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Die Vermögensfrage : Günstig versichern

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Und der Haken bei der Sache? Die Haken, nicht der Haken! Sie betreffen Auswahl und Zugang zu den Tarifen sowie die Leistungsstärke mancher Anbieter. Nicht alle Versicherer bieten Nettotarife an. Genauer: Nicht alle Versicherer bieten allen Versicherungs- oder Honorarberatern Nettotarife an. Nach einer Untersuchung der Universität Köln waren es 2010 in der Lebensversicherung zehn Anbieter und in der Schaden- und Unfallversicherung sechs. Fünf weitere Lebensversicherer und vier andere Schaden- und Unfallversicherer hatten 2010 vor, innerhalb der nächsten fünf Jahre Nettotarife auf den Markt zu bringen. „Finanztest“ zählte 2013 elf Lebensversicherer; elf von mehr als 70. Inoffiziell, so sagen es Marktkenner, hätten sehr viel mehr Versicherer Nettotarife in der Lebensversicherung. Die würden aber nicht jedem Versicherungs- oder Honorarberater an die Hand gegeben. Meist sei es nur ein bestimmter Kreis von Beratern, der über diese Tarife verfügen dürfe. Das beschreibt die Lage ziemlich exakt.

Außerdem sind es nicht immer die leistungsstärksten Versicherer, die mit Nettotarifen ihr Neugeschäft beflügeln. Nicht ausgeschlossen also, dass ein besonders leistungsstarker Anbieter mit seinem Standardtarif eine höhere Rendite garantieren kann als ein teurer Anbieter mit seinem Nettotarif. Solche ernstzunehmenden Wettbewerber sind zum Beispiel die Direktversicherer, deren Angebote ohne Außendienst verkauft werden und deshalb auch ohne Provisionen kalkuliert sind. Da Nettotarife ähnlich kalkuliert sind wie Tarife von Direktversicherern, sind beide Angebotsformen für Anleger vergleichbar. Der Vergleich findet dann eben auf dem Niveau provisionsfreier Tarife statt.

Dabei gibt es auch auf diesem Niveau leistungsstärkere und leistungsschwächere Anbieter, was bei Lebensversicherern kostengünstige oder teurere Anbieter bedeutet. Provisionen sind ja nicht die einzigen Kosten von Versicherern, es gibt immer auch noch Verwaltungskosten. Und nichts ramponiert eine Überschussbeteiligung so sehr wie hohe Verwaltungskosten. Vier Prozent Verwaltungskosten können im aktuellen Zinsumfeld von den Kapitalanlegern der Gesellschaften kaum kompensiert werden. Bei einem Prozent Verwaltungskosten haben die Anleger für ihr Geld weniger zu befürchten. „Erst niedrige Kosten machen die Tarife eines Lebensversicherers wettbewerbsfähig“, sagt Michael Thiemermann, Geschäftsführer der Kölner KIVI GmbH, die regelmäßig die Jahresabschlüsse aller deutschen Versicherer auswertet. Deshalb komme es auch bei den Nettotarifen und den Angeboten der Direktversicherer auf die Kostenquoten an. Die Tabelle verdeutlicht die großen Unterschiede.

Um an einen Nettotarif zu kommen, führt kaum ein Weg an einem Versicherungs- oder Honorarberater vorbei. Diese Berufsbezeichnungen klingen ähnlich, sind es aber nicht. Versicherungsberater, von denen es nur rund 300 in Deutschland gibt, dürfen keine Provision von einem Versicherer nehmen, komme, was wolle. Ihre Adressen hat ihr Verband im Internet unter www.bvvb.de.

Für Honorarberater, von denen die meisten rechtlich als Makler tätig sind, gilt das in dieser Strenge nicht. Anders formuliert: Theoretisch kann sich jeder Honorarberater nennen und dennoch von einem Versicherer Geld kassieren. Theoretisch und praktisch: Im Markt segeln unter der Flagge der Honorarberatung auch finstere Seelenverkäufer. Es gibt aber auch einen Bundesverband (www.deutsche-honorarberater.de), der versucht, über einen Kodex das Problem des doppelten Kassierens in den Griff zu bekommen. Sein Kodex umfasst sowohl ein „Verbot der Vereinnahmung von durch Produktanbieter oder Vertriebsorganisationen gewährter Provisionen“ als auch das „Verbot der Vereinnahmung von Kick-Back-Zahlungen und Zuwendungen jeglicher Art“. Seine rund 1500 Honorarberater weisen sich durch ein entsprechendes Zertifikat aus.

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