grenzen gesetzt, und sie können jederzeit verändert werden. Der Anleger bleibt zudem jederzeit Herr seines Geldes. Die Fondsanteile können börsentäglich auch wieder verkauft werden. Bei Riester-Verträgen oder Lebensversicherungen ist dies nicht so ohne weiteres möglich, und es ist oft mit Nachteilen für den Anleger verbunden. Auch sind Sparpläne völlig unabhängig vom Alter des Sparers, seines Berufes oder seines Einkommens möglich. Auch muss nicht mit dem Renteneintritt schlagartig das Sparen aufhören.

          Mit der hohen Flexibilität gehen zudem transparente Kosten einher. Bei einem Riester-Vertrag oder einer Lebensversicherung wird kaum ein Anleger vor lauter Abschluss- und Bestandsprovisionen sowie Verwaltungsgebühren die Kosten seines Vertrages beziffern können. Sparpläne sind in dieser Hinsicht viel einfacher. Neben kostenlosen Angeboten wie zum Beispiel bei der Onvista Bank oder Kostenlos-Aktionen gibt es ansonsten feste Sätze. Die Comdirect nimmt außerhalb ihrer ETF-Sonderaktion 1,5 Prozent des Transaktionsvolumens, maximal aber 4,90 Euro im Monat. Die ING-Diba berechnet 1,75 Prozent, die DAB Bank, die neben S-Broker zu den Banken mit der größten Sparplan-Auswahl gehört, 2,50 Euro zuzüglich 0,25 Prozent des Kurswertes und Maxblue 2,50 Euro plus 0,4 Prozent des Kurswertes.

          Die Auswahl der Banken zeigt, dass sich in diesem Bereich wie bei eigentlich allen Finanzinnovationen die Direktbanken hervortun. So bietet die Deutsche Bank zwar über ihre Direktbank Maxblue ETF-Sparpläne an. In ihren Filialen wird dies den Kunden aber nicht offeriert. Die Filialkunden haben wie bei den meisten Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken auch lediglich die Möglichkeit, Sparpläne auf aktiv gemanagte Fonds abzuschließen und dafür die üblichen Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren zu zahlen. Der Ausgabeaufschlag beträgt bei Aktienfonds oft 5 Prozent, bei Anleihefonds 3 Prozent. Dazu kommt eine jährliche Gebühr von bis zu 1,5 Prozent. Die Möglichkeit von Sparplänen auf aktiv gemanagte Fonds besteht für die Kunden von Maxblue auch. Doch sie bekommen anders als die Filialkunden mindestens 50 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag, manchmal entfällt der Ausgabeaufschlag auch ganz.

          Günstigere Möglichkeiten mit Indexfonds

          Auf lange Sicht ist der Einfluss der Gebühren auf den Anlageerfolg nicht zu unterschätzen. Dies soll an einem Beispiel aufgezeigt werden. Kunde A kauft einen Sparplan auf einen aktiv gemanagten Aktienfonds, der ihn 5 Prozent Ausgabeaufschlag und 1,5 Prozent jährliche Verwaltungsgebühr kostet. Er spart monatlich 100 Euro und hält das 20 Jahre durch. Es wird eine moderate Aktienrendite von durchschnittlich 6 Prozent im Jahr unterstellt – in der Vergangenheit waren 8 Prozent üblich. Am Ende hat der Kunde ohne Berücksichtigung von Steuern gut 36.000 Euro in seinem Depot. Der Kunde B hat einen Anbieter gefunden, der ihm einen Abschlag von 50 Prozent auf den Ausgabeaufschlag gewährt. Er hat nach 20 Jahren immerhin rund 1000 Euro mehr im Depot. Kunde C war noch findiger und kam ganz ohne Ausgabeaufschlag aus. Das hat ihn einen weiteren Tausender gespart.

          Wird aber nun das in der Realität immer wieder auftretende Phänomen unterstellt, dass auf lange Sicht ein aktiv gemanagter Fonds gar keine bessere Leistung bringt als ein Fonds, der nur einen Index nachbildet, ergibt sich eine günstigere Möglichkeit. ETFs werden nämlich in aller Regel ohne Ausgabeaufschlag angeboten. Die jährliche Verwaltungsgebühr soll beispielhaft 0,2 Prozent betragen. Der Sparplan kostet den Anleger D 1,5 Prozent seiner eingezahlten Beiträge. Nach 20 Jahren hat der Anleger fast 44.000 Euro im Depot und damit mehr als 7000 Euro mehr als Kunde A in der teuersten Variante. Kunde E findet sogar einen kostenlosen ETF-Sparplan und mit einem ETF ohne Verwaltungsgebühr (auch das gibt es). Er stellt sich noch einmal 1700 Euro besser.

          Diese Zahlen sollten die Anleger im Kopf haben, wenn sie über den Abschluss eines Sparplans nachdenken. Die mittlerweile mehr als eine Million Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken, die einen Sparplan in Fonds der hauseigenen Fondsgesellschaft Union Investment abgeschlossen haben, oder die 1,3 Millionen Sparkassenkunden mit Deka-Fonds-Sparplänen tun sicher mehr für ihre Altersvorsorge als die meisten anderen, die nämlich gar nicht oder nur auf dem Sparbuch sparen. Ob die dabei fälligen vollen Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren der aktiv gemanagten Union- oder Deka-Fonds aber klug investiert sind, ist fraglich.

