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Die Vermögensfrage : Die Renditen der Solaranlagen bieten keinen Anlass zum Jubel

  • -Aktualisiert am

Solaranlagen, eine labile Geldanlage Bild: ddp

Beteiligungen an „grünen“ Anlagen eignen sich in erster Linie für umweltbewusste Senioren, die auf laufende Erträge angewiesen sind und gleichzeitig die Umwelt schützen wollen. Allerdings sollte die Rendite genau nachgerechnet werden.

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          Der Markt der Beteiligungen besteht seit vielen Jahren aus zwei großen Blöcken. Das sind einerseits die Immobilien und andererseits die Mobilien. Bei den beweglichen Wirtschaftsgütern sind Schiffe der einsame Spitzenreiter. Sie erfreuen sich in erster Linie bei vermögenden Anlegern größter Beliebtheit, weil die Erträge weitgehend steuerfrei bleiben. Daneben haben sich in jüngster Zeit „grüne“ Anlagen etabliert. Biogas, Solaranlagen und Windkraftwerke werfen in der Regel nicht so hohe Erträge ab wie Schiffe, doch das Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun, ist vielen Privatleuten manchen Minderertrag wert.

          Trotzdem gilt auch bei den „ökologischen“ Investitionen die Devise, dass sich die Anlagen zu rechnen haben. Wie hoch die Renditen dieser Geschäfte sind, bleibt in vielen Fällen aber im Dunkeln, weil die Initiatoren dieselben Fehler machen wie ihre Kollegen von der etablierten Zunft. Sie werfen Zahlen in die Runde, die mit Renditen wenig zu tun haben, so dass die Gefahr besteht, dass mancher Investor auf der Suche nach umweltverträglichen Anlagen auf finanzielle Abwege gerät. Die Chancen und Risiken werden in folgendem Beispiel deutlich.

          Ein Geheimnis des Anbieters

          Ein bayerischer Initiator bietet auf dem Dach eines Gewerbegebäudes, das in der Nähe von München steht, eine Photovoltaikanlage an. Dahinter verbirgt sich ein Kraftwerk, das Sonnenenergie in Strom umwandelt. Warum die kleine Anlage vollmundig als „Bürgersolarprojekt“ offeriert wird, bleibt das Geheimnis des Anbieters, doch die Zahlen sehen auf den ersten Blick interessant aus. Die Anlage kostet 328.000 Euro. Hinzu kommen Fondsgebühren von 9000 Euro und einmalige Pachtzahlungen von 31.000 Euro. Das führt zu einem Gesamtaufwand von 368.000 Euro.

          Die Investition wird zu 28 Prozent mit Eigenkapital bezahlt. Die offenen 72 Prozent werden über einen Kredit dargestellt, der 5,1 Prozent kosten und innerhalb von 15 Jahren in gleichen Jahresraten getilgt werden soll. Die Solaranlage wird mindestens 20 Jahre lang Strom zu festen Preisen liefern. Die jährlichen Ausschüttungen beginnen bei 2 Prozent, weil am Anfang das Darlehen zu tilgen ist, und klettern am Ende der Laufzeit - nach der Rückzahlung des Kredites - bis auf 32 Prozent des Eigenkapitals. Insgesamt sollen dem Anleger oder den Investoren nach Angaben des Initiators rund 246 Prozent der Einlage zufließen.

          Wo liegt die Ursache des Durcheinanders?

          Die vielen Zahlen, vor allem die 246 Prozent, werden manchen Anleger blenden. Wer die Rückflüsse durch die Laufzeit teilt, kommt auf einen Mittelwert von 12,3 Prozent je Jahr. Und wer diese Zahl ins Verhältnis zu der Einlage von 104 000 Euro setzt, wird in hohem Bogen aus der Kurve fliegen, weil die jährliche Rendite niemals 11,83 Prozent beträgt.

          Unter die Räder kommt, wer von 246 Prozent die Einlage abzieht, den Rest durch die Laufzeit teilt und die Meinung vertritt, die Verzinsung betrage 6,83 Prozent je Jahr. Die tatsächliche Rendite vor Steuern beträgt, um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, 6,35 oder 7,76 Prozent pro Jahr, und die Ursache des Durcheinanders liegt in der Frage, wie hoch der Anteil der Schulden ist. Die 6,35 Prozent gelten bei Barzahlung, und die 7,76 Prozent sind die Rendite, wenn die Anlage zu 72 Prozent mit einem Kredit bezahlt wird.

          Was folgt, steht in den Sternen

          Bei kühler Betrachtung der Dinge haben Kredite bei der Beurteilung, wie vorteilhaft Geldanlagen sind, nichts zu suchen. Das ist ein alter Hut und gilt auch für die grünen Investitionen. Im vorliegenden Fall geht es um eine Anlage, die effektiv 368.000 Euro kostet. Dafür winken dem Anleger über zwei Jahrzehnte hinweg Erträge von 33.000 Euro je Jahr, da der Strom nach dem Gesetz über erneuerbare Energien erstens so lange und zweitens so hoch absetzbar ist. Was dann kommt, steht in den Sternen. Die Geschichte muss nicht zu Ende sein, doch sie kann es, so dass nüchterne Kaufleute unterstellen, dass weitere Zahlungen ausbleiben und die Anlage trotz des Hinweises, keinem Verschleiß zu unterliegen, doch nichts mehr wert sein wird.

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