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Die Vermögensfrage : Die schwierige Suche nach dem fairen Honorar

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Hallo, Herr Kaiser: Auch Schauspieler Jim Carrey hat sich schon einmal als Versicherungsvertreter versucht – im Film „Truman Show“. Bild: ddp Images

Anlageberatung auf Provision ist in Verruf geraten. Doch ein Honorar wollen viele Kunden nicht dafür bezahlen. Was will der Vermittler, was der Gesetzgeber, der Kunde?

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          Wer in Deutschland Versicherungen und Kapitalanlagen vermitteln will, musste in den vergangenen Jahren eine regelrechte Evolution durchlaufen. Bis zum Jahr 2007 war es für Vermittler und Vertriebe in Deutschland möglich, solche Produkte zu vertreiben, ohne dass es einen gesonderten Qualifikationsnachweis und einer entsprechenden Zulassung bedurfte. Es reichte die Anmeldung beim Gewerbeamt und der Nachweis der Unbescholtenheit über das polizeiliche Führungszeugnis. Seit Mai 2007 gibt es, angestoßen durch eine europäische Regulierung in Deutschland, die Versicherungsvermittlerrichtlinie.

          Danach wurde neben der Unbescholtenheit und einer Berufshaftpflichtversicherung ein Nachweis der sogenannten Sachkunde erforderlich. 2013 folgte dann mit der Finanzvermittlerrichtlinie auch die Regulierung der Anlageberatung. Diese enthält gleiche Bedingungen, wie sie für Banken und Sparkassen knapp zwei Jahre vorher in Kraft gesetzt wurden. Schließlich trat Mitte 2013 dann eine weitere Richtlinie in Kraft, das Honorarberatungsgesetz, wieder mit identischen Regelungen für alle Finanzdienstleister.

          Die Wurzel allen Übels

          Das alles ist zunächst grundsätzlich positiv zu werten. Der Gesetzgeber hat es aber versäumt, eine klare Trennung zwischen Beratung und Vermittlung zu schaffen. Im Gegenteil ist mit der Einführung verschiedener Bezeichnungen wie „Honorar-Anlageberater“, „Honorar-Finanzanlagenberater“ und „Finanzanlagenvermittler“ keine Transparenz für den Verbraucher geschaffen worden, wer nun was macht.

          So darf der Honorarberater beispielsweise laut Honorarberatungsgesetz über Anlageprodukte beraten und diese auch vermitteln, er darf aber für den Vermittlungsteil keine Provision annehmen beziehungsweise muss sie zu 100 Prozent an den Kunden weiterleiten. Der „normale“ Finanzanlagenvermittler dagegen darf beides, ein Honorar verlangen oder Provision annehmen und behalten, wenn er das mit dem Kunden entsprechend vereinbart. Damit hat er Flexibilität in den Absprachen mit dem Kunden. Einziger Nachteil für ihn, er darf sich nicht „unabhängig“ nennen.

          Niedrige Akzeptanz für Bezahlung

          Das Thema der Vermittlung und Beratung nur auf Honorarbasis treibt schon seit Jahren die EU-Kommission um, weil man in der Provision auf Versicherungs- und Finanzprodukte die Wurzel allen Übels für Fehlinvestitionen und Finanzskandale sieht.

          Wie sieht es auf Verbraucherseite aus? Erkennt der Verbraucher die vermeintliche Wohltat des Gesetzgebers auch als solche an? Es gibt dazu inzwischen eine Vielzahl von Umfragen, von Finanzunternehmen, unabhängigen Meinungsforschungsinstituten sowie Zeitschriften und Magazinen. Die Ergebnisse schwanken. Aber sie zeigen, dass die Akzeptanz der Honorarberatung weiter niedrig ist. Sie liegt je nach Umfrage bei höchstens einem Drittel, manchmal auch unter zehn Prozent. Zu ganz anderen Ergebnissen ist eine im vergangenen Dezember veröffentlichte repräsentative Umfrage gekommen, die von NFS Netfonds, einem Maklerpool, in Auftrag gegeben wurde.

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