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Die Vermögensfrage : Die Überwachung der Finanzberatung ist ein bürokratisches Monster

  • -Aktualisiert am

Schützt die Anleger nicht: eine Überwachungskamera im Frankfurter Bankenviertel Bild: ullstein bild

Die Regulierung der Bankberatung kostet die Bürger viel Geld - und bietet kaum Schutz. Hier kommt ein Vorschlag, der sinnvoller wäre.

          Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Bonn hat in diesem Jahr knapp 11.000 Beschwerden und Anzeigen wegen schlechter Anlageberatung registriert. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums an die Grünen hervor. Die Zahl mag den Eindruck verstärken, die Arbeit der Banken sei mangelhaft, doch der Wert ist mit Vorsicht zu genießen. Keiner kennt die Anteile unzufriedener und zufriedener Kunden, und wenn es ums Geld geht, geht es nicht nur um Anlagen, sondern auch um Kredite und Versicherungen.

          Auch hier gibt es nur Vermutungen, wie schlecht oder gut sich die Bürger beraten fühlen. Folglich ist und bleibt Geld eine geheimnisvolle Sache. Der Gesetzgeber versucht seit Jahren, die Qualität der Finanzberatung zu erhöhen. So hat er sich zum Beispiel in jüngster Zeit in besonderem Maße um Regulierungen des Finanzmarktes bemüht. Das ist auf der einen Seite zu begrüßen, weil Gauner und Betrüger auf diesem Markt nichts zu suchen haben. Fraglich ist auf der anderen Seite nur die Effizienz der Maßnahmen.

          Die Instrumente sind fragwürdig und teuer

          Wie ein nüchterner Blick auf den Finanzmarkt zeigt, kümmern sich heute drei Behörden um acht Gruppen von Finanzberatern. Die Finanzaufsicht Bafin, 80 Industrie- und Handelskammern und 295 Landratsämter verwalten Anlageberater, Anlagevermittler, Honorarberater, Immobilienmakler, Kreditvermittler, Vermögensverwalter, Versicherungsberater und Versicherungsvermittler, deren Zahl in die Hunderttausende geht.

          Die Instrumente der Behörden im Kampf gegen schlechte Beratung heißen Registrierung, Anlageprotokoll und Produktinformationsblatt, doch die Werkzeuge sind vor dem Hintergrund, dass in Deutschland vier Fünftel aller Privathaushalte höchstens zehn bis elf Geldverträge braucht, fragwürdige und teure Instrumente. Die meisten Menschen brauchen ein Girokonto, ein Sparbuch, eine Privat-Haftpflicht-Versicherung, eine Krankenkasse, eine Invaliditäts-Versicherung, eine Lebensversicherung, die Staatsrente sowie Anleihen, Immobilien und Aktien.

          Ist für diese Handvoll von Verträgen ein riesiger Apparat von Beamten und Wirtschaftsprüfern notwendig? Oder wäre es nicht eine Überlegung wert, das viele Geld in die Aufklärung der Bürger zu stecken, frei nach dem Motto: Bildung ist die beste Versicherung des Geldes?

          Die Vielfalt in der Beratung ist kein Segen

          Die heutige Vielfalt der Finanzberatung mag auf den ersten Blick ein Segen sein, doch bei genauem Hinsehen ist mit diesem Wildwuchs keinem Menschen gedient. Die meisten Anleger wissen gar nicht, wie die einzelnen „Geldberater“ arbeiten und wovon diese Leute leben. Die Finanzdienstleister stöhnen über die „Regulierungswut“ der Behörden, und die Beamten verwalten einen Finanzmarkt, der auf diese Weise nicht in den Griff zu bekommen ist. Das wird beim Studium der Tätigkeiten der Finanzberater deutlich.

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