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Die Vermögensfrage : Für einen langen Lebensabend ist eine Million Euro nicht viel Geld

Bild: F.A.Z.-Kai

Das Lottofieber der vergangenen Wochen hat die alten Diskussionen über die richtige Verteilung von Geld wiederbelebt. Tatsächlich sind die Streuung des Vermögens und die Kosten für die Verwaltung entscheidende Voraussetzungen für hohe Erträge.

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          Der Traum von einer Million auf dem Konto - früher in Mark, heute in Euro - hat nichts von seinem Reiz verloren. In den vergangenen Tagen fieberten viele Deutsche den Ziehungen der Lottozahlen entgegen und malten sich in Gedanken aus, wie angenehm es wohl sein muss, in 45 Millionen Euro zu baden. Nun ist der Traum für drei Spieler in Erfüllung gegangen. Sie haben den Jackpot geknackt und sind um jeweils 15 Millionen Euro reicher geworden.

          Volker Looman
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Gewinne sind ein sanftes Ruhekissen für den Rest des Lebens. Wer das Geld zu 4 Prozent in Festgeld anlegt und die künftige Abgeltungssteuer von 25 Prozent entrichtet, kommt auf eine monatliche „Rente“ von 37.500 Euro - wenn das Kapital nicht angerührt wird. Bei großer Angst vor Diebstahl oder Inflation ist dagegen der Verzehr ratsam. Wenn die 15 Millionen Euro im Laufe von 35 Jahren ausgegeben werden, sind bei einem Anlagezins von 3 Prozent nach Steuern monatliche Ausgaben von 43.000 Euro möglich. Sie steigen jedes Jahr um 2 Prozent, so dass der Inflation wenigstens in Ansätzen die Stirn geboten werden kann. Sollten die 42.914 Euro und 22 Cent - um genau zu sein - aber wider Erwarten nicht ausreichen, sind Kapitalanlagen mit höheren Erträgen notwendig.

          Besitzer kann sich nur durch Konsumverzicht zur Wehr setzen

          Die Frage nach der richtigen Verteilung des Geldes ist ein alter Hut. Es wird auch in tausend Jahren nur individuelle Antworten geben. Trotzdem gelten bestimmte Grundsätze. Anfangs muss die Entscheidung getroffen werden, ob das Kapital erhalten oder ausgegeben werden soll. Dann kommt es auf die richtige Aufteilung an, weil die Streuung des Vermögens wichtiger als die Auswahl einzelner Anlagen ist. Schließlich geht es um die konkrete Investition.

          Ein Anleger ist 50 Jahre und hat dank einer Erbschaft eine Million Euro auf dem Konto. Das verleitet ihn zu der Überlegung, ob er sich zur Ruhe setzen kann. Wenn das Geld wie bei den Lotto-Millionären nach Steuern zu 3 Prozent angelegt wird und erhalten bleiben soll, kommt unter dem Strich eine Monatsrente von 2500 Euro heraus. Das reicht für Miete, Brot und Wasser. Doch wenn die Ausgaben jedes Jahr um 2 Prozent steigen, ist die Million nicht zu halten. Sie wird im Laufe der Zeit auf 360.000 Euro sinken. Gegen diesen Schwund kann sich der Besitzer nur durch Konsumverzicht zur Wehr setzen. Der Verzehr der Million beschert bei jährlichen Habenzinsen von 3 Prozent und einer Geldentwertung von 2 Prozent eine Rente von 2861 Euro.

          Die wenigen Zahlen zeigen in aller Deutlichkeit, dass eine Million bei langer Laufzeit und vorsichtiger Anlage gar nicht so viel wert ist, wie viele Privatleute glauben. Folglich liegt es bei solchen Beträgen auf der Hand, das Kapital erstens nicht nur in Festgeld anzulegen und zweitens im Laufe der Zeit zu verbrauchen, wenn die Erträge die einzige Rente sind. Die erste Alternative zum Festgeld kann die gleiche Verteilung auf Anleihen und Aktien sein: 500.000 Euro in Anleihen und 500.000 Euro in Aktien führen bei jährlichen Renditen von 3 und 6 Prozent zu monatlichen Renten von insgesamt 3623 Euro, die jedes Jahr um 2 Prozent steigen. Das ist im Vergleich zu der Ausgangslösung ein Plus von 27 Prozent.

          Geschlossene Beteiligungen sind so gut wie unverkäuflich

          Die Aufteilung bietet keine Gewähr, dass die Rechnung aufgehen wird, doch bei langer Anlagedauer sollte der Blick nicht nur auf Sicherheit, Steuern und Inflation, sondern auch auf die Chancen gerichtet werden, an der Börse ordentlich Geld zu verdienen. Wichtig bei der Aufteilung sind die breite Streuung und die kostengünstige Verwaltung des Kapitals. Die besten Voraussetzungen bieten börsengehandelte Indexfonds. Erstens wird das Vermögen auf viele Titel verteilt, und zweitens sind die jährlichen Gebühren niedrig.

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