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Die Vermögensfrage : Die Grundlage jeder Vermögensbilanz

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Bei der Strukturierung des privaten Vermögens sind Barwerte wichtige Helfer. Die fehlende Kapitalisierung der Einkommen, Renten und Konsumausgaben führt in vielen Haushalten zu falschen Entscheidungen.

          6 Min.

          Einkommen, Renten und Konsum sind für die meisten Privatleute keine Vermögenswerte. Folglich werden diese Positionen bei der Gestaltung des Vermögens auch nicht berücksichtigt. Die heutigen Werte der zukünftigen Einnahmen und Ausgaben, in der Finanzmathematik kurz Barwerte genannt, sind aber die Grundlage jeder Vermögensbilanz. Wenn diese Zahlungen fehlen, sind Fehler bei der Gestaltung des Vermögens die logische Folge. Außerdem können die fehlenden Barwerte auch Ängste und Sorgen auslösen, die in vielen Fällen unnötig sind wie ein Kropf.

          Wer beispielsweise 60 Jahre alt ist und lebenslang 3000 Euro pro Monat bekommen wird, besitzt einen Gegenwert von etwa 636.000 Euro. Das Geld liegt nicht auf dem Konto, doch weil die Zahlungen jeden Monat kommen, spielt der Betrag für die Gestaltung des Privatvermögens eine wichtige Rolle. Hinter den 636.000 Euro verbirgt sich die Kalkulation, dass der Anleger noch 25 Jahre leben wird und die Zahlungen mit 3 Prozent auf die Gegenwart abgezinst werden. Sind außerdem noch ein lastenfreies Eigenheim im Wert von 300.000 Euro und ein Wertpapierdepot von 500.000 Euro vorhanden, kann sich der Anleger drehen und wenden, wie er will: Er ist 1,4-facher Millionär!

          Lösung des „Problems“

          Das Kopfschütteln über diese Betrachtung beginnt bei der Abzinsung der Renten. Die meisten Anleger multiplizieren die 636.000 Euro mit 3 Prozent und kommen auf jährliche Zinsen von 19.080 Euro. Der zwölfte Teil dieses Betrages führt zu einer Rente von 1590 Euro pro Monat, so dass sich viele Anleger verwundert die Augen reiben, wie bei dieser Rechnung monatlich 3000 Euro herauskommen sollen. In ihren Augen sind dafür 1.200.000 Euro notwendig. Das ist aber nicht richtig.

          Bild: F.A.Z.

          Die Lösung des „Problems“ ist ganz einfach und wäre der richtige Stoff für ein Schulfach über Geld und Recht. Die Abzinsung laufender Zahlungen unterstellt den Verzehr des Kapitals. Im vorliegenden Fall müssen die Renten, wenn die Sterbetafeln der deutschen Aktuare stimmen, noch 300 Monate bezahlt werden. Danach ist die Sache zu Ende. Wird aber nur mit den Zinsen gerechnet, so wird unterstellt, dass am Ende auch noch das Kapital, in diesem Fall also 1.200.000 Euro, ausgezahlt werden muss. Das ist bei Pensionen und Renten aber nicht der Fall, so dass der korrekte Wert bei 636.000 Euro liegt.

          Die Berechnung des Barwertes, für viele Menschen ein Ausflug in die höhere Mathematik, ist natürlich eng mit der Frage verknüpft, wie sicher der Vermögenswert ist. Das hängt wie bei jeder Geldanlage von der Bonität des Schuldners ab. Beamte zum Beispiel haben gute Karten. Selbstverständlich haben Staat, Länder und Kommunen das Geld der Staatsdiener nicht in Tresoren gehortet, doch die Sicherheit der Pensionen ist hoch, weil jeder Kämmerer die Zahlungen in den Haushalt einstellen muss, und nach dem Krieg ist kein Fall bekanntgeworden, dass ein Beamter seine Pension verloren hat.

          Staatsdiener können über sinkende Renten jammern, doch sie sollten die Kirche im Dorf stehen lassen. Falls ein Richter mit 65 Jahren und einer Pension von 4000 Euro in den Ruhestand geht, braucht er nur die Tabelle zur Hand zu nehmen, um zu erkennen, dass er wenigstens in „rententechnischer“ Hinsicht ein gemachter Mann ist. Wenn er noch 20 Jahre lebt, die Renten jedes Jahr um 1 Prozent steigen und Zahlungen mit jeweils 3 Prozent abgezinst werden, liegt der Vervielfältiger bei 198. Folglich besitzt der Mann schon mal 792.000 Euro.

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