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Die Vermögensfrage : Die aktive Vermögensverwaltung ist ein teures Vergnügen

  • -Aktualisiert am

Bild: Kai

Anleger hoffen auf solide Wertzuwächse, wenn sie ihr Geld einem Vermögensverwalter anvertrauen. Die hohen Kosten bleiben aber oft verborgen.

          Das vergangene Jahr war für Anleger im wahrsten Sinne des Wortes ein Lotteriespiel. In der Mongolei ist der Wert der Aktien um 37Prozent gestiegen, in Deutschland ist der Wert um 15 Prozent gefallen. Die Kurse nordamerikanischer Staatsanleihen sind um 20 Prozent geklettert, in Italien sind die Werte vergleichbarer Papiere um 7 Prozent gesunken. Die Ergebnisse werden bei den Investoren in den nächsten Tagen, wenn die Jahresabrechnungen der Vermögensverwalter ins Haus flattern, gemischte Gefühle auslösen. Hier wird Sekt gereicht, dort wird Magenbitter vonnöten sein. Und wie lautet die Moral von der Geschichte? Geldanlage ist eben ein Glücksspiel, und wer Roulette-Tische nicht mag, sollte Spielbanken weder allein noch in Begleitung angeblicher Experten betreten.

          Solche trivialen Botschaften hören Vermögensverwalter in der Regel nicht gerne. Das ist kein Wunder, weil die Zunft vom Roulette nicht ganz schlecht lebt, wie der Schwabe sagt. Daher sollten Anleger von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Kosten dieser Manager werfen. Natürlich haben die Verwalter einen Anspruch auf ordentliche Bezahlung, doch die Art, wie die Verwaltung hier und da abgerechnet wird, wirft Fragen auf. Die Vergütung besteht in der Regel aus zwei Komponenten. Das ist die jährliche Grundgebühr. Sie beträgt zwischen 0,5 und 1,5 Prozent des verwalteten Vermögens. Hinzu kommt ein Erfolgshonorar von 10 bis 20 Prozent des Zuwachses. Das scheinen auf den ersten Blick einfache und klare Spielregeln zu sein, doch bei genauem Hinsehen sind Details zu klären. Das beginnt zum Beispiel bei der Festlegung, wie hoch das verwaltete Vermögen ist, und endet bei der Überlegung, wie der Erfolg gemessen wird.

          Heikle Sache

          Einfach ist die Geschichte, wenn man das Depot jährlich abrechnet und in dieser Zeit nicht anrührt, also kein Geld abgezogen oder zugeführt wird. Dann ist der Depotstand zu Anfang des Jahres die Grundlage der Vergütung. Wenn am 1. Januar des Jahres beispielsweise 100.000 Euro im Depot liegen und eine Grundgebühr von 1Prozent vereinbart wird, werden am 31. Dezember dieses Jahres genau 1000 Euro fällig sein. Wurde außerdem ein Erfolgshonorar von 10 Prozent festgelegt, sind weitere 2000 Euro zu bezahlen, wenn das Depot am Ende des Jahres einen Stand von 120.000 Euro aufweist.

          Heikel wird die Sache, wenn das Konto monatlich oder vierteljährlich abgerechnet wird. Hier kommt es in beiden Fällen zu „versteckten“ Erträgen, die den Anlegern in der Regel nicht bewusst sind. Grundlage der vierteljährlichen Abrechnung sind die Kontostände am Ende der Quartale. Lagen die Depotwerte zum Beispiel bei 103.000, 108.000, 112.000 und 120.000 Euro, wird aus diesen Beträgen jeweils ein Viertelprozent berechnet. Das sind insgesamt 1107,50 Euro, so dass die Grundvergütung über dem vereinbarten Satz von 1 Prozent liegt. Wird jetzt außerdem noch das Erfolgshonorar von 10 Prozent fällig, ist diese Beteiligung zu hoch, weil der Verwalter bereits bei der Grundvergütung am Erfolg beteiligt war.

          Knifflig wird die Geschichte, wenn das Depot während des Kalenderjahres starken Schwankungen unterworfen war. Beispiel: Das Konto stand am Anfang des Jahres bei 100.000 Euro. Nach drei Monaten ist der Wert auf 95.000 Euro gesunken. Anschließend stieg der Wert bis zum Ende des Halbjahres auf 103.000 Euro. Im dritten Quartal sackte der Wert auf 96.000 Euro ab. Und im Verlaufe des letzten Quartals stieg der Wert wieder auf 100.000 Euro.

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