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Die Vermögensfrage : Geld ist eine Illusion - Zinsen sind Spekulation

„Mag ja sein, dass es nur eine Illusion ist. Aber dafür scheint endlich mal die Sonne...“ Bild: Kai

Die niedrigen Erträge und die Unsicherheit der Geldanlagen treiben viele Anleger zur Verzweiflung. Sie müssen sich an den Gedanken gewöhnen, dass es keine Sicherheit gibt.

          6 Min.

          Die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten bereiten vielen Anlegern große Sorgen. Die Erträge solider Anleihen sind kaum der Rede wert. Immobilien stehen hoch im Kurs. Die Kurse der Aktien fahren Achterbahn. Gold hat an Glanz verloren. Das ist für einzelne Privatleute ein bisschen viel auf einmal, so dass es kein Wunder ist, dass sich zahlreiche Menschen bei der Anlage des Geldes fragen, wo es Sicherheit gibt, wo stabile Erträge winken. Die Antwort ist einfach, aber für Anleger hart: Geld ist eine Illusion, Zinsen sind Spekulation, es gibt keine Sicherheit, und das Leben wird allen Krisen zum Trotz weitergehen, nur nicht so, wie es sich viele Leute vorstellen.

          Volker Looman
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Ihre stärkste Auswirkung haben Finanzkrisen in der Regel auf die Altersvorsorge. Die jungen Menschen fragen sich, ob sich angesichts solcher Perspektiven Vorsorge überhaupt lohnt. Sparer im mittleren Alter stecken in der Zwickmühle. Hier geht es um Überlegungen, wie das Ersparte gerettet werden und wie Sparen künftig aussehen soll. Die älteren Semester, die ihre Schäfchen im Trockenen zu haben scheinen, leben in der Sorge, in Kürze mit leeren Händen dazustehen. Nichts wird freilich so heiß gegessen, wie es gekocht worden ist, und das machen folgende Überlegungen deutlich.

          Ein Leben zwischen Gier und Verzweiflung

          Nehmen wir das Beispiel eines Familienvaters im Alter von 48 Jahren, die Frau ist 44 Jahre alt, die Zwillinge jeweils 14 Jahre. Das Quartett führt das normale Leben moderner Familien. Der Vater strebt auf der Karriereleiter nach Höherem. Die Mutter versucht den Spagat zwischen Beruf und Familie. Und die Kinder tanzen auf den Hochzeiten: Schule, Musik, Sport, Party, Handy und Internet.

          Die finanziellen Verhältnisse der Eltern sind nicht schlecht. Das Ehepaar bezieht ein Nettoeinkommen von 6000 Euro pro Monat. Das Vermögen besteht aus sechs Posten. Auf den Girokonten liegen 20.000 Euro. Die Anleihen - vorrangig Staatspapiere - sind 30.000 Euro wert. Die Kapitalwerte der Rentenansprüche liegen bei 200.000 Euro. Das Eigenheim hat einen Marktwert von 250.000 Euro. Die Aktien sind in den vergangenen Monaten auf einen Wert von 70.000 Euro gestiegen. Auf dem Haus lasten Schulden von 100.000 Euro. Das sind unter dem Strich ungefähr 450.000 Euro, so dass kein Anlass zur Sorge zu bestehen scheint. Das ist freilich ein Irrtum.

          Es ist völlig gleichgültig, ob Vermögen derzeit 10.000 Euro, 100.000 Euro oder 1.000.000 Euro wert sind. Die Menschen leben in ständiger Mischung aus Gier und Verzweiflung. Derzeit herrscht eher Panik. Die einen Menschen haben Angst vor der Inflation, die anderen Menschen haben Furcht vor einer Währungsreform, und die dritten Menschen haben Sorge vor einer Enteignung. Alle müssen erkennen, dass es keine Sicherheit gibt, und diese Erkenntnis kostet vielen Anlegern ein erhebliches Maß an Lebensfreude.

          Das Märchen von den stabilen Immobilien

          Das geht dem Ehepaar nicht anders. Es beschäftigt sich immer wieder mit der Frage, wie die Altersversorgung aussehen soll. Der kleinste gemeinsame Nenner aller Sparverträge ist freilich die Tatsache, dass Geld Illusion ist. Bargeld von 20.000 Euro zum Beispiel sind 1000 Papierzettel, auf denen steht, dass sie 20 Euro wert seien. Was gibt es für diese Noten? Augenblicklich mag es für jeden Schein noch Rindsfilet und Rotwein geben, aber morgen können es nur Hackfleisch und Mineralwasser sein. Folglich sind die 20.000 Euro der Glaube an Essen und Trinken im weitesten Sinne der Worte.

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