https://www.faz.net/-hbv-71hfi

Die Vermögensfrage : Die Beratung der Bausparkassen lässt viele Wünsche offen

„Und dann haben wir dummerweise den falschen Bausparvertrag unterschrieben...“ Bild: Kai

Vertreter der Bausparkassen gehen zu wenig auf die Wünsche ihrer Kunden ein und bieten in der Regel zu teure Verträge an.

          7 Min.

          Es ist wirklich zum Heulen. Jahr für Jahr testen Verbraucherschützer die Qualität der Finanzberatung von Banken, Bausparkassen und Versicherungen. Und jedes Jahr wiederholen sich die Ergebnisse. Die Beratung ist mäßig, es bleiben viele Wünsche offen. 2012 waren Mitarbeiter der Stiftung Warentest unterwegs und haben sich bei Bausparkassen beraten lassen, wie die Modernisierung eines Eigenheims bezahlt werden soll. Der Fall ist von ergreifender Schlichtheit, wie die folgenden Zahlen beweisen. Ein Privatmann hat sich vor einiger Zeit ein Haus gekauft, und das Objekt soll in vier Jahren auf Vordermann gebracht werden. Die Modernisierung wird voraussichtlich 50.000 Euro kosten. Der Mann hat 10.000 Euro auf einem Festkonto liegen, und er kann jeden Monat bis zu 400 Euro sparen. Wie kann das geplante Vorhaben finanziert werden?

          Die erste Antwort haben die Tester durch die Wahl der Institute geliefert. Wer zur Bausparkasse geht, muss damit rechnen, mit einem Bausparvertrag nach Hause zu gehen. Von den Instituten kann nicht erwartet werden, dass sie sich mit anderen Finanzierungsformen beschäftigen. Das haben die Verbraucherschützer billigend in Kauf genommen. Sie interessierten sich in erster Linie dafür, welche Tarife die Bausparkassen anbieten, wie sehr die Berater auf die Wünsche des „Interessenten“ eingehen und wie gut die Unterlagen über den Ablauf der Finanzierung sind.

          Ein gutes Gefühl, kein guter Vertrag

          Die Testkunden waren von dem Eifer und der Freundlichkeit der 154 Berater der 22 Institute durch die Bausparkasse angetan. Ein gutes Gefühl und ein guter Vertrag seien jedoch zweierlei, wie die Experten betonen. Ein Viertel der Institute bekam „gute“ Noten, ein Viertel erhielt „mangelhafte“ Zensuren, der Rest dümpelte im „befriedigenden“ und „ausreichenden“ Mittelfeld herum. Bei den „schlechten“ Instituten steht mal die Bausparsumme in vier Jahren nicht zur Verfügung, mal ist die angesetzte Sparrate zu hoch, mal wählte der Berater den falschen Tarif.

          Die Bausparsumme beträgt, das liegt bei dem Vorhaben auf der Hand, genau 50.000 Euro. Die Abschlussgebühr beläuft sich je nach Tarif entweder auf 1 oder 1,6 Prozent der Bausparsumme. Das sind 500 beziehungsweise 800 Euro. Die Gebühr wird in der Regel mit den ersten Raten verrechnet, weil es nicht schicklich ist, dem Kunden die Gebühr in Form von Bargeld abzuknöpfen. Im vorliegenden Fall bietet sich an, die Gebühr mit der Soforteinzahlung von 10.000 Euro zu verrechnen. Folglich wandern bei einem Satz von 1 Prozent nur 9500 Euro in den Topf der Bausparkasse.

          Zahlen von bestechender Klarheit

          Die monatliche Vorgabe von 400 Euro haben die meisten Institute gerne übernommen. Auf diese Weise kommt bei einem Habenzins von 1 Prozent vor Steuern nach 48 Monaten ein Guthaben von 29.261 Euro zusammen. Damit ist das Guthabenkonto so gefüllt, dass der Vertrag zugeteilt werden kann. Die Bausparkasse wird die Differenz zur Vertragssumme als Darlehen auszahlen. Die 20.739 Euro werden jedes Jahr mit 3,25 Prozent verzinst. Getilgt wird das Darlehen mit Monatsraten von jeweils 300 Euro. In diesen Beträgen sind Zins und Tilgung enthalten, so dass es 76 Monate dauern wird, bis die Schulden vom Tisch sein werden.

          Der Zahlungsstrom aus Sicht des Kunden besteht aus vier Teilen: Er zahlt zu Beginn einmalig 10.000 Euro. Anschließend folgen 48 Raten von jeweils 400 Euro. Dann sind 76 Raten von 300 Euro fällig. Abgeschlossen wird die Zahlungsreihe durch die Schlusszahlung von 493 Euro. Die Zahlen sind von bestechender Klarheit, doch die meisten Privatleute können mit den Werten nicht viel anfangen. Folglich ist es kein Wunder, dass viele Eigenheimer verzweifelt Antworten auf die Frage suchen, ob die Zahlen gut, mittelprächtig oder schlecht sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impeachment-Anhörungen : Trumps Schattendiplomat

          Gordon Sondland muss sich auf ein regelrechtes Verhör gefasst machen. Von dem amerikanischen Botschafter bei der EU erhoffen sich die Demokraten Aussagen, mit denen sie Donald Trump der Erpressung und Bestechung überführen können.

          Bei Vortrag angegriffen : Weizsäcker-Sohn in Klinik getötet

          Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten, ist von einem Angreifer in Berlin bei einem Vortrag erstochen worden. Der Täter wurde festgenommen, über sein Motiv besteht noch Unklarheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.