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Die Vermögensfrage : Der Weg zum Wohlstand ist eine lange Reise

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Fleiß und Sparsamkeit sind auf dem langen Weg zu finanziellem Wohlstand die besten Begleiter. Anleger sollten nicht auf „heiße“ Geldtipps warten, sondern jeden Monat mindestens 10 Prozent ihres Nettoeinkommens auf die hohe Kante legen.

          7 Min.

          Der Traum vom finanziellen Wohlstand ist uralt. Das gilt besonders für die erste Million. Die Eins mit den sechs Nullen zieht viele Menschen magisch in ihren Bann. In Amerika hat sich in den letzten Jahrzehnten eine regelrechte Industrie entwickelt, die den Traum von Geld und Wohlstand in vielen Facetten verkauft. Längst ist die Welle nach Europa geschwappt. In Buchhandlungen weisen Bücherstapel die Richtung zum Reichtum ohne Stress, im Fernsehen fiebern Millionen, wer Millionär wird, und in Seminaren verkünden Geldapostel, ein 500-Euro-Schein in der Hosentasche sei der beste Begleiter auf dem Weg zum Wohlstand, weil er den Besitzer schon mal an große Summen gewöhne.

          Dieser Hokuspokus ist fragwürdig und erinnert an den Tanz um das goldene Kalb: Geld, Geld und noch einmal Geld. Im Mittelpunkt stehen Parolen und Unterhaltung: Reichtum sei ein Grundrecht des Menschen, Wohlstand sei eine Frage der Einstellung, und richtige Geldanlagen würfen Renditen von mindestens 10 Prozent pro Jahr ab, so dass jeder Investor mit wenigen Kniffen ein Millionenvermögen aufbauen könne. Die Welt der „Lifestyle-Gurus“ und „Money Coaches“ ist einfach, die Sprüche sind platt, doch es besteht die Gefahr, dass viele Menschen enttäuscht auf der Strecke bleiben, weil der Weg zum Wohlstand eben doch nicht so einfach ist.

          Einsicht in der Vorbereitung

          Die Situation ist heikel. Auf der einen Seite ist es ohne Zweifel richtig, dass Wohlstand viel mit der Einstellung zu Geld zu tun hat. Auf der anderen Seite werden in Menschen, wenn die Sache zu einfach dargestellt wird, aber Sehnsüchte geweckt, die in dieser Form nicht erfüllbar sind. Vor allem junge Leute sind für solche Visionen schnell zu begeistern, doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Träume wie Seifenblasen platzen und Enttäuschung und Verbitterung auslösen. Wohlstand entsteht nicht durch ein paar Handgriffe, und meistens kommt er auch nicht in Windeseile. Der Weg zum Wohlstand ist in der Regel eine lange Reise. Sie erfordert viel Einsicht bei der Vorbereitung und große Selbstdisziplin bei der Umsetzung. Wohlstand entsteht durch Arbeit und Sparsamkeit. Reichtum gedeiht auf anderem Boden.

          Die Arbeitskraft ist für die meisten Menschen das mit Abstand größte Kapital. Bei Arbeitslosigkeit, Invalidität, Krankheit und Tod können Versicherungen einspringen und Geld zahlen. Gegen „sinnlose“ Arbeit ist aber kein Kraut gewachsen. Daher sollte die Arbeitskraft wie ein kostbarer Schatz gehütet und gepflegt werden, weil sie in Verbindung mit Sparsamkeit die Basis des Wohlstandes bildet. Die Grundlage „ertragreicher“ Arbeit ist nicht ein „toller“ Job, wie viele Menschen meinen, sondern die Begeisterung für bestimmte Dinge und die Ausdauer, die Arbeit auch in schwierigen Zeiten ohne Murren zu erledigen.

          Aus diesem Grund kommt es schon bei der Wahl des Berufes darauf an, nicht Dinge zu tun, die eine Mode sind, sondern Sachen anzupacken, für die Leidenschaft vorhanden ist. Es ist wichtig, individuelle Neigungen zu erkennen, sich auf diese Fähigkeiten zu konzentrieren und zu versuchen, die Stärken zum Nutzen anderer Leute einzusetzen. Das hört sich einfach an, ist aber in der Praxis für viele Menschen nur schwer umsetzbar.

          Die Betriebswirtschaft zum Beispiel ist seit Jahren ein wahres Modefach. Tausende von Studenten finden das Fach interessant, aber bei näherem Hinsehen fehlt jede Begeisterung. Die Folgen sind fatal. Die meisten Betriebswirte und Kaufleute sind austauschbar. Sie treten sich gegenseitig auf die Füße, ruinieren die Preise und machen sich das Leben schwer. Der Weg zu „konkurrenzlosen“ Spitzenleistungen sieht anders aus. Hier geht es um Profil statt Gesichtslosigkeit, Individualität statt Anpassung und Klasse statt Masse. Der erste Schritt ist die Besinnung auf individuelle Stärken. Was kann der einzelne Mensch besonders gut? Dann folgt die Konzentration auf eine Tätigkeit, die viel Erfolg verspricht. Der dritte Baustein ist die Suche nach Menschen, welche diese Stärke als Lösung eines brennenden Problems empfinden.

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