https://www.faz.net/-hbv-121xl

Die Vermögensfrage : Die lebenslange Absicherung scheitert an den Kosten

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Der Schutz gegen Invalidität ist wichtig. Das leuchtet vielen Menschen ein. Doch den dazu notwendigen finanziellen Aufwand scheuen sie vielfach. Junioren sollten aber auf die Grundabsicherung bei Berufsunfähigkeit nicht verzichten.

          5 Min.

          Die Absicherung der Arbeitskraft gegen Invalidität leuchtet vielen Menschen ein. Doch wenn der Einsicht auch Taten folgen sollen, gehen in den meisten Haushalten die Lichter aus. Für den Unwillen, die finanziellen Folgen der Invalidität mit Hilfe privater Policen zu lindern, gibt es zahlreiche Gründe. Auf der einen Seite wird das Risiko nach Möglichkeit überhaupt aus dem Bewusstsein verdrängt. Und auf der anderen Seite ist vielen Leuten, vor allem Menschen, die zwischen 30 und 40 Jahre alt sind, der finanzielle Aufwand einfach zu hoch.

          In späteren Jahren steigt zwar die Einsicht, dass es sinnvoll ist, sich gegen Invalidität abzusichern. Doch wer mehr als 40 Jahre alt ist, muss bereits so hohe Prämien bezahlen, dass die Absicherung wirklich zur Belastung wird. Und nach dem 50. Geburtstag hat sich dann die Sache in vielen Fällen von selbst erledigt, weil keine Absicherung mehr zu bekommen ist. Daher gehört die Vorsorge gegen die Invalidität für alle Berufseinsteiger zum Pflichtprogramm, weil nur in dieser Zeit hoher Schutz zu moderaten Preisen erhältlich ist.

          Selbst für junge Spitzenverdiener viel Geld

          Die Rundumversorgung ist aber in der Tat mit hohem Aufwand verbunden, weil zwei Versicherungen nötig sind. Erstens ist eine Berufsunfähigkeitsrente erforderlich, die bei Bedarf sofort zahlt, und zweitens ist eine Altersrente nötig, weil die Invalidenrente höchstens bis zum 67. Lebensjahr überwiesen wird. Wird die zweite Police also übersehen oder verdrängt, droht im Alter finanzielle Armut, weil kein Geld mehr bezahlt wird. Dafür sind Aufwendungen notwendig, die schnell 500 bis 600 Euro im Monat erreichen, wenn der Vertrag im Alter von 30 bis 35 Jahren abgeschlossen wird. Und das ist selbst für junge Spitzenverdiener viel Geld.

          Wer bereit ist, diese Beträge auf den Tisch zu legen, kann in der Regel drei Wege einschlagen. Er kann eine klassische Rentenversicherung mit Beitragsbefreiung und Rente bei Berufsunfähigkeit abschließen. Alternativ ist die Vereinbarung einer Basisrente mit denselben Zusätzen denkbar. Genauso kommt allerdings auch die Mischung beider Bausteine in Betracht. Besonders groß ist die Verlockung, das zweite Paket zu wählen, weil die Prämien als Sonderausgaben absetzbar sind und die Steuerbelastung senken. Doch das Modell ist mit erheblichen Nachteilen verbunden, sofern die Berufsunfähigkeit tatsächlich eines Tages eintritt. Dabei gilt die Regel: Je früher der Anleger berufsunfähig wird, desto nachteiliger ist die steuerbegünstigte Invalidenrente.

          Anders sieht die Rechnung bei der Basisrente aus

          Bei der klassischen Rentenversicherung muss zum Beispiel ein Anleger, der 35 Jahre alt ist und eine lebenslange Monatsrente von 2000 Euro wünscht, rund 600 Euro aus versteuertem Geld bezahlen. Dafür winken ihm beim Bezug der Renten steuerliche Vorteile. Wird der Versicherte zum Beispiel in zehn Jahren berufsunfähig, sind 21 Prozent der Invalidenrente steuerpflichtig. Bei der Altersrente vom 65. Geburtstag an sind 18 Prozent der Bezüge steuerpflichtig. Das heißt, bei einem persönlichen Steuersatz von 20 Prozent, dass die Invaliditätsrente um 84 Euro und die Altersrente um 72 Euro sinkt.

          Anders sieht die Rechnung bei der Basisrente aus. Hier führen die monatlichen Aufwendungen von jeweils 600 Euro erst einmal zu Steuervorteilen. Sie dürfen wie Sonderausgaben abgesetzt werden. Anfangs sind 70 Prozent der Prämien absetzbar, und dieser Satz steigt jedes Jahr um 20 Basispunkte. Das hat bei einem Steuersatz von 40 Prozent zur Folge, dass die Erstattung des Finanzamtes bei 168 Euro beginnt und im Laufe der Zeit - in diesem Fall bis zur möglichen Berufsunfähigkeit in zehn Jahren - auf 211 Euro steigt. Dafür muss der Versicherte aber in Kauf nehmen, dass sowohl die Berufsunfähigkeitsrente als auch die Altersbezüge höher besteuert werden. Bei der Invalidenrente gilt ein Ertragsanteil von 78 Prozent, und bei der Altersrente sind es sogar 100 Prozent. Folglich sinken im Ernstfall die Renten um jeweils 312 Euro im Monat, wenn in der Invalidenzeit ein Steuersatz von 20 Prozent gilt.

          Das hört sich makaber an

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Altersvorsorge : Rentenpolitik ohne Kompass

          Die Koalition lobt die Grundrente als einen „sozialpolitischen Meilenstein“. Die Wahrheit ist: Die Grundrente wird weder das Vertrauen in den Generationenvertrag stärken, noch taugt sie als Konzept gegen Altersarmut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.