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Die Vermögensfrage : Länger laufende Sparverträge bergen hohe Kosten

Die fondsgebundenen Kapitalversicherungen sind Sparverträge, bei denen die monatlichen Sparraten in Anleihen und Aktien fließen. Die Anleger können in der Regel aus einem großen Angebot wählen, was ihnen schmeckt. Unter dem Strich geht es aber um Anleihen und Aktien. Außerdem gibt es in den Angeboten, welche die Verkäufer und Vermittler den Sparern vor Abschluss der Verträge vorlegen müssen, viele „kleingedruckte“ Passagen, die „große“ Aufmerksamkeit verlangen, weil es um Gebühren und Kosten geht, die mächtig ins Geld gehen.

Verwirrung beim Sparer

In den fondsgebundenen Kapitalversicherungen fallen sowohl Abschlusskosten als auch Verwaltungsgebühren an. Die Abschlusskosten sind die Entlohnung des Vertriebs und liegen in der Regel bei 4 bis 5 Prozent der Einzahlungen. Das heißt in Euro und Cent, dass von dem Startkapital (75.000 Euro) und den Monatsraten (500 Euro) im Mittel etwa 4,5 Prozent abgezogen werden. Das sind im Laufe von 30 Jahren insgesamt 11.475 Euro. Hinzu kommt die jährliche Verwaltungsgebühr. Sie beträgt bei den Mischfonds, welche das Kapital in Anleihen und Aktien anlegen, mindestens 1,5 Prozent pro Jahr. Sie wird dem Depot entnommen, und das ist zahlreichen Sparern gar nicht bewusst.

Die Zahlen führen im vorliegenden Fall zu einem Sparplan, der sich aus der Startzahlung von 75.000 Euro und den 360 Monatsraten à 500 Euro zusammensetzt. Davon fließen aber nur 71.625 Euro und 360 mal 478 Euro in den Spartopf. Wenn sich Anleihen mit 3 Prozent und Aktien mit 5 Prozent rentieren, kommt unter dem Strich eine „Mischrendite“ von 4,1 Prozent pro Jahr heraus. Davon sind die jährlichen Verwaltungsgebühren von 1,5 Prozent abzuziehen, so dass die Verzinsung auf 2,6 Prozent pro Jahr sinkt. Folglich betragen die Gesamtkosten rund 55.000 Euro.

Keine Zeit für Optimismus

Das sind freilich noch nicht das letzte Wort beziehungsweise die letzte Zahl. In 30 Jahren wird sich das Finanzamt zu Wort melden und seinen Tribut fordern. Die Hälfte der Erträge wird der persönlichen Besteuerung zu unterwerfen sein. Eingezahlt wurden 255.000 Euro. Ausgezahlt werden 414.000 Euro. Die Differenz ist zur Hälfte steuerpflichtig. Das sind 80.000 Euro, so dass bei einem Steuersatz von 30 Prozent einmalige Abgaben von 24.000 Euro anfallen. So bleiben am Ende der Veranstaltung noch 390.000 Euro übrig, und das ist eine Verzinsung von 2,1 Prozent pro Jahr.

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Das Ergebnis wird keinen Menschen vom Hocker reißen. Vor dem Hintergrund, dass die Inflation in Zukunft bei 2 bis 3 Prozent liegen kann, sollte auch Optimisten klarwerden, was die Stunde geschlagen hat: Ordentlicher Lohn, hohe Abgaben, kein eigenes Heim, mittlere Sparraten, stramme Gebühren, keine Sicherheit, schleichende Geldentwertung. Bei dieser Nullnummer kommt keine Freude auf, so dass es auch kein Wunder ist, dass sich viele Anleger vor der Altersvorsorge drücken, frei nach dem Motto: Wir leben jetzt, die Zukunft gehört dem Staat!

Es bleibt nur eine Möglichkeit

Wer jedoch die Zukunft in die Hand nimmt, wird schnell erkennen, dass die Alternativen bescheiden sind. Sowohl am Sparen als auch an Anleihen und Aktien führt kein Weg vorbei. Spielraum gibt es nur bei den Tüten, in denen das Geld nach Hause getragen wird. Es muss keine Fondspolice sein, und es sind auch keine Investmentfonds mit aktiver Verwaltung notwendig. Kenner der Szene wissen schon seit Jahren, dass Vermögensverwalter viel Staub aufwirbeln, wenn es um Prozente und Promille geht. Nur wird diskret verschwiegen, dass es über einen Zeitraum von 30 Jahren kaum möglich ist, besser als der Markt abzuschneiden.

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