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Die Vermögensfrage : Es gibt kein Universalwerkzeug zur Bewertung von Geldanlagen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

In der Wissenschaft wird über Effektivzinsen, Barwerte und Endwerte gestritten, doch in der Praxis kommt es darauf an, für bestimmte Probleme die richtige Lösung zu finden.

          Die Analyse und die Bewertung von Geldgeschäften sind in der Regel langwierige und mühselige Arbeiten. Und wenn es ums Rechnen geht, werfen viele Menschen die Flinte besonders schnell ins Korn. Frei nach dem Motto, in Mathematik schon immer eine Niete gewesen zu sein, wehren sie sich mit Händen und Füßen gegen das Rechnen bei Geldgeschäften. Das kann gut gehen, doch es kann auch ins Auge gehen. Dabei ist es gar nicht so schwer. Wer das Prinzip erkannt hat, wie Anlagen und Kredite unter finanzmathematischen Aspekten zu überprüfen sind, wird mit Einsichten belohnt, welche den Aufwand wert sind. Die Arbeit besteht aus vier Etappen: Sie beginnt mit der Sammlung der notwendigen Daten. Es folgen die nominalen Berechnungen. Dann wird der Zahlungsplan aufgestellt. Und zum Schluss wird die passende Kennzahl ermittelt. Wie das in der Praxis funktioniert, wird in folgendem Beispiel deutlich.

          Im Mittelpunkt der Betrachtung steht ein Darlehen. Bevor die Rechnerei losgeht, sollte dem Betrachter bewusst sein, dass ein Kredit zwei Gesichter hat. Für die einen Menschen bedeutet er Geldaufnahme, und für die anderen Menschen bedeutet er Geldanlage. Zu einem Geldgeschäft gehören immer zwei Parteien. Auch sind Geldgeschäfte nichts Unmoralisches. Vor allem religiöse Sittenwächter, die der Meinung sind, der Kredit komme gleich hinter dem Teufel, sollten in Ruhe bedenken, dass sie Geld verleihen, sobald sie den Mammon anlegen. Kurzum: Der Anleger braucht den Schuldner, und der Schuldner braucht den Anleger. Die beiden Seiten gehören zusammen wie Pech und Schwefel.

          Ein Zahlungsplan bringt Ordnung in die vielen Daten

          Das Darlehen in Tabelle 1 ist ein Annuitätenkredit. Es wird mit konstanten Raten im Laufe der Zeit getilgt. Der Schuldner nimmt 100.000 Euro auf. Mit diesem Betrag, besser gesagt mit dem größten Teil dieser Summe, soll die Renovierung eines Mietshauses bezahlt werden. Das Darlehen wird zum Kurs von 96 Prozent ausbezahlt. Außerdem fallen eine Bearbeitungsgebühr von 1,5 Prozent des Kreditbetrages und eine Schätzgebühr von 500 Euro an. Dafür kostet der Kredit nur 3,5 Prozent im Jahr, und der Nominalzins gilt zehn Jahre. Die jährliche Tilgung liegt bei 6,5 Prozent. Das bedeutet für den Schuldner, dass er jährlich 10.000 Euro an die Bank zahlen muss. Allerdings setzt die Tilgung erst im dritten Jahr ein. Vorher bezahlt der Anleger nur Zinsen. Hinzu kommt jedes Jahr eine Kontogebühr von 100 Euro. Die Tilgung wird sofort verrechnet. Gleichzeitig wird aber auch der Zins belastet.

          Die vielen Details sind die beste Voraussetzung, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen. Daher sollte so schnell wie möglich die Frage auf den Tisch, wie der Zahlungsplan aussieht: Wie viel Geld erhält der Schuldner, wie viel Kapital muss er zurückzahlen? Die erste Frage ist leicht zu beantworten. Von den 100.000 Euro werden das Diagio von 4 Prozent, die Bearbeitungsgebühr von 1,5 Prozent und die Schätzgebühr von 500 Euro abgezogen. Folglich erhält der Schuldner genau 94.000 Euro auf die Hand.

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