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Die Vermögensfrage : Die aktive Vermögensverwaltung ist ein teures Vergnügen

  • -Aktualisiert am

Zündstoff für endlose Streitereien

Aus Sicht des Anlegers ist der Wert des Depots gleich geblieben. Folglich kann nach Meinung des Anlegers keine Erfolgsbeteiligung anfallen. Das wird der Verwalter mit hoher Wahrscheinlichkeit anders sehen. Er hangelt sich mit seiner Abrechnung von Quartal zu Quartal. Das heißt in Zahlen, dass aus Kontoständen von 100000 Euro, 95000 Euro, 103000 Euro und 96000 Euro jeweils ein Viertelprozent berechnet wird. Das ergibt unter dem Strich eine Grundvergütung von 985Euro. Hinzu kommen „Erfolgsbeteiligungen“ für das zweite und das vierte Quartal. Sie liegen, wenn fair gehandelt wird, bei 200 Euro und 100 Euro, so dass insgesamt 300 Euro in Rechnung gestellt werden. Folglich muss der Privatmann dem Vermögensverwalter insgesamt 1285Euro bezahlen.

Die Berechnung der Erfolgsbeteiligung bietet, wenn sie nicht einfach und klar geregelt wird, Zündstoff für endlose Streitereien. Zuerst ist die Frage zu klären, wie Verluste behandelt werden. Aus Sicht des neutralen Betrachters wäre es recht und billig, wenn die Verwalter für Verluste büßen müssten. Das ist freilich ein frommer Wunsch. Es wird sich auf dieser Welt kein Verwalter finden, der zum Ausgleich finanzieller Verluste bereit ist.

Die maximale „Kulanz“ wird, das ist der zweite Punkt, der Vortrag von Verlusten sein. Im vorliegenden Beispiel ist im ersten Quartal ein Verlust von 5000 Euro entstanden. Er könnte in das zweite Quartal vorgetragen werden, so dass am Ende des Halbjahres der Erfolg nicht 8000 Euro, sondern nur 3000 Euro beträgt. Wird ein Vortrag vereinbart, stellt sich natürlich die Frage, wie lange vorgetragen wird. Ist das ein Jahr, sind das zwei Jahre? Hier gibt es keine verbindlichen Regelungen. Wichtig ist nur, dass beide Parteien eine Vereinbarung treffen, die einfach, klar und nachvollziehbar ist.

Im Vergleich ein „Nasenwasser“

Der zusätzliche Ertrag durch die unterjährige Abrechnung ist freilich ein „Nasenwasser“ im Vergleich zu den berüchtigten Kickbacks und Retrozessionen. Davon betroffen sind Banken, welche die Kundengelder einer Investmentgesellschaft übergeben haben, und freie Verwalter, welche die Kundengelder bei einer Bank deponiert haben. In beiden Fällen ist es an der Tagesordnung, dass die Bank von der Investmentgesellschaft und der Verwalter von der Bank jedes Jahr eine Bestandsprovision erhalten, die zwischen 0,25 und 1Prozent liegt.

Die versteckten Zahlungen sorgen seit vielen Jahren für erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Anlegern und Verwaltern. Und ein Ende des Streites ist nicht in Sicht. Eine Zeitlang bestand die Hoffnung, dass die Vermögensverwalter durch das neue Anlegerschutzgesetz aus Brüssel, die seit dem 1. November 2007 auch in Deutschland gültige Markets in Financial Instruments Directive (MiFID), zur Offenlegung der Kickbacks und Retrozessionen gezwungen werden könnten, doch die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat bereits 2000 entschieden, dass „heimliche“ Vereinbarungen zwischen Banken und Vermögensverwaltern eine „schwerwiegende Treuwidrigkeit hinter dem Rücken des Kunden“ seien, durch die das Vertrauen in den Verwalter entfalle. Zugleich sah das Gericht aber auch die zahlende Bank in der Pflicht, den Kunden vor Vertragsabschluss über die drohenden Interessenkonflikte aufzuklären. Weil das Institut diese Aufklärung aber unterlassen hatte, wurde es - über die Erstattung der gezahlten Provisionen hinaus - auch für die Schäden, die bei den Wertpapiergeschäften entstanden waren, in Regress genommen.

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