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Die Vermögensfrage : Bildung ist die Geldanlage mit den höchsten Renditen

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Jeder Handwerker investiert zunächst Arbeit und Zeit in die Lehre. Nach der Meisterprüfung muss er in vielen Fällen zusätzlich Geld aufnehmen, um einen Betrieb aufbauen zu können. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum Akademiker für ihre Bildung kein Geld aufwenden sollen. Natürlich ist es kein Honigschlecken, am Anfang des Studiums einen Kredit aufzunehmen und die Schulden nach dem Examen zurückzuzahlen, doch die Anlage in Bildung hat auf Dauer nur Vorteile.

Wer für Bildung bezahlen muss, stellt zu Recht auch Ansprüche. Dadurch kann die Qualität der Ausbildung steigen. Genauso besteht die Aussicht, auf Dauer höhere Einkommen zu erzielen. Darüber machen sich die meisten Menschen kaum Gedanken. Wer zum Beispiel in der Jugend einmalig 100.000 Euro in die eigene Bildung investiert und in den folgenden 30 Jahren jeweils 10.000 Euro mehr als die Menschen verdient, die nicht studiert haben, erzielt eine Verzinsung von knapp 10 Prozent. Wo gibt es auf Dauer vergleichbare Renditen?

Wenn die Einkünfte auf Dauer um 15.000 Euro höher sind als bei Menschen, die auf entsprechende Bildung verzichtet haben, steigt die Rendite sogar auf 15 Prozent, so dass deutlich wird, dass Bildung in höchstem Maße rentabel sein kann. Die Aussage gilt nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für die Fortbildung. Es gibt viele Leute, die sich im Alter von 40 oder 45 Jahren den Kopf darüber zerbrechen, wie sie 50.000 Euro anlegen sollen. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute nahe liegt? Wenn die 50.000 Euro innerhalb von zehn Jahren eine Rendite von 15 Prozent abwerfen sollen, müssen in dieser Zeit jährlich 10.000 Euro zurückfließen.

Sobald die Anlage nicht Aktie, sondern Bildung heißt, bedeutet das im Umkehrschluss, dass das jährliche Nettoeinkommen in dieser Zeit um 10.000 Euro ansteigen muss. Das mag auf den ersten Blick verwegen klingen, doch wenn das Geld so geschickt angelegt wird, dass der Wert der Arbeitskraft steigt, muss es nicht von vorne herein ausgeschlossen sein, dass der Arbeitgeber die neuen Fähigkeiten durch höhere Gehälter honorieren wird.

Ein einfaches Rezept

Wer diese Aussichten in Zweifel zieht, sollte sich bei nächster Gelegenheit den aktuellen Gehaltsreport des Manager-Magazins zu Gemüte führen. Dort werden auf der Grundlage einer Stichprobe von 107.000 Teilnehmern, die älter als 25 Jahre und in vollem Umfang berufstätig sind, die finanziellen Auswirkungen verschiedener Bildungsabschlüsse dargestellt. Die Unterschiede zwischen Angestellten, die älter als 40 Jahre alt sind, und eine Lehre, ein Studium oder eine Promotion in der Tasche haben, liegt bei jeweils 25.000 Euro. Genauso eklatant ist die Differenz zwischen den Gehältern von Männern und Frauen über alle Altersgruppen und Bildungsabschlüsse hinweg: Er beträgt rund 20.000 Euro.

Die wenigen Zahlen zeigen in aller Deutlichkeit, worauf es bei Vorsorge in besonderem Maße ankommt. Es geht nicht um heiße Börsentipps, sondern um Bildung und die Bereitschaft, von jedem Euro, der mit diesem Wissen verdient worden ist, einen kleinen Teil zur Seite zu legen. Der Aufruf zum Sparen löst allerdings bei vielen Leuten, sowohl bei Junioren als auch bei Senioren, großes Kopfschütteln aus, und die Liste der Ausflüchte, warum es gerade im Augenblick unmöglich ist, mit dem Sparen anzufangen, scheint endlos zu sein.

Trotzdem gab es zu allen Zeiten aber Menschen, die es irgendwie doch geschafft haben, einen Teil ihres Einkommens auf die hohe Kante zu legen. Bei genauer Analyse zeigt sich, dass diese Anleger ein einfaches Rezept haben. Sie zweigen 10 Prozent ihrer Einkünfte ab, wobei es keine Rolle spielt, wie hoch die Einnahmen sind. 10 Prozent sind 10 Prozent. Die Beträge werden, sobald sie auf dem Girokonto eingegangen sind, umgehend auf ein Sparkonto gebucht. Das tut vielleicht am Anfang weh, doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er gewöhnt sich an Gehaltskürzungen von 10 Prozent. Genauso sind Gehaltserhöhungen nach einigen Monaten nichts Besonderes mehr. Warum sollte es also nicht möglich sein, regelmäßig 10 Prozent des Nettogehalts auf die Seite zu legen?

Der Autor ist Finanzanalytiker in Bremen.

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