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Die Vermögensfrage : Hohe Lebensversicherungen sind vielen Männern ein Dorn im Auge

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Auf der einen Seite haben die Menschen zahlreiche Versicherungen, doch auf der anderen Seite ist die Versorgung bei Berufsunfähigkeit und Tod gering. Die Absicherung der Hinterbliebenen sollte zur Auflage gemacht werden.

          Die Versorgung in vielen Haushalten ist paradox. Auf der einen Seite haben die Menschen zahlreiche Versicherungen, doch auf der anderen Seite ist die Absicherung bei Krankheit, Berufsunfähigkeit und Tod gering. Die Gefahr der Unterversorgung ist bei Krankheit noch am geringsten, weil die gesetzliche Krankenversicherung und die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers bei Angestellten für gewisse Entspannung sorgen, doch bei Erwerbsunfähigkeit und bei Tod ist die Versorgung in vielen Haushalten düster. Das gilt in erster Linie für die Invalidität, doch auch bei Tod ist die finanzielle Absicherung der Hinterbliebenen in der Regel recht mager, weil die Versicherungssummen viel zu niedrig sind. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

          Ein Ehepaar ist Mitte 30 und hat zwei Kinder im Alter von fünf und drei Jahren. Der Vater arbeitet als Manager in der Industrie, und die Mutter kümmert sich zu Hause um den Nachwuchs. Das Nettoeinkommen liegt bei 50.000 Euro pro Jahr. Das ist auf den ersten Blick viel Geld, doch bei nüchterner Analyse der Dinge wird schnell deutlich, dass die Familie auch Ansprüche hat. Die Eltern geben für sich etwa 18.000 Euro aus, und die Kinder kosten rund 6000 Euro. Das Auto schlägt mit 5000 Euro zu Buche, das Haus verschlingt 4000 Euro, die Prämien der Versicherungen summieren sich auf 2000 Euro, der Urlaub fordert 3000 Euro, und die Kreditraten schlagen sich mit 12.000 Euro nieder.

          Trübe wird die Lage bei Scheidung, Invalidität und Tod

          Das sind die üblichen Zahlen des gehobenen Mittelstands in Deutschland. Solange sich die Eltern nicht trennen und solange der Vater weder arbeitslos noch krank wird, kann sich die Familie über den Wohlstand freuen. Trübe wird die Lage aber bei Scheidung, Invalidität und Tod. Das größte Problem ist heute die Scheidung. Im Schnitt wird jede zweite Ehe geschieden, doch abgekühlte Liebe lässt sich nicht versichern. Das dürfte der Hauptgrund sein, warum viele Frauen nicht bereit sind, ihren Beruf aufzugeben, und die Einstellung ist trotz aller Schwierigkeiten, die Beruf und Familie mit sich bringen, in der Regel richtig. Solange die Scheidung zum Alltag gehört, bleiben Bildung und Arbeit die einzige Versicherung gegen drohende Armut.

          Beim Tod des Vaters droht den Hinterbliebenen der finanzielle Abstieg, wie ein Blick in die Tabelle verrät. Hier wird aus Sicht der Mutter dargestellt, wie viel Geld notwendig ist, falls der Vater stirbt. Von besonderer Bedeutung ist in dieser Tabelle die Schere zwischen den Einnahmen und den Ausgaben. Die Einnahmen klettern jedes Jahr um 2 Prozent, doch die Ausgaben steigen im selben Zeitraum um 4 Prozent, weil angesichts der hohen Staatsschulden damit zu rechnen ist, dass die Geldentwertung in den kommenden Jahren stark zunehmen wird.

          Die Ausgaben fangen beim persönlichen Konsum der Mutter an

          Die Übersicht beginnt mit den Einnahmen. Wenn die Mutter nicht berufstätig ist und kein Vermögen besitzt, sind die einzigen Einnahmen die Witwenrente und das Kindergeld. Das sind im Moment rund 12.000 Euro pro Jahr. Ab dem elften Jahr sollen die Renten der Hinterbliebenen um 40 Prozent sinken, weil die Mutter wieder arbeiten will. Sie rechnet mit einem Nettoeinkommen von 2000 Euro pro Monat, so dass bei einem Lohnanstieg von 2 Prozent mit einem Anfangswert von 29.000 Euro kalkuliert werden kann.

          Die Ausgaben fangen beim persönlichen Konsum der Mutter an. Er soll 1000 Euro im Monat beziehungsweise 12.000 Euro pro Jahr betragen. Der Nachwuchs kostet 3000 Euro je Kind. In 15 beziehungsweise 17 Jahren steigen die Ausgaben für Kinder an, weil die Ausbildung beginnen wird. Die Ausgaben für Auto, Haus, Versicherungen und Urlaub werden sich beim Tod des Vaters kaum ändern. Daher gelten die bekannten Beträge: 5000 Euro für das Auto, 4000 Euro für den Unterhalt des Eigenheims, 2000 Euro für die Versicherungen und 3000 Euro für den Urlaub. Hinzu kommt im Abstand von zehn Jahren ein neues Auto im Wert von jeweils 20.000 Euro.

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