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Die Vermögensfrage : Junge Leute sollten andere Sorgen als die Rente haben

  • -Aktualisiert am

„Das ist der beste Platz, wenn sie ihr Geld wieder zum Fenster rauswerfen...“ Bild: Kai

Eine gute Ausbildung und die berufliche Karriere sind die Grundbausteine des Wohlstands. Das Eigenheim sollte erst an zweiter und die Altersvorsorge an letzter Stelle kommen.

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          Der Start in das Berufsleben kann, wenn die Weichen falsch gestellt werden, mächtig ins Geld gehen. Die Aufzeichnung von Einnahmen und Ausgaben ist bei jungen Leuten weitgehend aus der Mode gekommen. Dafür liegen Smartphones und Kreditkarten im Trend. Die Quittung für das Erlebnis, an Tankstelle nicht nur Benzin, sondern auch Schnaps für 19,95 Euro zu zapfen und den Stoff mit Hilfe von Scheckkarten zu bezahlen, kommt zum Teil erst Tage und Wochen nach dem Besäufnis in Form von Bankauszügen auf den Tisch, die hier und da schon mal zu der Frage führen, wo das liebe Geld geblieben ist. Antworten liefert das folgende Beispiel.

          Ein junger Mann ist 25 Jahre alt. Ein Blick auf die Konten des Betriebswirtes verheißt wenig Gutes. Das Girokonto steht mit 500 Euro im Minus. Auf dem Sparkonto liegen 1500 Euro. Abgerundet wird das Vermögen durch eine Versicherung mit einem Rückkaufswert von 1000 Euro. Getrübt wird das Bild durch einen Autokredit. Der Kaufmann hat sich vor Monaten für 5000 Euro ein Auto auf Pump zugelegt. Die Restschuld liegt bei 4000 Euro, so dass der Mann unter dem Strich mit 2000 Euro in der Kreide steht.

          Das Ergebnis ist bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1800 Euro kein Kunststück. Die Ursachen werden bei der Auflistung der Einnahmen und Ausgaben deutlich. Vom Bruttolohn fließen 181 Euro an den Fiskus. Für Krankenkasse und Pflegeversicherung fließen 170 Euro ab. Arbeitslosenversicherung und Rentenanstalt belasten das Konto jeden Monat mit 203 Euro. Folglich bleiben 1246 Euro übrig, die fest verplant sind.

          Vermögen ist die Belohnung für Konsumverzicht

          Der größte Posten ist die Warmmiete mit 450 Euro. Dann sind das Auto und das Darlehen mit 300 Euro an der Reihe. Die Verpflegung kostet 250 Euro. Telefon und Urlaub belasten die Kasse mit weiteren 200 Euro. Investmentfonds und Versicherungen ziehen dem Mann jeden Monat rund 150 Euro aus der Tasche. Kleidung und Schuhe schlagen mit 100 Euro zu Buche, so dass von den Einnahmen nichts übrigbleibt. Im Gegenteil: Gut 200 Euro fehlen jeden Monat. Das scheint auf den ersten Blick nicht viel zu sein, weil die Kreditraten bald wegfallen werden. Doch die Gefahr, dass von Jahr zu Jahr das Finanzloch größer wird, ist verhältnismäßig groß, weil sich die Tilgung des Kredites noch sechs Jahre hinziehen wird.

          Um diesem Übel vorzubeugen, ist frühes Training nötig, weil der richtige Umgang mit Geld in erster Linie eine Frage des Selbstbewusstseins ist. Wer stark ist, den Verlockungen des Lebens widersteht und bewährte Lebensformen übernimmt, kann finanziellen Wohlstand kaum verhindern. Ansonsten droht der finanzielle Absturz. Im vorliegenden Fall stellen sich drei Fragen. Erstens: Warum verwendet der Anleger seine Guthaben nicht zur Tilgung der Schulden? Ist die Police in der bestehenden Form sinnvoll? Drittens: Lassen sich die Ausgaben senken, frei nach dem Motto, dass auch Kleinvieh bekanntlich Mist macht?

          Die Fragen sind lästig. Aber wer den Antworten aus dem Weg geht, wird kaum auf einen grünen Zweig kommen, weil Vermögen die Belohnung für Konsumverzicht ist. Die meisten Menschen, die nicht geerbt haben, sondern ihren Wohlstand erarbeitet haben, sind nur auf diese Weise zu Geld gekommen. Und diese hausbackene Regel können selbst junge Leute nicht außer Kraft setzen. In vielen Fällen, auch in diesem Beispiel, bewirken kleine Veränderungen große Ergebnisse. Die bestehenden Anlagen können aufgelöst werden, so dass die Verbindlichkeiten sinken und schneller getilgt werden können. Bei der Wohnung sind kaum Einsparungen möglich. Weniger Spritztouren mit dem Auto können die Ausgaben senken. Die Kosten der Versicherungen lassen sich vermindern. Und auch bei Telefon und Urlaub sind Einsparungen denkbar.

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