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Die Vermögensfrage : Geldanlage nach der Scheidung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Geldanlagen nach der Ehescheidung sind für viele Frauen heikel. Die Ursache ist weniger die Auswahl der Produkte, sondern die grundsätzlichen Fragen, die Frauen haben, die nicht mehr arbeiten und auf das Vermögen angewiesen sind.

          Geldanlagen nach der Ehescheidung sind für viele Frauen heikel. Die Ursache ist weniger die Auswahl der Produkte, sondern die grundsätzlichen Fragen, die Frauen haben, die nicht mehr arbeiten und auf das Vermögen angewiesen sind, das sie nach der Scheidung haben. Das macht folgender Fall deutlich: Eine Frau ist 55 Jahre alt. Sie ist vor drei Jahren erwerbsunfähig geworden und bezieht eine Invalidenrente von 500 Euro pro Monat. Vor einem Jahr ist die Ehe in die Brüche gegangen. Jetzt steht die Frau vor dem Problem, wie sie mit ihrem Vermögen umgehen soll.

          Sie lebt in einem alten Einfamilienhaus, das die Großeltern gebaut hatten. Von den Eltern kamen 80.000 Euro Bargeld hinzu. Die eigenen Ersparnisse liegen bei 70.000 Euro. Von ihrem Mann erhielt sie 100.000 Euro, so dass die Frau unter dem Strich das alte Haus im Wert von 150.000 Euro, die Monatsrente von 500 Euro und ein freies Vermögen von 250.000 Euro besitzt. Das sieht auf den ersten Blick nach viel aus, doch bei genauem Hinsehen wird deutlich, dass zum Jubeln kein Anlass besteht.

          Wie geht Frau richtig mit dem Vemögen um?

          Die Probleme beginnen, so ungalant das klingt, beim Alter. Die Frau ist 55 Jahre alt. Trotz der Erwerbsunfähigkeit kann sie, wenn die Krankheit nicht schlimmer wird, noch 25 bis 35 Jahre leben, so dass mit einer langen Rentenzeit zu rechnen ist. Die zweite Schwierigkeit ist die Invalidenrente. Die monatlichen 500 Euro werden nach heutigem Stand nur bis zum 65. Lebensjahr bezahlt. Danach werden die Bezüge von Amts wegen in die Altersrente umgewandelt, und da wird sich die Frau aus heutiger Sicht mit 400 Euro pro Monat zufriedengeben müssen. Das dritte Problem ist das Haus. Die Immobilie bietet zwar ein Dach über dem Kopf, doch von mietfreiem Wohnen kann beim besten Willen keine Rede sein. Das alte Objekt verursacht durch die Reparaturen ständig Ausgaben, die finanziell und nervlich belasten.

          Die vierte Schwierigkeit ist die richtige Anlage des freien Vermögens. Die Hausbank drängt die Frau seit Monaten, das auf viele Konten verstreute Kapital in Investmentfonds zu bündeln, doch der Vorschlag gefällt der Anlegerin nicht, weil sie das Gefühl hat, ihr Geld in Investitionen zu stecken, die sie nicht versteht.

          Die Schwierigkeiten sind zum Teil nicht lösbar. Das gilt in erster Linie für die Lebenserwartung. An der Rentendauer von schätzungsweise 30 Jahren und der Tatsache, dass die staatliche Rente in zehn Jahren sinken wird, ist kaum zu rütteln. Hier hilft kein Klagen. Statt dessen ist es vorteilhafter, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass das Geld im Laufe der Zeit schwinden wird. Die Frau kann sich nicht darauf verlassen, dass die Inflation in den kommenden Jahren zum Stillstand kommen wird. Im Augenblick sinkt die Kaufkraft des Geldes um 2 Prozent pro Jahr. Sollte dieser Satz stabil bleiben, wird sich die Anlegerin damit abfinden müssen, dass die heutige Rente von 500 Euro durch Entwertung und Kürzung in zehn Jahren nur noch 328 Euro wert sein wird, und in 20 Jahren wird die Rente, wenn sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht angepasst werden wird, auf real 269 Euro sinken.

          Das Haus birgt eigene Schwierigkeiten. Die Besitzerin hängt auf der einen Seite an dem Haus, weil schließlich ihre Eltern und Großeltern darin gelebt haben. Auf der anderen Seite nerven die Reparaturen, so dass sie immer wieder mit dem Gedanken spielt, es zu verkaufen. Die Überlegung ist verständlich. Doch die Zahlen zeigen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit besser sein wird, das Anwesen zu behalten: Wenn die Anlegerin die Immobilie verkauft und die 150.000 Euro in relativ sichere Anleihen investiert, die ihr 3,5 Prozent nach Steuern bringen, kann die Frau durch den Verzehr des Betrages monatlich 520 Euro für eine Mietwohnung ausgeben. In diesem Satz ist eine jährliche Steigerung von 2 Prozent enthalten, doch die Aussicht, für 520 Euro eine vergleichbare Bleibe zu finden, ist gering. Die Grenzmiete wird zwar durch die Reparaturen steigen, doch die Hoffnung, die Rente durch den Verkauf des Hauses zu steigern, ist so gering, dass der Verkauf gut überlegt sein will.

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