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Die Vermögensfrage : Die niedrigen Kreditzinsen können zur Falle werden

  • -Aktualisiert am

Am Rande der Stadt: Der neugebaute Wohnpark namens Carlsgarten in Berlin-Karlshorst Bild: Ullstein

Die niedrigen Zinsen vernebeln vielen den Blick. Sie leihen sich mehr Geld, als sie sich eigentlich leisten sollten. Denn Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit sind große Gefahren.

          Die niedrigen Zinsen sind des einen Leid und des anderen Freud. Wer Geld anlegt, zieht eine Schnute über die Anlagezinsen, wie man in Berlin sagt, und wer Kapital benötigt, kann über die Kreditzinsen wirklich nicht meckern, wie es ebenda heißt. Die Zinsen für Eigenheimkredite sind auf ein Niveau gesunken, das vor fünf Jahren weder bei Bier noch bei Korn denkbar war. Damals kosteten Darlehen mit einem Festzins von fünf Jahren etwa 3,5 Prozent je Jahr. Heute sind es jährlich 1,3 Prozent. Hypotheken mit einer Zinsbindung von zehn Jahren schlugen mit 4,1 Prozent pro Jahr zu Buche. Momentan liegen die Sätze bei jährlich 1,7 Prozent. Kredite mit einem Festzins von 15 Jahren wurden für 4,6 Prozent je Jahr angeboten. Nun werden jährlich 2,4 Prozent gefordert.

          Das sind riesige Unterschiede, und die niedrigen Sätze sind, Warnung hin, Warnung her, für viele Menschen der Anlass, sich ein Eigenheim auf Pump zu gönnen, das sie sich eigentlich gar nicht leisten können. Die schönen Zinsen vernebeln den Blick auf die Tücken der Materie. Das wird beim Bummel auf der Homepage jener Bank deutlich, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Leistung aus Leidenschaft zu erbringen. „Ich möchte unser Traumhaus genießen“, sagt da der Vater zu seinem Steppke, „ohne ständig an die Finanzierung denken zu müssen.“ Die „Topkonditionen“ lauten: 100.000 Euro, Sollzins von 1,11 Prozent pro Jahr, Sollzinsbindung fünf Jahre, Laufzeit von 25 Jahren, Monatsrate von 383 Euro. Was soll man dazu sagen? Am besten nicht viel, nach Möglichkeit aber doch so viel, dass die Zinsen der leidenschaftlichen Bank den Vater in einigen Jahren um den Schlaf bringen können, wenn die Sache nicht so läuft, wie sich das die Beteiligten vorgestellt haben.

          Tilgen fürs Eigenheim bis in den Ruhestand

          Das „unverbindliche“ Angebot gilt für einen Finanzierungsbedarf von 50 Prozent des Kaufpreises, und die Laufzeit von 25 Jahren gilt unter der Voraussetzung, dass die Zinsen in den nächsten 25 Jahren niemals über 1,11 Prozent steigen. Das heißt im Klartext, dass das Superangebot – auf gut Deutsch gesagt – ziemlich auf Kante genäht ist. Wer nur 50.000 Euro in der Tasche hat, sich aber ein Haus kaufen will, das 300.000 Euro kostet, muss sich umsehen, woher und zu welchem Preis er die „offenen“ 100.000 Euro bekommt, und sollten die Zinsen in zehn Jahren „bedauerlicherweise“ auf 3 Prozent gestiegen sein, wird der Kredit eben nicht in 25, sondern erst in 36 Jahren vom Tisch sein.

          Das Zinsänderungsrisiko ist und bleibt für Eigenheimer das mit Abstand größte Risiko, vor allem in Zeiten, in denen die Startzinsen so niedrig sind wie im Augenblick. Die Folgekosten können, wenn die Zinsbindung zu Ende sein wird, in Abhängigkeit des Marktes steigen oder fallen. Das ist zwar ein alter Hut und jedem Fachmann bekannt. Nur sind die Folgen vielen Privatleuten nicht bewusst, weil die Gefahren in weiter Zukunft liegen und aus dem Bewusstsein ausgeblendet werden. Im vorliegenden Fall droht das erste Risiko in fünf Jahren. Die Restschuld des Kredites wird bei 82.000 Euro stehen. Wenn die Startrate von 382 Euro beibehalten wird, wird der Kredit bei einem Anschlusszins von 2,5 Prozent noch 24 Jahre laufen. Bei einem Folgezins von 3,5 Prozent klettert die Restlaufzeit auf 28 Jahre, und bei einem Prolongationszins von 4,5 Prozent wird die Restschuld frühestens in 36 Jahren vom Tisch sein. Folglich können die Eigenheimer, die heute schon 35 oder 40 Jahre auf dem Buckel haben, bis in den Ruhestand hinein mit der Tilgung der Schulden beschäftigt sein.

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