https://www.faz.net/-hbv-7lnvz

Die Vermögensfrage : Das explosive Gemisch von Prokon

  • -Aktualisiert am

Anleger wird nicht leer ausgehen

Der mit Abstand heikelste Punkt ist der Renditeabstand zwischen den Windrädern und den Genussrechten. Das wird beim Vergleich der Tabellen 3 und 6 deutlich. Mit welchem Wert hat Prokon gerechnet, auf welchen Wert haben die Anleger gehofft? Das Unternehmen hat mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Endwert von null Euro beziehungsweise eine Rendite von 3,9 Prozent unterstellt. Sonst müsste sich der Initiator vorwerfen lassen, von Anfang an mit gezinkten Karten gespielt zu haben. Bei einem Restwert von 50 Prozent käme eine Rendite von 6 Prozent heraus. Das würde eine Marge von 1,6 Prozent bedeuten, weil die Kosten der Finanzierung, vollständige Rückzahlung der Genussscheine unterstellt, laut Tabelle 6 bei 4,4 Prozent liegen.

Umgekehrt müssen sich die Anleger fragen, was sie sich bei diesem Geschäft gedacht haben. Dachten sie in erster Linie an ihr Gewissen, folgten sie der Aufforderung, dass es Zeit ist, etwas zu verändern, wie Prokon in der Werbung suggeriert hatte? Hatten sie die Verzinsung von „mindestens“ 6 Prozent im Visier? Oder verloren sie vielleicht aus dem Auge, dass die Laufzeiten von Anlage und Kredit, in diesem Fall die Laufzeiten des „langen“ Windrades und des „kurzen“ Genussscheins, eine „handwerklich fehlerhafte Kombination“ sind, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz meint?

Die einzelnen Fragen werden, dazu ist keine übersinnliche Hellseherei notwendig, zu langwierigen Auseinandersetzungen führen, und die Geschichte wird zu gegebener Zeit mit einem „Kompromiss“ enden. Die Anleger werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht leer ausgehen. Erstens hat sich Prokon zu 95 Prozent mit Hilfe von Genussrechten finanziert, so dass die Zahl der „vorrangigen“ Gläubiger klein ist, und zweitens sind die jungen Windparks noch Geld wert. Folglich können die Privatleute hoffen, mit einem tiefblauen Auge und der bitteren Erfahrung aus der Sache herauszukommen, dass auch grüne Geldanlagen schwarze Seiten haben.

Die meisten Windräder mögen auf einem Fundament auf Beton stehen. In wirtschaftlicher Hinsicht sind sie aber auf Sand gebaut, weil die Erträge staatliche Subventionen sind. Was solche staatliche Versprechen wert sind, sollten Privatleute am sozialen Wohnungsbau in Berlin begutachten. Dort sind vor der Wende ganze Heerscharen gutbetuchter Anleger mit Hilfe von Fördermitteln geködert worden, preiswerten Wohnraum zu errichten. Das Land hat die Subventionen vor Jahren mangels Masse gestrichen, und der Bund fühlt sich für die Sünden an der Spree nicht verantwortlich. Nun hocken Tausende privater Anleger auf billigen Mietskasernen, die kein Mensch kaufen will.

Das Schicksal droht auch Menschen, die aus tiefster Überzeugung in Solardächer und Windparks investieren. Die Idee ist wirklich gut, doch die Umsetzung ist miserabel, weil die Finanzierung auf erbarmungsloser Umverteilung aufbaut, und diese Konstruktion ist zum Scheitern verurteilt. Den Anlegern von Prokon ist zu wünschen, dass sich die Masse der Windparks zu einem anständigen Preis verkaufen lässt, und künftige Investoren sollten die Sache am besten mit Hilfe von Bargeld bezahlen. Das schärft den Blick für die Realität und bewahrt vor den schlimmsten Reinfällen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Interims-Führung: Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel und Malu Dreyer (v.l.) am Montag im Willy-Brandt-Haus in Berlin

Mitgliederentscheid : Das gefährliche Spiel der SPD

Mit einem „Fest der innerparteilichen Demokratie“ will die SPD ihre neue Parteiführung bestimmen. Doch das birgt diverse Risiken – und könnte die neue Spitze schnell wieder in die Bredouille bringen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.