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Die Vermögensfrage : Mit Sparplänen ein Vermögen aufbauen

Die Auswahl der Banken zeigt, dass sich in diesem Bereich wie bei eigentlich allen Finanzinnovationen die Direktbanken hervortun. So bietet die Deutsche Bank zwar über ihre Direktbank Maxblue ETF-Sparpläne an. In ihren Filialen wird dies den Kunden aber nicht offeriert. Die Filialkunden haben wie bei den meisten Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken auch lediglich die Möglichkeit, Sparpläne auf aktiv gemanagte Fonds abzuschließen und dafür die üblichen Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren zu zahlen. Der Ausgabeaufschlag beträgt bei Aktienfonds oft 5 Prozent, bei Anleihefonds 3 Prozent. Dazu kommt eine jährliche Gebühr von bis zu 1,5 Prozent. Die Möglichkeit von Sparplänen auf aktiv gemanagte Fonds besteht für die Kunden von Maxblue auch. Doch sie bekommen anders als die Filialkunden mindestens 50 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag, manchmal entfällt der Ausgabeaufschlag auch ganz.

Günstigere Möglichkeiten mit Indexfonds

Auf lange Sicht ist der Einfluss der Gebühren auf den Anlageerfolg nicht zu unterschätzen. Dies soll an einem Beispiel aufgezeigt werden. Kunde A kauft einen Sparplan auf einen aktiv gemanagten Aktienfonds, der ihn 5 Prozent Ausgabeaufschlag und 1,5 Prozent jährliche Verwaltungsgebühr kostet. Er spart monatlich 100 Euro und hält das 20 Jahre durch. Es wird eine moderate Aktienrendite von durchschnittlich 6 Prozent im Jahr unterstellt – in der Vergangenheit waren 8 Prozent üblich. Am Ende hat der Kunde ohne Berücksichtigung von Steuern gut 36.000 Euro in seinem Depot. Der Kunde B hat einen Anbieter gefunden, der ihm einen Abschlag von 50 Prozent auf den Ausgabeaufschlag gewährt. Er hat nach 20 Jahren immerhin rund 1000 Euro mehr im Depot. Kunde C war noch findiger und kam ganz ohne Ausgabeaufschlag aus. Das hat ihn einen weiteren Tausender gespart.

Wird aber nun das in der Realität immer wieder auftretende Phänomen unterstellt, dass auf lange Sicht ein aktiv gemanagter Fonds gar keine bessere Leistung bringt als ein Fonds, der nur einen Index nachbildet, ergibt sich eine günstigere Möglichkeit. ETFs werden nämlich in aller Regel ohne Ausgabeaufschlag angeboten. Die jährliche Verwaltungsgebühr soll beispielhaft 0,2 Prozent betragen. Der Sparplan kostet den Anleger D 1,5 Prozent seiner eingezahlten Beiträge. Nach 20 Jahren hat der Anleger fast 44.000 Euro im Depot und damit mehr als 7000 Euro mehr als Kunde A in der teuersten Variante. Kunde E findet sogar einen kostenlosen ETF-Sparplan und mit einem ETF ohne Verwaltungsgebühr (auch das gibt es). Er stellt sich noch einmal 1700 Euro besser.

Diese Zahlen sollten die Anleger im Kopf haben, wenn sie über den Abschluss eines Sparplans nachdenken. Die mittlerweile mehr als eine Million Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken, die einen Sparplan in Fonds der hauseigenen Fondsgesellschaft Union Investment abgeschlossen haben, oder die 1,3 Millionen Sparkassenkunden mit Deka-Fonds-Sparplänen tun sicher mehr für ihre Altersvorsorge als die meisten anderen, die nämlich gar nicht oder nur auf dem Sparbuch sparen. Ob die dabei fälligen vollen Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren der aktiv gemanagten Union- oder Deka-Fonds aber klug investiert sind, ist fraglich.

Wer jedoch einen günstigeren ETF-Sparplan haben möchte, muss sich bislang meist die Mühe machen, ein Depot bei einer Direktbank zu eröffnen. Nur die Commerzbank bietet unter den großen Filialbanken auch in ihren Niederlassungen ETF-Sparpläne an. Das kostet im klassischen Depot jeden Monat 1 Prozent vom Kurswert plus 2,50 Euro. Wer wegen eines ETF-Sparplans bei einer Direktbank ein Depot eröffnen will, kann dies meist kostenfrei und ohne großen bürokratischen Aufwand tun. Vor dem ersten Kauf eines ETF sollte sich der Anleger jedoch ein wenig mit dieser Anlageform vertraut machen. Wie bei allen anderen Fonds bleibt auch bei Indexfonds das Vermögen immer im Eigentum des Sparers. Es ist anders als bei Zertifikaten oder auch Bankguthaben im Insolvenzfall der Bank als Sondervermögen vollständig geschützt und ist nicht Teil der Insolvenzmasse.

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