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Die Vermögensfrage : Konsumschulden mit Policen zu tilgen ist Unfug

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Trotz der Finanzkrise ist die Zahl der Kredite in den vergangenen Monaten weiter gestiegen. Als Schuldner sind vor allem Beamte sehr begehrt. Wenn Privatleute einen Festkredit mit einer Versicherung kombinieren, ist das eine teure Sünde.

          Trotz der Finanzkrise ist die Anzahl der Kredite in den vergangenen Monaten weiter gestiegen. Das zeigen die Zahlen der Deutschen Bundesbank in Frankfurt. Die Summe der Ratenkredite, die an Privatpersonen vergeben worden sind, lag im ersten Quartal dieses Jahres bei etwa 135 Milliarden Euro. Die tatsächliche Verschuldung der Privatleute ist freilich höher. Nach Angaben der Schufa in Wiesbaden beträgt die Summe sämtlicher Privatkredite eine Billion Euro.

          Davon entfallen rund 80 Prozent auf Kredite für den Wohnungsbau, so dass die Deutschen ungefähr 200 Milliarden Euro aufgenommen haben, um ihren Konsum zu finanzieren. Das sind im Schnitt etwa 2.500 Euro pro Kopf oder 10.000 Euro pro Familie. Folglich blüht nicht nur das Geschäft mit Kreditkarten und Ratenkrediten, sondern auch der Handel mit Umschuldungen aller Art - es gibt Tausende von Haushalten, die mit der Tilgung ihrer Verbindlichkeiten einfach nicht klarkommen.

          Beamte mir sicheren Einkommen sind als Schuldner sehr begehrt

          Vermittler, die sich auf Umschuldungen spezialisiert haben, begehren vor allem Beamte. Deren sichere Einkommen bieten beste Perspektiven für hohe Provisionen und geringen Adressausfall, wie der Fachmann sagt. Frei übersetzt heißt das: Wer einen Bürokraten, Lehrer, Polizisten oder Soldaten mit Lohnabtretung an der Angel hat, kann gut verdienen und muss sich um das Darlehen keine Sorgen machen. Notwendig ist nur die Fähigkeit, sich nicht mit den Details der „Beamtenkredite“ zu beschäftigen. Sonst können sich, wenn in die Suchmaschinen des Internets etwa „Beamte“ und „Kredite“ eingegeben werden, gewisse Abgründe öffnen.

          Da geht es zum Beispiel um eine 35 Jahre alte Beamtin auf Lebenszeit. Die Dame braucht 25.000 Euro, weil sie offenbar den Überblick über ihre Finanzen verloren hat. Nun aber soll alles besser werden. Eine große Versicherung, die in Hamburg zu Hause ist, bietet der jungen Frau die „gewünschten“ 25.000 Euro zu einem jährlichen Zinssatz von 5,99 Prozent an. Die Laufzeit des Kredites wird 14 Jahre betragen. Er soll mit Hilfe einer Versicherung getilgt werden, die monatlich 150,76 Euro kostet. Dafür ist nach 14 Jahren nicht nur der Kredit abgezahlt, sondern die Staatsdienerin wird auch noch einen „Überschuss“ von 6.441 Euro erhalten.

          Kombination von Darlehen und Versicherung - ein teures Vergügen

          Der Vermittler lobt das Angebot, das liegt in der Natur der Sache, über den grünen Klee. Der effektive Jahreszins von 6,20 Prozent sei besonders günstig, der monatliche Gesamtaufwand betrage nur 275,55 Euro, es seien jederzeit Sondertilgungen möglich, die Familie werde abgesichert, bei Dienstunfähigkeit seien keine Raten mehr zu bezahlen, am Ende falle eine Gewinnbeteiligung an, und das Darlehen werde ohne Bearbeitungsgebühr schnell ausgezahlt. Das hört sich wie das Paradies auf Erden an, doch wer die Sache unter die Lupe nimmt, kann nur ein Stoßgebet zum Himmel schicken, dass der Kredit zum Wohle der Verbraucherin niemals ausgezahlt werden möge.

          Die Kombination des Darlehens und der Kapitalversicherung ist ein teures Vergnügen. Es ist richtig, dass der Kredit effektiv 6,20 Prozent pro Jahr kostet. Verschwiegen wird jedoch, dass die Police im selben Zeitraum nur 3 Prozent abwirft. Weil die Zinsen auch noch in voller Höhe versteuert werden müssen, sinkt die Rendite auf 2 Prozent pro Jahr. Dadurch explodieren die Gesamtkosten. Das nackte Darlehen schlägt mit 9,2 Prozent pro Jahr zu Buche. Wird in die ganze Rechnung auch der Risikoschutz einbezogen, klettert der Preis sogar auf 9,6 Prozent pro Jahr, so dass sich die Frage nach Alternativen stellt.

