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Die Vermögensfrage : Die Anlage von Erbschaften will gelernt sein

Erbschaften sind besonders dann schwierig, wenn der letzte Wille des Verstorbenen unklar ist. Bild: picture alliance / JOKER

Wer erbt und plötzlich über viel Geld verfügt, sollte seine finanzielle Situation genau überdenken. Die sinnvolle Verwendung des Geldes ist wichtiger als die Jagd nach hohen Zinsen - oder Sportwagen.

          6 Min.

          Erbschaften sind Fluch und Segen. Sie führen zu großen Belastungen, wenn sich die Erben einem letzten Willen verpflichtet fühlen, den sie oft gar nicht kennen. Sie sind allerdings eine große Hilfe, wenn Not am Mann ist. Gemeinsam dürfte allen Erbschaften die Frage sein, wie diese in Zeiten großer Gefahren und magerer Zinsen angelegt werden sollen. Wie soll der Erbe, der plötzlich 500.000 Euro auf dem Konto hat, die halbe Million anlegen? Und was soll die Erbin machen, die über Nacht um 600.000 Euro reicher geworden ist und von diesem Kapital die nächsten 30 oder 40 Jahre bestreiten muss?

          Volker Looman
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Nöte und Sorgen dieser Leute mögen Luxusprobleme sein, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Schwierigkeiten nicht für besseren Schlaf sorgen. Im Gegenteil: Solange die Ernte nicht sicher in der Hütte ist, drohen Blitz und Hagel, wie folgende Beispiele deutlich machen.

          Ein Mann ist 55 Jahre alt und mit einer Frau verheiratet, die zwei Jahre jünger ist. Das Paar hat zwei Kinder im Alter von 21 und 19 Jahren. Die Familie ist fürchterlich nett, was die allgemeine Lage angeht, und schrecklich normal, was die Finanzen betrifft. Der Vater ist Jurist und Prokurist in einem Unternehmen, die Mutter auf einer halben Stelle Ärztin im Krankenhaus. Die Eltern zahlen ihre Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse und stottern einen Kredit ab, der momentan bei 110.000 Euro liegt. Außerdem bedienen sie einige Sparverträge für die Altersversorgung.

          Was soll mit dem Geld passieren?

          Und die beiden Kinder? Der Sohn hat sich mit dem Abitur Zeit gelassen und brauchte anschließend ein Jahr, um sich von diesen Strapazen zu erholen. Nun will er „etwas mit Medien“ machen. Die Tochter ist forscher. Sie hat gerade ihr Abitur gemacht und will Architektur studieren, am liebsten im Ausland. Kenner solcher Soziotope wissen, dass so etwas richtig ins Geld geht. Und vor diesem Hintergrund ist die Erbschaft des Vaters – knapp 500.000 Euro – ein großer Segen.

          Der Mittfünfziger empfindet das Erbe als Bürde. Er ist in einem Elternhaus aufgewachsen, im dem das Ererbte bewahrt wurde. Folglich ist es kein Wunder, dass es der Vater nicht anders halten will. Was soll aber ein Erbe im Allgemeinen und Jurist im Besonderen machen, falls im Letzten Willen keine Order gegeben ist, was mit dem Geld passieren soll? Dann ist Land unter, wie es im Nordwesten der Republik heißt, weil guter Rat teuer ist und schlechter Rat ein Vermögen kostet. Das muss nicht sein, wenn die Eltern die Dinge nüchtern und bei Licht betrachten.

          Da ist zunächst die Restschuld von 110.000 Euro. Vor vielen Jahren betrug die Anfangsschuld 300.000 Euro. Das Geld wurde für den Kauf eines Eigenheims verwendet, gegen das der Großvater nichts einzuwenden hatte. Folglich wird es im Sinne des alten Herrn sein, den ersten Teil des Erbes für die Begleichung der Restschuld zu verwenden. Die Bank will eine Vorfälligkeitsentschädigung von 8.000 Euro haben, und das geht dem Vater gewaltig gegen den Strich.

          Den Hauskredit abbezahlen

          Hinter der Forderung steckt folgende Rechnung: Der jährliche Nominalzins des Kredites beträgt 3 Prozent. Er gilt noch sieben Jahre. Die monatliche Rate für Zins und Tilgung liegt bei 1.000 Euro. Die planmäßige Restschuld in sieben Jahren wird 42.000 Euro betragen. Die Bank hat für die Zahlungen ihrerseits Verpflichtungen zu erfüllen, so dass es recht und billig ist, eine Entschädigung zu verlangen. Denn auf dem Kapitalmarkt sieht es zurzeit nicht gut aus. Anleihen mit einer Restlaufzeit von sieben Jahren bringen höchstens 1,5 Prozent, und die Forderung von 8.000 Euro bedeutet, dass die Bank mit einem Wiederanlagezins von 1,47 Prozent pro Jahr gerechnet hat.

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