https://www.faz.net/-hbv-w0zd

Die Vermögensfrage : Invalidität wird als Risiko unterschätzt

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Invalidität wird oft unterschätzt. Viele Berufseinsteiger blenden das Risiko der Berufsunfähigkeit aus und sichern sich nicht dagegen ab. Dabei sind die Prämien für eine Invaliditätsrente in jungen Jahren kaum der Rede wert.

          4 Min.

          Die Absicherung der Arbeitskraft gegen Invalidität leuchtet vielen Menschen ein, doch wenn es darum geht, der Einsicht auch Taten folgen zu lassen, sieht es in Deutschland düster aus. Die meisten Leute, sowohl Angestellte als auch Selbständige, drohen bei Invalidität unter die Räder zu kommen, weil das Geld nicht ausreicht. Für den Unwillen, die finanziellen Folgen der Invalidität mit Hilfe privater Policen zu bekämpfen, gibt es zahlreiche Gründe. Auf der einen Seite wird dieses Risiko nach Möglichkeit aus dem Bewusstsein verdrängt, und auf der anderen Seite ist vielen Leuten, vor allem Menschen, die zwischen 30 und 40 Jahre alt sind, der finanzielle Aufwand schlicht zu hoch.

          In späteren Jahren steigt zwar die Einsicht, dass es sinnvoll ist, sich gegen Invalidität abzusichern, doch wer über 40 Jahre ist, muss bereits derart hohe Prämien bezahlen, dass die Absicherung wirklich zur Belastung wird. Nach dem 50. Geburtstag hat sich die Sache in vielen Fällen ohnehin von selbst erledigt, weil gar keine Absicherung mehr zu bekommen ist. Daher gehört die Vorsorge gegen die Invalidität für alle Berufseinsteiger zum Pflichtprogramm, weil nur in dieser Zeit hoher Schutz zu moderaten Preisen erhältlich ist. Die Möglichkeiten werden in folgendem Beispiel deutlich.

          Möglich sind für den Angestellten drei Wege

          Ein lediger Diplomingenieur ist 30 Jahre und verdient brutto 4000 Euro pro Monat. Davon bleiben nach Abzug aller Sozialabgaben und Steuern ungefähr 55 Prozent übrig. 66 Euro fließen in die Arbeitslosenversicherung, 282 Euro gehen an die Krankenkasse, 40 Euro kostet die Pflegeversicherung, und 398 Euro sind in die Rentenversicherung einzuzahlen. Die Lohnsteuer beträgt 894 Euro, die Solidarität mit dem Osten fordert 49 Euro, und die Kirche will 71 Euro, so dass dem Akademiker noch 2200 Euro in der Tasche bleiben. Davon können bei den privaten Gesellschaften etwa 90 Prozent oder 2000 Euro versichert werden. Möglich sind für den Angestellten drei Wege. Diese Wege sind die Unfallversicherung, die Basisrente mit Zusatz sowie die Berufsunfähigkeitsrente.

          Die mit Abstand heikelste Lösung ist die private Unfallversicherung. Die Prämien sind zwar niedrig, doch die Wahrscheinlichkeit, durch einen Unfall berufsunfähig zu werden, ist noch viel niedriger. Bei günstigen Gesellschaften kostet eine lebenslange Unfallrente von 2000 Euro pro Monat für einen 30 Jahre jungen Mann nur 11 Euro. Das Geld ist aber, um es in aller Deutlichkeit zu sagen, in 90 Prozent der Fälle zum Fenster hinausgeworfen, weil nur ein Zehntel aller Invaliden durch einen Unfall aus dem Berufsleben ausscheidet.

          In der Regel zwingen Krankheiten, allen voran Depressionen, zur Aufgabe des Berufes, und in solchen Lebenslagen bezahlen die Unternehmen keinen Cent. Daher sind private Unfallversicherungen mit großer Vorsicht zu genießen, und Unfallversicherungen mit Prämienrückgewähr sollten von Amts wegen verboten werden, weil den Privatleuten nicht nur fragwürdiger Versicherungsschutz verkauft, sondern auch noch Geld aus der Tasche gezogen wird, das an anderer Stelle fehlt.

          Der wunde Punkt ist jedoch die Höhe der Prämie

          Problematisch sind auch Basisrenten mit Zusatzrenten bei Berufsunfähigkeit. Hier wird jungen Leuten das Angebot gemacht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Auf der einen Seite soll die Arbeitskraft abgesichert werden, und auf der anderen Seite soll fürs Alter vorgesorgt werden. Versüßt wird die Offerte mit dem Hinweis, dass die Aufwendungen, auch die Prämien der Zusatzversicherung, steuerlich als Sonderausgaben geltend gemacht werden können, so dass die Abgaben sinken. Doch die Sache will aus drei Gründen gut überlegt sein. Erstens sind die Prämien hoch, zweitens steht das Sparkapital für andere Zwecke nicht zur Verfügung, und drittens werden die Invalidenbezüge der Basisrente hoch besteuert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.