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Die Vermögensfrage : Das klassische Studium ist eine lohnende Investition

  • -Aktualisiert am

Investition bestanden: Absolventen in Bremen Bild: ddp

Die Arbeitskraft ist für die meisten Menschen das größte Kapital. Leider wird dieser Schatz häufig zu wenig gepflegt. Eine Investition in eine Fortbildung ist aber oft lohnender als die klassische Kapitalanlage.

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          Der Traum vom Wohlstand strahlt große Faszination aus. Das gilt besonders für die erste Million. Die Eins mit den sechs Nullen zieht viele magisch in den Bann. In Buchhandlungen weisen Ratgeber die Richtung zum Reichtum. Im Fernsehen fiebern Millionen Zuschauer, wer Millionär wird, und in Seminaren verkünden Apostel die Botschaft, dass es nur eine Frage der inneren Einstellung sei, wie reich man in seinem Leben werde. Wohlstand ist aber kein Geschenk des Himmels. Deshalb sollten die Menschen die alte Erkenntnis beherzigen, dass Bildung und Fleiß auf Dauer die besten Geldanlagen sind.

          Die Arbeitskraft ist für die meisten Menschen das größte Kapital. Leider wird dieser Schatz wenig gepflegt. Die Grundlage ertragreicher Arbeit ist nicht irgendein toller Job, wie viele Menschen meinen, sondern die Begeisterung für bestimmte Dinge, und die Ausdauer, die Arbeit auch in schwierigen Zeiten ohne Murren zu erledigen. Aus diesem Grund kommt es schon bei der Wahl des Berufes darauf an, nicht Dinge zu tun, die in Mode sind, sondern Sachen anzupacken, für die Begeisterung vorhanden ist. Es ist wichtig, individuelle Neigungen zu erkennen, sich auf diese Fähigkeiten zu konzentrieren und zu versuchen, die Stärken zum Nutzen anderer Leute einzusetzen.

          Warum darf Bildung eigentlich nichts kosten?

          Heikel wird die Geschichte, sobald Bildung Geld kostet. Seit an den Hochschulen Studiengebühren eingeführt worden sind, schäumen die Gemüter, weil Bildung in den Augen vieler Menschen nichts kosten darf. Warum eigentlich nicht? Jeder Handwerker investiert Arbeit und Zeit in die Lehre. Nach der Meisterprüfung muss er oft Geld aufnehmen, um einen Betrieb aufbauen zu können. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum Akademiker für ihre Bildung kein Geld aufwenden sollen. Natürlich ist es kein Honigschlecken, am Anfang des Studiums einen Kredit aufzunehmen und die Schulden nach dem Examen zurückzuzahlen. Doch die Investition in Bildung hat auf Dauer nur Vorteile.

          Wer heute zum Beispiel nach dem Abitur bei Banken mit einer Ausbildung beginnt, bekommt in den drei Lehrjahren im Durchschnitt 775 Euro pro Monat. Danach liegt das Gehalt bei 1750 Euro, und wer sich im Laufe der Zeit nach oben arbeitet, kann in den letzten Berufsjahren - in der höchsten Tarifgruppe - mit 3500 Euro Monatsgehalt rechnen. Alternativ besteht zum Beispiel in Baden-Württemberg die Möglichkeit, an einer Berufsakademie die Banklehre mit einem Fachstudium zu verknüpfen. Das führt in der Anfangsphase zu ähnlichen Löhnen, doch dann können die Absolventen mit Einkommen rechnen, die deutlich über den Gehältern normaler Bankkaufleute liegen.

          Verzinsungshöhe ein Spiegel der Chancen und Risiken

          Im Vergleich zu Lehre und Berufsakademie ist der klassische Studienabschluss mit Kosten und Verzicht verbunden. Wer für ein Studium der Betriebs- oder Volkswirtschaft monatlich 800 Euro braucht, pro Semester Studiengebühren von 1000 Euro zahlen muss und zwei Jahre auf Einkommen verzichtet, hat am Ende des Studiums Schulden von 93.000 Euro, wenn das Geld nicht vorhanden ist und die Kreditaufnahme jährlich 8 Prozent kostet. Sollen die Verbindlichkeiten innerhalb von zehn Jahren amortisiert werden, müssen die monatlichen Gehälter mindestens 1115 Euro höher sein als die der Absolventen der Berufsakademie. Sind die Gehälter auf Dauer um 1000 Euro höher, würde die Rendite knapp 14 Prozent betragen.

          Die Höhe der Verzinsung ist - wie bei jeder Geldanlage - ein Spiegel der Chancen und Risiken. Das höhere Gehalt ist die Chance. Längst pfeifen aber die Spatzen von den Dächern, dass ein Diplom, Magister oder Staatsexamen die Eintrittskarte in den Kreis der Erlauchten ist. Bei den Juristen schließt ein Zehntel mit Prädikatsexamen ab und wird mit Traumgehältern umworben, 40 Prozent sind Durchschnitt und fristen ihr Dasein als gehobene Sachbearbeiter in staubigen Büros, und die restlichen 50 Prozent werden Taxifahrer. Fazit: Für 10 Prozent hat sich die Investition gelohnt, und 90 Prozent haben das Geld, sofern es aus der eigenen Tasche kam, in den Sand gesetzt.

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