https://www.faz.net/-hbv-85a6a

Die Vermögensfrage : Grau wie grauenhaft?

  • -Aktualisiert am

Einer der ersten geschlossenen Immobilienfonds: Das Main-Taunus-Zentrum bei Frankfurt am Mai 1964 Bild: Wolfgang Haut

Eigentum an Immobilien kann man auf verschiedene Art und Weise erreichen. Beim Privatanleger steht der Direkterwerb von Immobilieneigentum im Vordergrund.

          6 Min.

          Eigentum an Immobilien kann man auf verschiedene Art und Weise erreichen. Beim Privatanleger steht der Direkterwerb von Immobilieneigentum im Vordergrund. Dabei handelt es sich oft um den Erwerb zur Selbstnutzung - Einfamilienhaus oder Eigentumswohnung - oder auch der Erwerb zur Erzielung von Einkünften aus der Vermietung von Immobilien, zum Beispiel mit dem Kauf einer Eigentumswohnung. Eine andere Variante, die es im Übrigen schon mehr als 50 Jahre gibt, ist die indirekte Investition in Immobilen, in einen offenen Immobilienfonds, wie in der Ausgabe vom 6. Juni beschrieben. Bei der Direktinvestition steht dem Einsatz von Eigenkapital oft ein größerer Anteil an Fremdkapital gegenüber, zum Beispiel 20 Prozent Eigenkapital und 80 Prozent Hypothekenfinanzierung. Der Anteilserwerb von offenen Immobilienfonds erfolgt dagegen in der Regel durch die Anlage vorhandenen Kapitals. Auch wird nicht nur in Form einer Einmalanlage investiert, sondern in Form ratierlicher Einzahlungen, etwa zur Altersvorsorge.

          Neben diesen beiden Formen gibt es aber noch eine weitere Variante, die Investition in einen geschlossenen Immobilienfonds. Diese Anlageform kann auf eine langjährige Geschichte zurückblicken. Einer der ersten dieser Immobilienfonds war das Main-Taunus-Zentrum in der Nähe von Frankfurt am Main, das im Jahre 1964 eröffnet wurde und nun seit über einem halben Jahrhundert für die Anleger ordentliche Renditen erwirtschaftet. Beginnend mit den achtziger Jahren, hat diese Anlageform über 20 Jahre einen bedeutenden Anteil im Bereich Immobilienanlagen erreicht.

          Der sogenannte „Graue Kapitalmarkt“

          Das hatte vor allem zwei Gründe: Der gut verdienende Anleger konnte durch Steuerersparnisse sein tatsächlich eingesetztes Kapital verringern. Für Banken, Sparkassen und Finanzvertriebe sind mit dem Verkauf von Fondsanteilen verbundene hohe Abschlussprovisionen verbunden. Vielen Fondszeichnern war ein vergleichbarer Erfolg allerdings nicht vergönnt, weil insbesondere die Vertriebskosten und die Kosten der laufenden Verwaltung durch die Fondsgesellschaft den möglichen Gewinn auffraßen.

          Darüber hinaus unterlagen die Fonds und die Fondsgesellschaften beziehungsweise die dahinterstehenden Initiatoren keiner laufenden Überwachung durch eine Aufsichtsbehörde. Die Fondsgattung wurde deshalb auch dem sogenannten „Grauen Kapitalmarkt“ zugerechnet. Wenn man „grau“ in diesem Zusammenhang mit „grauenhafter“ Anlageberatung gleichsetzt, mag der Begriff seinen Sinn haben, wenn man grau mit nebulös, also intransparent gleichsetzt, dann ist der Begriff eher irreführend.

          Geschlossene Immobilienfonds unterliegen schon lange einer gesetzlichen Prospektpflicht. Darin werden umfassend und ausführlich objektbezogene, rechtliche und steuerrechtliche Sachverhalte beschrieben, teilweise ergänzt um Immobilienwert- und Standortgutachten sowie Gutachten von Wirtschaftsprüfern zur betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Konstruktion des Fonds. Das Problem allerdings war und ist: Sie wurden und werden häufig nicht gelesen und auch nicht verstanden, weder vom Anlageberater mangels Interesse und mangels ausreichenden Fachwissens. Das Gleiche trifft auf den Anleger zu. Der verlässt sich verständlicherweise auf den (falschen) Anlageberater. Das Ganze hat aber in der vergangenen Dekade viele neue Arbeitsplätze in den auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Anwaltskanzleien mit dem Schwerpunkt Anlegerschutz geschaffen. Wegen der jetzt eintretenden Verjährungsfristen wird die Zahl neuer Verfahren aber tendenziell zurückgehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.