          Zuerst müssen die Schuldner alle Reserven mobilisieren

          Das gilt auch im zweiten Fall. Hier geht es um einen 33 Jahre alten Beamten, der 40.000 Euro braucht. Ihm wird eine Laufzeit von 20 Jahren offeriert. Der Kredit wird zum Preis von 6,69 Prozent pro Jahr angeboten, und die Versicherung kostet 165,20 Euro pro Monat. Dafür winkt am Schluss wieder ein Überschuss; dieses Mal sollen es 16.754 Euro sein. Wer den Zahlungsstrom in einen Rechner eingibt, erhält einen Effektivzins von 9,67 Prozent pro Jahr. Werden am Ende der Laufzeit die Steuern abgezogen, kommen 10,12 Prozent heraus, so dass der Abstand zu den angepriesenen 6,95 Prozent schon heftig ist. Die Konstruktion der Tilgung ist in beiden Fällen fragwürdig.

          Es ist tragisch, dass junge Beamte in dieser Höhe verschuldet sind. Wenn das Haus aber in Flammen steht, sollte zum Löschen nicht gerade Benzin verwendet werden. Daher gilt wie bei der Bekämpfung jedes Brandes, dass ein kühler Kopf der halbe Sieg ist. Zuerst müssen die Schuldner alle Reserven mobilisieren. Das heißt im Klartext, dass alle Geldanlagen und Sparverträge aufgelöst werden müssen, um die bestehenden Schulden auf ein Minimum zu senken.

          Vorsicht vor Kontrakten mit langen Laufzeiten

          Es geht um die Ermittlung der finanziellen Belastbarkeit pro Monat. Die Vorstellung von „bequemen“ Raten ist eine Schnapsidee. Genauso sind die „Überschüsse“ am Ende der Laufzeit, um es in aller Deutlichkeit zu sagen, des Wahnsinns fette Beute. Wer solche Gedanken hegt, ist ein Träumer und hat nicht begriffen, dass ihm das Wasser bis zum Hals steht. Umgekehrt werden alle Schuldner, die verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat, ihre finanzielle Belastbarkeit bis zur Schmerzgrenze ausreizen, um die Dauer der Tilgung zu minimieren. Laufzeiten von 14 oder 20 Jahren sind für Privatleute eine Katastrophe, weil bei diesen Perspektiven die finanzielle Freiheit auf der Strecke bleiben muss.

          Der dritte Punkt sind die Laufzeit und die Zinsen. In den Monatsraten von 275,55 Euro, die der jungen Frau vorgeschlagen werden, steckt eine Prämie von fünf bis sechs Euro für die Absicherung bei Tod und Dienstunfähigkeit. Für die Zinsen und die Tilgung stehen folglich 270 Euro zur Verfügung. Wenn die Verbindlichkeiten in einem Zeitraum von zehn Jahren getilgt werden sollen, dürfte der Sollzins exakt 5,39 Prozent pro Jahr betragen. Für diesen Preis wird aber im Augenblick kein Kreditgeber zu finden sein. Momentan kostet die Rückzahlung privater Schulden zwischen 8 und 9 Prozent pro Jahr. Das führt bei einem Zinssatz von 8,5 Prozent zu zwei Möglichkeiten. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren liegen die Monatsraten bei 310 Euro, und bei einer Rate von 270 Euro muss 151 Monate gezahlt werden. Bei dem jungen Mann liegen die Raten bei 496 Euro pro Monat, und die Laufzeit beträgt 16 Jahre.

          Verkäufer sind primär auf hohe Provisionen aus

          Die Aussage der Vermittler, dass die Banken bei der Umschuldung von Konsumschulden weder Laufzeiten von zehn Jahren noch Sollzinsen von 8,5 Prozent pro Jahr einräumen, ist mit Vorsicht zu genießen. Es ist richtig, dass die üblichen Ratenkredite höchstens 84 Monate laufen, doch im Zweifel ist es vorteilhafter, mit 8 Prozent in einen Ratenkredit einzusteigen und die Restschuld in sieben Jahren zu verlängern. Das Angebot der Versicherung ist mit höchster Wahrscheinlichkeit die schlechtere Lösung, weil die Restschulden bei der Bank ab dem achten Jahr und bei identischen Raten zu 14 bis 16 Prozent verlängert werden könnten. Mit solchen Zinssätzen ist jedoch nicht zu rechnen.

          Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Die Kombination des Festkredites und der Versicherung ist für Privatleute eine teure Sünde. Das liegt jedoch nicht an der Qualität der Police, sondern an der Tatsache, dass die Versicherung im vorliegenden Fall völlig missbraucht wird. Eine Versicherung soll zunächst Risiken abdecken. Dann kann sie in bestimmten Fällen der Altersvorsorge dienen. Die Tilgung von Konsumschulden mit Hilfe von Versicherungen ist aber in höchstem Maße fragwürdig. Das sehen Verkäufer, die auf solche Geschäfte spezialisiert sind, mit anderen Augen, doch es wäre ein Wunder, wenn es anders wäre. Die Provision für solche Geschäfte liegt bei 5 Prozent.

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