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Die Vermögensfrage : Bildung ist die Geldanlage mit den höchsten Renditen

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„ Und vielen Dank noch mal, dass ihr euer ganzes Geld in meine Bildung investiert habt...“ Bild: Kai

Investition in die eigene Person ist das sicherste Fundament für den Aufbau der privaten Altersversorgung. Aus diesem Grund kommt es auf die richtige Wahl des Berufes an - und auf frühes Sparen.

          Die Altersvorsorge ist ein Reizthema. Schon seit Jahrzehnten mahnen Politiker. Trotzdem hält sich die Bereitschaft vieler Menschen in Grenzen, die finanzielle Gestaltung des Ruhestandes in die Hand zu nehmen, und es ist zweifelhaft, ob sich daran in den kommenden Jahren viel ändern wird. Die Haltung zahlreicher Anleger, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht worden ist, mag in Einzelfällen richtig sein, doch in der gegenwärtigen Diskussion über die Renten wird immer wieder die Entwicklung der Bevölkerung übersehen.

          Deutschland ist ein alterndes Land, und wenn die Babyboomer, die Menschen, die heute zwischen 50 und 55 Jahre alt sind, in absehbarer Zeit in den Ruhestand treten werden, wird das Hauen und Stechen um die Renten richtig losgehen. Es fehlt die Jugend, welche die künftigen Senioren unterstützen soll, und da helfen auch die Rufe nach Steuererhöhung und Zuwanderung nicht viel. Der alte Generationenvertrag, der nach dem Krieg geschlossen worden ist, ist in dieser Form mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erfüllbar.

          Die monatliche Rente der gesetzlichen Versorgungswerke betrug 2011 nach Angaben der Bundesarbeitsministerin in den alten Ländern brutto 865 Euro, in den neuen Ländern 979 Euro. Insgesamt ergeben sich Altersrenten auf der Grundlage eigener und abgeleiteter Ansprüche von 1.342 Euro in den alten und 1.167 Euro in den neuen Ländern. Westdeutsche Männer sind mit 1.749 Euro besser gestellt als Männer im Osten mit 1.290 Euro. Frauen beziehen in den neuen Ländern durchschnittlich 1.077 Euro.

          Das Sicherste an der gesetzlichen Rente ist die Versorgungslücke

          Das ist etwas mehr als die 1.012 Euro, welche westdeutsche Frauen erhalten. Die Gesamteinkünfte privater Haushalte waren höher. Hier gibt das Ministerium für Ehepaare, die in den alten Bundesländern lebten, einen Nettobetrag von 2.327 Euro an. In den neuen Bundesländern kamen Ehepaare auf eine Nettosumme von 1.933 Euro. Die stille Hoffnung, dass die Beiträge zur Rentenversicherung in Zukunft stabil bleiben werden, ist mit Vorsicht zu genießen. Der Beitragssatz hat sich seit 1.950 verdoppelt. Damals lag er bei 10 Prozent.

          Heute beträgt er fast 20 Prozent. Ob er auf Dauer unter dieser magischen Grenze gehalten werden kann, muss bezweifelt werden, weil in den letzten Jahren bereits an anderen Schrauben gedreht worden ist. Die Altersgrenze ist in Etappen auf 67 Jahre heraufgesetzt worden. Wer früher in Rente geht, muss Abschläge in Kauf nehmen. Studienzeiten werden nur noch begrenzt anerkannt. Die Anpassung der jährlichen Rentenerhöhungen an die Nettolöhne zeigt, dass das Sicherste an der gesetzlichen Rente die Versorgungslücke ist, und dieses Problem wird auch mit Hilfe weiterer Rentenreform nicht gelöst werden.

          Die staatliche Förderung einzelner Geldanlagen mag ein Ansatz sein, doch der Glaube der Bürger, dank großzügiger Subventionen im Alter genug zum Leben zu haben, ist in vielerlei Hinsicht trügerisch. Der Kampf um die staatlichen Milliarden, die in Zukunft den Sparwillen der Menschen beflügeln sollen, wird die Taschen einzelner Unternehmen füllen, doch das Versprechen, dass die Renten auf diese Weise sicherer als bisher sein werden, ist in dieser Form nicht haltbar. Die Menschen müssen sich damit abfinden, dass sie ihre Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen müssen.

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