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Die Vermögensfrage : Die aktive Vermögensverwaltung ist ein teures Vergnügen

  • -Aktualisiert am

Neutrale Beratung nur auf Honorarbasis möglich

Vor diesem Hintergrund kann der Hinweis nicht oft genug wiederholt werden, dass es in Deutschland drei Beratungsformen gibt, wenn es um Geld geht. Die größte Bedeutung hat die traditionelle Anlage-, Finanz- und Vermögensberatung. Hier treffen sich die Vertragspartner zu kostenlosen und unverbindlichen Gesprächen. Damit ist diese Beratung in Wirklichkeit aber eigentlich gar keine Beratung, sondern ein zielgerichtetes Verkaufsgespräch, in dem es um den Abschluss eines Geschäftes geht.

Die neutrale Beratung, die sich so viele Anleger wünschen, ist nur auf Honorarbasis möglich. Anwälte, Rentenberater und Steuerberater schließen, um gängige Beispiele zu nennen, mit ihren Mandanten individuelle Dienstleistungs- oder Werkverträge ab. Grundlage dieser Vereinbarungen sind die Paragraphen 611, 631 und 675 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Darin verpflichten sich die Berater, bestimmte Leistungen oder Werke zu erbringen. Gleichzeitig versprechen sie ihren Mandanten, ausschließlich deren Interessen zu vertreten.

Um hier gar keine Begierden zu wecken, hat der Gesetzgeber schon vor vielen Jahrzehnten den Paragraph 667 in das BGB eingefügt. Darin heißt es: „Der Beauftragte hat alles, was er zur Ausführung des Auftrages erhält und was er aus der Geschäftsbesorgung erhält, herauszugeben.“ Wenn ein Investor einen „echten“ Berater beauftragt, ihn bei der Geldanlage oder Verwaltung zu unterstützen, kann der Fachmann durchaus 10000 Euro nebst Mehrwertsteuer verlangen. Sofern bei der Geschäftsbesorgung allerdings Provisionen von 20000 Euro anfallen, steht dieses Geld ausschließlich dem Auftraggeber zu.

Mischung aus Beratung und Vermittlung

Das gilt auch für die Verwaltung des Vermögens. Falls die laufende Betreuung jährlich 1 Prozent des Vermögens kostet, wenn also bei einem Vermögen von 500000 Euro jährlich 5000 Euro zu bezahlen sind, ist gegen diese Vereinbarung nichts einzuwenden. Der Verwalter kann, wenn es durchsetzbar ist, auch 1,5 oder 2Prozent verlangen. Fließt von Banken oder Versicherern aber Geld an den Vermögensverwalter, egal ob es sich um 3000 oder 4000 Euro handelt, so stehen diese Beträge ausschließlich und in voller Höhe dem Anleger zu.

Die dritte Beratungsform ist eine Mischung aus Beratung und Vermittlung. Es gibt Berater, die für ihre Tätigkeit ein Honorar verlangen, darüber hinaus aber auch Finanzgeschäfte gegen Provision vermitteln. Teilweise verrechnen sie die Honorare und Provisionen miteinander. Meistens lassen sie die Provisionen aber direkt oder indirekt über ein Unternehmen der Ehefrau oder Freundin in die eigene Tasche laufen. Genauso ist es denkbar, dass die Finanzinstitute dem Berater für die Schleuserdienste jedes Jahr ein neues Auto vor die Türe stellen oder ihn zum Karneval nach Brasilien einladen.

In der Vermögensverwaltung besteht die Versuchung, sowohl bei der Anlage als auch bei der Verwaltung die Hand aufzuhalten. Die Beschaffung börsennotierter Indexfonds bringt einem Verwalter außer einem warmen Händedruck nicht viel ein. Da ist die Vermittlung, wenn es zum Beispiel um die Anlage und Verwaltung von 500000 Euro geht, in drei Investmentfonds gewinnbringender. Hier gibt es erst einmal die Ausgabeaufschläge von mindestens 3 Prozent. Hinzu kommen die Bestandsprovisionen von 0,75 Prozent pro Jahr. Noch lukrativer ist freilich die individuelle Vermögensverwaltung. Sie bringt dem Manager jährlich 1 Prozent des Kunden und 0,5 Prozent der Bank, so dass bei einer Anlagedauer von zehn Jahren richtig Geld in die Kasse kommt.

Die Beispiele führen jedem Betrachter das Dilemma der Anleger und Verwalter vor Augen. Die Investoren wollen ihr Vermögen mehren und suchen neutralen Rat. Die Verwalter müssen aber Produkte verkaufen, solange die Investoren weder die Beratung noch die Geschäftsbesorgung offen bezahlen wollen. Die beiden Parteien können die Sache drehen und wenden, wie sie wollen. Die neutrale Vermögensverwaltung ist nur auf Honorarbasis und bei vollständiger Herausgabe aller Provisionen möglich. Solange aber keine Bereitschaft vorhanden ist, die Leistungen direkt zu entlohnen, wird der Traum von der neutralen und unabhängigen Verwaltung nie in Erfüllung gehen.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen

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