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Die Vermögensfrage : Die eigene Immobilie ist ein Klumpenrisiko

Die täglichen Kursschwankungen von Aktien sind den meisten Anlegern aber zuwider, und wer sie nicht ertragen kann oder will, der sollte auch keine Aktien kaufen. Doch zu glauben, der Wert einer Immobilie unterliege keinen Schwankungen, nur weil es dafür keinen im Millisekundentakt ermittelten neuen Preis gibt, ist eine Illusion. Den meisten Eigenheimbesitzern ist der aktuelle Marktwert ihrer Immobilie egal, solange sie dort wohnen bleiben und ihnen die Instandhaltungskosten nicht über den Kopf wachsen. Doch das Leben sorgt nicht selten für unschöne Überraschungen. Die Scheidungsrate ist nun einmal so hoch, wie sie ist, und dient als häufigster Grund für den frühzeitigen Verkauf einer Immobilie. Dann kommt oft das böse Erwachen. Denn in den meisten Landstrichen sinken die Immobilienwerte sogar stärker als der von der BIZ ermittelte Durchschnittswert. Nur in einigen Boomregionen lassen sich verwohnte Häuser gut verkaufen. Andernorts herrscht dafür geradezu Unverkäuflichkeit. In manchen Regionen zieht schlicht niemand zu und wenn, dann wird lieber neu gebaut, als eine ältere Bestandsimmobilie zu erwerben. Gedanklich den selbst gezahlten Kaufpreis oder gar mehr als Wiederverkaufswert anzunehmen, ist daher oft viel zu hoch gegriffen. Zudem verlangt die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung für die zeitige Auflösung eines laufenden Kreditvertrages, und die anfänglich gezahlten üppigen Kaufnebenkosten sind ohnehin verloren.

Immobilie als einzige Altersvorsorge riskant

Auch berufsbedingte Umzüge oder Todesfälle lassen das hohe Risiko der Geldanlage in einer einzigen Immobilie zutage treten. Aber selbst wer seine Immobilie als Familie über viele Jahre nutzt, stellt nach dem Auszug der Kinder fest, dass das Haus nun viel zu groß ist, von Energieeffizienz und Altersgerechtigkeit ganz zu schweigen. Derzeit häufen sich die Fälle, in denen altersbedingt große, ältere Häuser zum Verkauf gestellt werden. Der Erlös ist oft kümmerlich und weit geringer als angenommen. Ist dies die einzige Altersvorsorge, kann es eng werden.

Gleichwohl haben Immobilien als Geldanlage ihren Charme. Mit einem glücklichen Händchen bei der Standortwahl können Wertsteigerungen erzielt werden. Nach dem Ende der Spekulationsfrist von zehn Jahren sind diese zudem steuerfrei. Ein klarer Vorteil gegenüber Wertpapieren, deren Kursgewinne immer zu versteuern sind. Zudem schätzen viele Deutsche die regelmäßigen Zuflüsse, wie sie eine vermietete Immobilie bietet, das Festgeldkonto angesichts der Magerzinsen hingegen kaum noch. Die Aversion, das eigene Geld den Launen der internationalen Kapitalmärkte auszusetzen, tut ihr Übriges, so dass der Kauf von Immobilien nicht nur zur Selbstnutzung, sondern auch als reine Geldanlage an Beliebtheit gewinnt.

Doch es bleibt der Einwand des Klumpenrisikos. Denn die wenigsten werden sich Dutzende Wohnungen oder Häuser und dazu noch ein breit gestreutes Aktiendepot leisten können. Jenseits aller emotionalen Erwägungen für die selbstgenutzte eigene Immobilie sollte für die Altersvorsorge auch über weniger riskante Alternativen nachgedacht werden. Offene Immobilienfonds sind hier an erster Stelle zu nennen. Sie haben zuletzt wieder erheblich an Beliebtheit gewonnen und gehören zu den größten Fonds in Deutschland. Mit mehr als 13 Milliarden Euro Anlagevolumen liegt der Deka Immobilien Europa (WKN: 980956) auf Augenhöhe mit den Aktienfonds DWS Top Dividende (WKN: 984811) und Uni Global (WKN: 849105) an der Spitze.

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