          Wer jedoch einen günstigeren ETF-Sparplan haben möchte, muss sich bislang meist die Mühe machen, ein Depot bei einer Direktbank zu eröffnen. Nur die Commerzbank bietet unter den großen Filialbanken auch in ihren Niederlassungen ETF-Sparpläne an. Das kostet im klassischen Depot jeden Monat 1 Prozent vom Kurswert plus 2,50 Euro. Wer wegen eines ETF-Sparplans bei einer Direktbank ein Depot eröffnen will, kann dies meist kostenfrei und ohne großen bürokratischen Aufwand tun. Vor dem ersten Kauf eines ETF sollte sich der Anleger jedoch ein wenig mit dieser Anlageform vertraut machen. Wie bei allen anderen Fonds bleibt auch bei Indexfonds das Vermögen immer im Eigentum des Sparers. Es ist anders als bei Zertifikaten oder auch Bankguthaben im Insolvenzfall der Bank als Sondervermögen vollständig geschützt und ist nicht Teil der Insolvenzmasse.

          Von Spezialfonds als alleinige Geldanlage ist abzuraten

          Es gibt zwei Arten, wie ETFs einen Index abbilden. Die klassische und von vielen Privatanlegern bevorzugte Variante wird als voll replizierend bezeichnet. Hier enthält der Fonds die Index-Werte in der entsprechenden Gewichtung, beim Dax also zum Beispiel alle 30 Dax-Aktien. Bei der synthetischen Abbildung wiederum stellt ein Swap-Partner die Abbildung der Indexentwicklung sicher. Im Fondsvermögen können sich jedoch ganz andere Aktien befinden, die gar nicht Teil des abzubildenden Index sind. Das kann für den Kunden günstiger sein und auch Steuervorteile haben. Es gibt jedoch das – abgesicherte – Ausfallrisiko des Swap-Partners. Bei vielen Anlegern verbleibt ein ungutes Gefühl bei dieser Art der Index-Abbildung, so dass die meisten Indexfonds mittlerweile voll replizierend sind.

          Auch hier kann es jedoch sein, dass Aktien zur Aufbesserung der Rendite verliehen werden. Das ist aber auch bei aktiven Fonds üblich. Im Gegensatz zu aktiven Fonds weiß der Anleger bei Indexfonds immerhin ziemlich genau, welche Werte im Fonds enthalten sind. Aktive Fonds zeigen hingegen meist nur ihre größten Positionen und beschreiben ihre Anlagestrategie, lassen die Anleger ansonsten aber über ihr Tun weitgehend im Unklaren. Für welchen Fonds auch immer der Anleger sich entscheidet, er sollte auf eine ausreichende Streuung achten. Sparpläne auf Einzelaktien sind zwar besonders günstig, weil es hier keine Fondsgebühren gibt, aber eben auch riskant. Auch von Spezialfonds auf einzelne Branchen oder kleinere Länder ist als alleinige Geldanlage abzuraten. Indexfonds auf den MSCI World, den Euro Stoxx 50 oder den Dax sind hingegen breiter gestreut und werden rege gehandelt. Die Comdirect bietet auch einen kostenfreien Sparplan auf den F.A.Z.-Index an, der neben den 30 Dax-Werten zusätzlich 70 weitere deutsche Aktien enthält. Auch Anleihefonds können zur Risikostreuung beigemischt werden. Ihre Rendite bleibt hingegen in der Regel deutlich hinter der von Aktienfonds zurück.

          Gerne genutzte Anleihefonds für Sparpläne sind der db X-Trackers (Deutsche Bank) auf den iBoxx Sovereigns Eurozone mit der WKN DBX0AC. Er bildet die Wertentwicklung von Staatsanleihen aus dem Euroraum ab und kostet eine Gebühr von 0,15 Prozent im Jahr. Spezialisiert auf länger laufende deutsche Staatsanleihen ist zum Beispiel der iShares (Blackrock) Government Germany 10,5+ mit der WKN A0D8Q3. Er kostet 0,16 Prozent Gebühren im Jahr. Ein großer Fonds auf in Dollar gehandelte Unternehmensanleihen ist der iShares USD Corporate Bonds mit der WKN A0DPYY und 0,2 Prozent Gebühr. In Eurounternehmensanleihen guter Bonität legt der iShares Core Euro Corporate Bond unter der WKN A0RGEP mit jährlichen Gebühren von 0,2 Prozent an. Im Aktienbereich gehören alle großen Indizes bei allen Indexfondsanbietern zum Standardprogramm. Die Gebührenunterschiede sind marginal.

          Dass ETF-Sparpläne schon mit überschaubarer monatlicher Sparleistung zu nennenswertem Vermögen führen können, soll folgendes Beispiel zeigen. Ein ehemaliger Raucher legt die gesparten Kosten für Zigaretten von 100 Euro im Monat in einen Aktien-ETF-Sparplan mit 1 Prozent Bank- und 0,15 Prozent Fondsgebühr an. Die Aktienrendite betrage wieder, konservativ gerechnet, 6 Prozent. Natürlich sind am Aktienmarkt auch Kursverluste möglich. Doch hier zeigt sich ein weiterer Vorteil der Sparpläne. Der sukzessive Einstieg über viele kleine Sparraten ist weniger riskant als der Einstieg auf einen Schlag mit einer größeren Summe. Nach zehn Jahren liegen 16.000 Euro im Depot, nach 20 Jahren sind es 44.000 Euro und nach 30 Jahren 94.000 Euro. Steuern sind hier außen vor gelassen. Dividenden und Kursgewinne unterliegen jedoch jenseits des Sparerfreibetrages der Abgeltungsteuer. Viele Banken bieten zudem gesonderte Konditionen für Sparpläne für Kinder an. So kann früh von Eltern und Großeltern für den Führerschein und das erste Auto oder die Finanzierung von Ausbildung oder Studium gespart werden – ohne das Gefühl, von der Finanzbranche abgezockt zu werden.

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