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Die Vermögensfrage : Einfach ein Depot eröffnen

Früh übt sich, wer Aktionärin werden will: Touristen am Bullen in New York Bild: Reuters

Privatanleger sind so gut gestellt wie nie zuvor. Und die Geldanlage in Wertpapieren ist beileibe kein Hexenwerk. Im Idealfall macht die Altersvorsorge damit sogar Spaß.

          Der Wertpapierhandel hierzulande ist so gut überwacht wie nie, er ist so günstig wie nie, und er lohnt sich angesichts der mageren Zinsen auf dem Sparbuch auch so sehr wie nie. Doch die Mehrheit der Bevölkerung bleibt abstinent. Und dieser Anteil wächst auch noch. 28 Millionen Wertpapierdepots von Privatanlegern hatte die Bundesbank noch 2009 gezählt. 2014 waren noch 22,6 Millionen übrig. Mehr als fünf Millionen Depots sind also in einer Zeit geschlossen worden, in denen die Aktien- und Anleihemärkte ein herausragendes Anlageumfeld boten. 2 Billionen Euro werden stattdessen nahezu zinslos auf Giro- und Tagesgeldkonten gebunkert.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die Gründe dafür sind verschieden. Einige meinen, sie würden mit ihrem bescheidenen Vermögen an den globalen Finanzmärkten angesichts von Investmentbankern, Betrügern und Finanzhaien abgezockt. Andere meinen, ihre paar Euro seien sowieso viel zu wenig, um dafür eigens ein Depot zu eröffnen, das sei nur etwas für Reiche. Und wieder andere glauben die Finanzmärkte komplett durchschauen und begreifen zu müssen, bevor sie auch nur einen Euro anlegen.

          Im Folgenden soll gezeigt werden, warum alle drei Einschätzungen nicht zutreffend sind. Zunächst einmal ist es sehr einfach, ein Depot zu eröffnen. Dafür ist nicht der Nachweis eines Vermögens von auch nur einem einzigen Euro nötig. Der Antrag auf eine Depoteröffnung nimmt im Regelfall weniger als 15 Minuten in Anspruch. Meist ist noch eine Identifizierung bei der Deutschen Post nötig. Gelegentlich bieten Banken aber auch schon Video-Ident-Verfahren zum Beispiel mittels Skype an.

          Jedermann kann ein Depot eröffnen

          Einer Depoteröffnung ist kein Wissenstest vorgeschaltet. Jedermann kann ein Depot eröffnen. Er braucht nur ein Konto, von dem die Zahlungen für Wertpapierkäufe abgebucht werden können und auf das die Verkaufserlöse fließen. Das Konto muss noch nicht einmal bei der depotführenden Bank sein. Ein oft teurer Irrtum, von dem viele Filialbanken zehren. Wer sich nämlich eine Online-Depotführung zutraut, kann viel Geld sparen. In aller Regel kostet bei einer Direktbank die Depotführung selbst nämlich nichts. Wer also nach einem anfänglichen Elan das Depot später nicht mehr nutzt, muss dafür genauso nichts zahlen wie derjenige, der rege handelt.

          Auch die Gebühren je Wertpapierauftrag sind online günstiger. Onvista, Flatex und die Aktionärsbank verlangen pauschal nur 5 Euro je Wertpapiertransaktion. Die meisten Direktbanken verlangen 0,25 Prozent des Kurswertes. Bei einem Kauf für 1000 Euro wären das 2,50 Euro. Oft gibt es jedoch eine Mindestgebühr von knapp 10 Euro. So verlangt die ING Diba mit derzeit gut einer Million Depots wenigstens 9,90 Euro je Transaktion, höchstens aber 59,90 Euro. Hinzu kommen gegebenenfalls noch börsenspezifische Gebühren.

          Auch wer lieber das Depot bei seiner Filialbank hat, sollte über die Online-Variante nachdenken. Sie ist meist viel günstiger als das klassische Depot. Die Sicherheit der Depotverwahrung oder der Handelstransaktionen ist genau gleich. Nur die Art der Auftragserteilung weicht ab: Beim Online-Depot gibt der Anleger die Order selbst ein, beim klassischen Depot ruft er seinen Bankberater an oder sucht ihn in der Filiale auf.

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