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Die Vermögensfrage : Die Ablösung von Hypotheken ist ein Trauerspiel

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Oft ist es ratsam, von Anfang an auch über das Ende nachzudenken. Sonst laufen die Dinge aus dem Ruder. Denn nicht selten wehren sich Kreditgeber trotz Entschädigung gegen vorzeitiges Rückzahlen der Schulden.

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          Privatleute achten bei der Kreditaufnahme in der Regel auf den Nominalzins und die Monatsrate. Dabei übersehen sie jedoch Punkte, die zu späteren Zeitpunkten von größter Wichtigkeit werden können. Was geschieht mit den Darlehen, falls das Haus wegen Scheidung oder Umzug verkauft werden muss? Was passiert mit den Hypotheken, wenn plötzlich Geld vorhanden ist und es ratsam erscheint, die Schulden abzulösen? Wie wird gerechnet, wenn ein Partner stirbt und der Kredit durch Lebensversicherungen getilgt werden soll?

          In sämtlichen Fällen verlangen die Geldgeber angemessene Entschädigungen, und was angemessen ist, bestimmt im Zweifel der Kreditgeber. Doch wie sollen sich die Kreditnehmer verhalten, wenn sich die Institute trotz der Bereitschaft, den Schaden in voller Höhe zu begleichen, stur stellen und sich weigern, die Kredite zurückzunehmen? Dann ist es ratsam, von Anfang an auch über das Ende nachzudenken. Sonst laufen die Dinge wie im folgenden Fall aus dem Ruder.

          Auf dem Objekt lasten Schulden von 300.000 Euro

          Ein selbständiger Steuerberater ist 55 Jahre alt und hat ein bewegtes Leben hinter sich: Die erste Frau ist gestorben, von der zweiten hat er sich getrennt, jetzt ist er in dritter Ehe verheiratet. Aus der ersten Verbindung stammen drei Kinder, die dem Vater in unterschiedlicher Höhe auf der Tasche liegen, so dass es kein Wunder ist, dass mit den Finanzen nicht alles zum Besten bestellt ist. Das gilt vor allem für das Eigenheim und die Kredite.

          Der Mann wohnt in einem Eigenheim, das etwa 400.000 Euro wert ist. Auf dem Objekt lasten Schulden von 300.000 Euro. Das mag zu denken geben, weil der Steuerberater nicht mehr der Jüngste ist. Viel schlimmer ist jedoch, dass Geldanlagen im Wert von 350.000 Euro vorhanden sind. Das Kapital besteht aus drei Posten. Auf dem Girokonto liegen 25.000 Euro. In Festgeld sind 150.000 Euro angelegt. In einer Lebensversicherung stecken 175.000 Euro.

          So einfach die Sache sein mag, so schwierig ist die Umsetzung

          Wer die Renditen von Geldanlagen und die Kosten von Krediten kennt, wird schnell ahnen, wie der Hase läuft. Die Erträge der Geldanlagen liegen unter den Kosten der Kredite, so dass das Verlustgeschäft so schnell wie möglich beendet werden sollte. Im vorliegenden Fall geht es um 38.000 Euro. Sie sind die abgezinste Differenz zwischen den Erträgen der Geldanlagen, die bei 2,6 Prozent pro Jahr liegen, und den Kosten der Kredite, die 4,1 Prozent pro Jahr kosten.

          So einfach die Sache sein mag, so schwierig ist aber die Umsetzung, weil die meisten Kreditnehmer auf Banken stoßen, die bei der Ablösung von Krediten ihre Sturheit in voller Eleganz zur Schau stellen. So prüft der Bankmitarbeiter, ob für die Rücknahme der Kredite eine „Rechtsgrundlage“ besteht. Wird das Haus nicht verkauft, ist der Fall für die meisten Kreditgeber klar: Man muss nicht, also will man auch nicht.

          Die Geschichte mag für viele Zuhörer wie ein Märchen klingen

          So ist es auch dem Steuerberater ergangen. Er hat die drei Banken, die das Haus finanzieren, gebeten, gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung die Verträge aufzuheben, und er hat sich dreimal eine blutige Nase geholt. Die erste Bank hat auf den Brief überhaupt nicht reagiert. Das zweite Institut hat einen Standardbrief verschickt, dass die rechtlichen Voraussetzungen für die Ablösung nicht gegeben seien. Nur das dritte Institut hat sich mit einem Angebot gemeldet. Frei nach dem Motto, dass es im Prinzip gehe, im konkreten Fall aber Probleme gebe, unterbreitete es dem Steuerberater die Offerte, den Vertrag gegen Zahlung der doppelten Entschädigung aufzuheben. Das hat für den Steuerberater natürlich keinen Sinn.

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