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Die Vermögensfrage : Der richtige Umgang mit Geld will gelernt sein

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Bild: F.A.Z. - Kai

Die Bundesregierung will mit neuen Verordnungen den Schutz der Anleger verbessern. Doch Gesetze werden die Menschen nie vor schlechten Geschäften bewahren - sie müssen lernen, kritische Fragen zu stellen und den Wert von echter Beratung erkennen.

          Das Bundeskabinett hat Mitte der Woche ein Gesetz entworfen, um die Rechte geschädigter Anleger zu stärken. Die Anbieter und die Vermittler von Wertpapieren sollen verpflichtet werden, in Zukunft die Beratungen aufzuzeichnen und den Interessenten eine Ausfertigung des Protokolls auszuhändigen. Außerdem soll die Verjährungsfrist für Schäden bei Wertpapieren verlängert werden. Sowohl die Justizministerin als auch die Verbraucherministerin wollen auf diese Weise den Anlegerschutz stärken, doch das Vorhaben steht auf tönernen Füßen, weil der richtige Umgang mit Geld nicht in Gesetze gepresst werden kann.

          Die Qualität der Finanzberatung in Banken, Bausparkassen und von Versicherern ist seit Jahren ein Reizthema. Im Mittelpunkt stehen zwei Vorwürfe. Das ist auf der einen Seite die Aussage, dass die Institute gar nicht beraten, sondern zielgerichtet Produkte verkaufen. Und das ist auf der anderen Seite die Behauptung, dass sich die Unternehmen mit hohen Gebühren und Provisionen eine goldene Nase verdienen.

          Die Vorwürfe sind nicht von der Hand zu weisen. Gleichwohl ist die Forderung absurd, von der Finanzindustrie besonderes Wohlverhalten zu verlangen.

          Jede Information hat ihren Preis

          Weder die Anbieter noch die Anleger sind Samariter, sondern Parteien, die auf ihren Vorteil bedacht sind. Daher müssen Privatleute, die mit der Beratung der Banken nicht zufrieden sind, neutrale Fachleute aufsuchen. Das kostet freilich Geld, doch solange die Anleger nicht bereit sind, für neutrale Informationen entsprechende Honorare zu bezahlen, müssen sie eben mit den gegenwärtigen Verhältnissen zufrieden sein.

          An diesem Zustand hat das europäische Anlegerschutzgesetz, die Markets in Financial Instruments Directive (MiFID), die seit dem 1. November 2008 in Kraft ist, nichts geändert, und daran wird auch der Gesetzentwurf der Bundesregierung nichts ändern. Erstens gilt die Bestimmung nur für den Wertpapierhandel, und zweitens schützen Gesetze private Anleger nicht davor, auch in Zukunft falsche Finanzprodukte zu hohen Preisen zu kaufen.

          Der richtige Umgang mit Geld ist ein langer Prozess. Er beginnt mit der Einsicht, dass jede Information ihren Preis hat. Dann folgt die Notwendigkeit, sich intensiv mit der Strategie der Geldanlage oder Kreditaufnahme zu beschäftigen. Schließlich geht es um den kostengünstigen Einkauf der notwendigen Produkte.

          Das heißt im Klartext, dass es keine kostenlose Beratung gibt, dass viel Zeit nötig ist, um sich mit der Frage zu beschäftigen, wie Geld angelegt oder aufgenommen wird, und dass es notwendig ist, die Preise für das ausgewählte Produkt miteinander zu vergleichen.

          Bank und Bausparkasse wollen verkaufen, nicht beraten

          Gegen diese schlichte Erkenntnis verstoßen aber jeden Tag viele Anleger. Sie fordern kostenlosen Rat, sie fällen ihre Entscheidungen zwischen Tür und Angel, und sie jagen Sonderangeboten hinterher. Dagegen ist freilich kein Kraut gewachsen, und das ist jenseits von Geld und Kredit nicht anders. Wer nichts lernen will, hat im Beruf keinen Anspruch auf Erfolg. Da hilft kein Gesetz. Wer den falschen Lebenspartner wählt, wird in seelische Nöte geraten. Da gibt es keinen Schutz. Wer raucht und trinkt, gefährdet Leib und Leben, und da hilft keine Verordnung.

          Genauso ist es letzten Endes bei Anlagen und Krediten. Die mangelhafte Sorgfalt im Umgang mit Geld lässt sich nicht in Gesetze pressen. Der eine kann es, und der andere kann es eben nicht, und daran wird sich, solange es Menschen gibt, mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts ändern.

          Sparen ist zum Beispiel für viele Junioren ein Reizwort, weil der Hang zum Konsum stärker ist. Trotzdem führt an Sparverträgen kein Weg vorbei, wenn eines Tages bestimmte Wünsche verwirklicht werden sollen. Wer in einigen Jahren ein Eigenheim bauen will, muss frühzeitig Geld auf die Seite legen, doch in welchen Topf? Ist ein Banksparplan sinnvoll, oder ist ein Bausparvertrag vorteilhafter?

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