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Die Vermögensfrage : Eigenkapital ist das solideste Fundament

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Eigenheime sind sehr begehrt Bild: ddp

Wer Geld hat und gut verdient, bekommt überall Kredit und bezahlt dafür normale Zinsen. Wer jedoch jährlich für Zins und Tilgung mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens aufbringen muss, sitzt von Anfang an auf einem Pulverfass.

          Die Krise der nordamerikanischen Hypothekenbanken ist für viele Privatanleger ein Buch mit sieben Siegeln. Das Unverständnis beginnt bei der Frage, wie es möglich war, dass einzelne Banken, die Geld in Immobilienkredite gesteckt hatten, über Nacht zusammengebrochen sind, und es endet bei der Frage, warum sich diese Krise so stark auf die Börsenkurse in Europa ausgewirkt hat. So vielschichtig die Schwierigkeiten sein mögen, so einfach ist ihre Ursache. Der Zusammenbruch der Banken ist ein Lehrstück über Gier und Spekulation, und die Hintergründe werden in folgender Geschichte deutlich, die in dieser Form erfunden ist, aber letzten Endes doch in dieser Weise abgelaufen ist.

          Fünf reiche Unternehmer haben jeweils 500 Millionen Euro auf dem Konto, und die Herren haben gewisse Schwierigkeiten, ihr Kapital zu 10 bis 12 Prozent pro Jahr anzulegen. Deshalb beschließen sie, jeweils ein Zehntel ihres Vermögens in einen Topf zu werfen und mit den 250 Millionen Euro eine Bank zu gründen. Darüber hinaus sammeln sie über die Börse bei 17.000 Privatleuten jeweils 50.000 Euro ein. Von den 850 Millionen Euro zweigen die Gründer beim Börsengang 100 Millionen Euro in ihre Privattasche ab, so dass der Einsatz pro Unternehmer auf 30 Millionen Euro sinkt und das Risiko sich verringert.

          Zunächst gelten strikte Regeln

          Mit der Milliarde Euro, die das Kreditinstitut noch in der Kasse hat, steigen die Unternehmer und ihre Komparsen in das Geschäft mit Hypotheken ein. Zunächst gelten strikte Regeln. Die Höchstgrenze pro Darlehen beträgt 100.000 Euro, so dass das Kapital auf 10.000 Schultern verteilt wird. Außerdem achtet die Bank darauf, dass jeder Kreditnehmer mindestens 50.000 Euro aus der eigenen Schatulle bezahlt und eine Immobilie erwirbt, die 150.000 Euro wert ist. Dadurch ist die Politik der Bank äußerst solide. Sie vergibt Kredite an erstklassige Schuldner und hat als Sicherheit interessante Häuser in der Hand.

          Der Preis der Solidität ist aber die Tatsache, dass bei diesem Geschäft nicht viel zu verdienen ist. Erstens sind Privatleute, die beim Kauf einer Villa ein Drittel des Preises aus der eigenen Tasche bezahlen, äußerst rar, und zweitens ist bei diesen Leuten nicht viel zu holen. In Deutschland liegt die Marge im Kreditgeschäft bei 50 bis 100 Basispunkten. In Amerika sind die Spannen etwas höher, doch im Grunde gilt dieselbe Regel. Wer Geld hat und gut verdient, bekommt überall Kredit und bezahlt dafür lediglich normale Zinsen.

          Aus diesem Grund müssen sich Unternehmer, die richtig viel Geld verdienen wollen, an Leute wenden, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Es gibt überall Menschen, die finanziell zwischen Baum und Borke hängen. Sie haben kein Geld auf der hohen Kante, doch sie träumen vom eigenen Dach über dem Kopf. Sie verdienen durchschnittlich, und der Wunsch, die Miete nicht dem Vermieter zu überweisen, sondern das Geld zur Abzahlung einer Hypothek zu verwenden, ist überdurchschnittlich hoch.

          Mieter in dieser Lebenslage sind für geschäftstüchtige Banker die ideale Zielgruppe, wenn die Unternehmer kein Eigenkapital fordern und mit niedrigen Monatsraten zufrieden sind. Die höheren Risiken schlagen sich natürlich in höheren Zinsen nieder, doch das stört die wenigsten Mieter. Sie sind den Banken dankbar, dass sie überhaupt Kredit bekommen, und die Gefahren sind ihnen in der Regel nicht bewusst. Die Banker kennen die Risiken, doch sie hoffen, dass die Erträge unter dem Strich höher als Ausfälle sind.

          Banken haben keine Chance, sich gegen die Abwanderung der Anleger zu wehren

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