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Die Vermögensfrage : Inflationsangst verstellt Blick für Aufteilung des Vermögens

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Die Aufnahme von Krediten führt in vielen Fällen nicht zu den gewünschten Erfolgen. Die riesigen Schuldenberge können auf lange Sicht nur mit Hilfe von Geldpresse und Steuererhöhungen abgebaut werden.

          Die natürlichen Feinde aller Geldanlagen sind Sicherheit, Inflation und Steuern. Das ist zwar ein alter Hut, doch die aktuellen Ereignisse zeigen, dass der Hinweis nichts an Aktualität eingebüßt hat. Der gewaltige Orkan, der die Finanzmärkte in den vergangenen Monaten erschüttert hat, scheint vorüber zu sein. Nun haben die Aufräumarbeiten begonnen, und die gigantischen Staatsschulden werden in den kommenden Jahren viele Privatleute stark belasten.

          Die riesigen Schuldenberge können auf lange Sicht nur mit Hilfe von Geldpresse und Steuererhöhungen abgebaut werden. Momentan wagen Politiker kaum offen darüber zu sprechen, doch nach der Wahl wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Sache gehen. Bei diesen Perspektiven ist es kein Wunder, dass sich manche Anleger fragen, wie sie sich gegen Inflation und Steuern wappnen sollen. Bei diesen Überlegungen spielen Kredite und Immobilien eine wichtige Rolle, also genau jene Produkte, die zu den Turbulenzen geführt haben.

          Auf Abwegen

          Ein fünfzigjähriger Mann hat vor fünf Jahren aus steuerlichen Gründen einen größeren Betrag in eine Kapitalversicherung eingezahlt. Damals wurde die Steuerfreiheit der Kapitalversicherungen aufgehoben, und kurz vor Toresschluss steckte der Anleger etwa 170.000 Euro in eine Police mit Prämiendepot und einer Laufzeit von 15 Jahren. Der heutige Rückkaufswert liegt bei 200.000 Euro, und in zehn Jahren sollen an den Privatmann nach Auskunft der Gesellschaft etwa 300.000 Euro zurückfließen.

          Vor fünf Jahren war der Anleger von der Anlage überzeugt. In der Zwischenzeit ist dies anders. Der Mann ist mit der Verzinsung des Kapitals, die Rendite wird bei 3,9 Prozent je Jahr liegen, und der Steuerfreiheit der Erträge durchaus zufrieden, doch der Investor fragt sich, wie viel die 300.000 Euro in zehn Jahren wohl noch wert sein werden. Die drohende Inflation beunruhigt den Mann so, dass er auf bestem Wege ist, auf Abwege zu geraten.

          Schwund des Geldwertes

          Er überlegt sich, ob er 300.000 Euro, also genau jenen Betrag, der in zehn Jahren von der Versicherung kommen soll, aufnehmen und in eine Immobilie stecken soll. Davon verspricht er sich zwei Vorteile. Erstens vertritt er die Auffassung, dass die Zinsdifferenz zwischen dem Kredit und der Versicherung lukrativ sei, und zweitens ist er der Meinung, dass der Sachwert, also die Immobilie, den Schwund des Geldwertes nicht nur begrenzen, sondern sogar wettmachen könne.

          Die Idee sieht bestechend aus. Der Mann hat Geld zu 4 Prozent angelegt und muss auf die Erträge keine Steuern bezahlen. Im selben Zeitraum kann er Kapital aufnehmen, dass ihn nach Steuern nur 2,3 Prozent kostet, weil die Schuldzinsen als Werbungskosten absetzbar sind. Die Mittel sollen in eine Immobilie fließen, die ihren Wert behält.

          Ernüchternde Ergebnisse

          Die Haken des Geschäfts sind schwer erkennbar. Im vorliegenden Fall besteht die große Gefahr, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Das Vermögen soll mit Hilfe von Krediten erhöht werden, doch der Nutzen ist kaum der Rede wert, wie in der Tabelle deutlich wird. Hier wird das gesamte Vermögen des Anlegers dargestellt, und dann wird untersucht, wie sich die Pläne auf dieses Vermögen auswirken werden. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

          Das Vermögen setzt sich aus drei Gruppen zusammen. Das sind Anleihen mit einem Stand von 100.000 Euro, Aktien im Umfang von 300.000 Euro und die Police mit einem Wert von 200.000 Euro. Die Anleihen werden ihren Wert behalten, weil die Schuldner solide Adressen sind. Die Aktien sollen, so hofft der Anleger, jedes Jahr um 3 Prozent steigen. Der Wert der Versicherung wird auf 300.000 Euro steigen. Insgesamt wird das Vermögen, wenn die Prognosen stimmen, in den kommenden zehn Jahren von 600.000 auf 803.000 Euro anwachsen. Hinzu kommen die Erträge.

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