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Die Vermögensfrage : Die Jagd nach Ertrag und Rendite führt leicht in den Abgrund

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Bild: Kai

Die Verwechslung der beiden Kennzahlen kann bei der Auswahl von Finanzprodukten im Alter zu katastrophalen Fehlentscheidungen führen.

          6 Min.

          Rendite und Risiko sind bei vielen Geldgeschäften das Maß der Dinge. Trotzdem entwickeln viele Menschen bei der Abwägung verschiedener Kapitalanlagen sonderliche Vorstellungen. Das gilt in besonderem Maße für die Frage der Rentabilität. Bei der Analyse, wie hoch die Verzinsung des Geschäftes ist, gibt es kein Allheilmittel, weil jeder Zahlungsstrom individuelle Bewertungen enthält. Trotzdem sind aber Grundregeln zu beachten, und wenn bei der Geldanlage lediglich Einsatz und Rückfluss verglichen werden, wird die Geschichte heikel, weil dabei Ergebnisse herauskommen können, die weit über der tatsächlichen Verzinsung liegen. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

          Volker Looman
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Ein Anleger ist 70 Jahre alt und die Rente ist so bescheiden, dass sich der Investor entschlossen hat, das „flüssige“ Vermögen anzuzapfen, also Festgeld, Anleihen und Aktien zu verrenten. Er will 200.000 Euro so anlegen, dass jedes Jahr so viel Geld wie möglich herausspringt. Das scheint auf den ersten Blick kein Problem zu sein, doch bei genauem Hinsehen tauchen Fragen über Fragen auf. Sie beginnen bei der Betrachtung, ob Leibrenten, Immobilien, Anleihen oder Aktien die richtige Anlage sind, und sie enden bei der Überlegung, was es heißt, so viel Geld wie möglich einzunehmen. Bedeutet der Wunsch, dass jeden Monat viel Geld in die Kasse kommt, oder führt der Wunsch zu dem Verlangen nach hohen Renditen? Die Frage klingt harmlos, doch zwischen Ertrag und Rendite liegen Welten.

          Ursache ist der Kontostand

          Der Anleger kann sich für die 200.000 Euro eine Leibrente kaufen. Dahinter verbergen sich die Überweisung des Geldes an eine Versicherung und das Versprechen der Gesellschaft, dem Investor eine lebenslange Rente zu bezahlen. Bei einem Eintrittsalter von 70 Jahren können Männer zur Zeit mit einer jährlichen Rente von 14.000 Euro rechnen. Bei einem Einsatz von 200.000 Euro und jährlichen Rückflüssen von jeweils 14.000 Euro liegt es auf der Hand, eine jährliche Rendite von 7 Prozent zu unterstellen. Doch das wäre ein Trugschluss.

          Die Ursache ist der Kontostand. Das Geschäft würde sich nur dann mit 7 Prozent pro Jahr verzinsen, wenn am Ende des Geschäftes das eingesetzte Kapital von 200.000 Euro zurückfließen würde, wenn also die letzte Einnahme nicht 14.000 Euro, sondern 214.000 Euro betrüge. Das ist bei Leibrenten aber nicht der Fall, und jeder Anleger, der die Leibrente während der Laufzeit kündigt, wird „ernüchtert“ feststellen, dass er nur einen Teil des eingesetzten Kapitals wiedersieht. Damit ist die Leibrente ein Entnahmeplan, bei dem das Kapital von Jahr zu Jahr sinkt.

          Eine Wette zwischen Anleger und Versicherung

          Das braucht einen Anleger, der nur auf den „laufenden“ Rückfluss sieht, nicht um den Schlaf zu bringen, weil es in seinen Augen allein darauf ankommt, jedes Jahr viel Geld einzustreichen. Für die Berechnung der Rentabilität ist aber nicht nur der erste, zweite oder dritte Rückfluss wichtig, sondern es kommt auch darauf an, wie das Ende des Geschäftes aussieht. Wer sich die Leibrente bis zum Schluss anschaut, wird schnell erkennen, dass die jährlichen Renten die einzigen Rückflüsse sind. Daher kann von einer Rendite von 7 Prozent keine Rede sein.

          Die Leibrente ist bei nüchterner Betrachtung der Dinge eine Wette zwischen dem Anleger und der Versicherung. Die Gesellschaft rechnet zum Beispiel bei siebzigjährigen Männern damit, dass die Senioren noch 20 Jahre leben werden. Folglich geht sie von 20 Zahlungen à 14.000 Euro aus. In diesem Fall würde sich die Police vor Steuern mit 3,4 Prozent pro Jahr verzinsen. Wird der Anleger jedoch „nur“ 85 Jahre alt,wäre die Versicherung der Gewinner, weil 15 Renten à 14.000 Euro zu einer Verzinsung von lediglich 0,6 Prozent pro Jahr führen.

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