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Die Vermögensfrage : Bildung ist die Geldanlage mit den höchsten Renditen

  • -Aktualisiert am

Der Traum vom Wohlstand durch Zinsen und Zinseszinsen ist eine Schnapsidee

Bei der Überlegung, wie das optimale Sparprogramm fürs Alter aussieht, denken die meisten Anleger in erster Linie an die Rendite der Sparverträge. Je höher die Verzinsung ist, so lautet die generelle Meinung, desto geringer sei der Aufwand. Die Meinung ist und bleibt vom Grundsatz her richtig. Wo aber Chancen winken, lauern auch Gefahren, und das ist den meisten Privatleuten in der Regel nicht zu vermitteln. Erstens sind die Zinsen im Augenblick im Keller, und zweitens geht ein Viertel der Erträge in Form der Abgeltungsteuer an den Staat ab, und drei Viertel werden von der Inflation aufgefressen, so dass die Sache zur Zeit ein Nullsummenspiel ist. Der Traum vom Wohlstand durch Zinsen und Zinseszinsen ist eine Schnapsidee.

Der naheliegende Umkehrschluss, heute zu leben und sich über die Altersversorgung keinen Kopf zu machen, ist durchaus verständlich. Es ist nur dumm, dass man im Alter von 40 und 50 Jahren die Zeit nicht zurückdrehen kann. Wer erst in diesem Lebensabschnitt einsieht, dass mit dieser Haltung kein Blumentopf zu gewinnen ist, hat schlechte Karten in der Hand. Daher ist es zweckmäßig, vom ersten Einkommen einen festen Betrag auf die Seite zu legen. Es kann Wunder wirken, denn Wohlstand im Alter besteht, um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, aus Konsumverzicht und der schlichten Erkenntnis, dass es bei der Geldanlage zuerst auf das Kapital, dann auf das Risiko und erst am Ende auf den Zinssatz ankommt.

Natürlich kann der Spieß auch umgedreht werden, doch wer nichts auf die Seite legt, kann rechnen, solange er will. Das Ergebnis wird immer eine Null sein. Noch wichtiger dürfte freilich die Erkenntnis sein, dass die Menschen auf den Ausgang von Geldanlagen keinen Einfluss haben. Allen Unkenrufen zum Trotz weiß kein Mensch, wohin die Reise des Geldes gehen wird, und mit dieser Ungewissheit werden die Anleger auch in Zukunft leben müssen. Niemand kennt die Zukunft des Euro. Keiner kennt das Ende der Staatskrisen. Unbekannt sind die künftigen Preise für Aktien, Immobilien und Gold. Kurzum: Sicher ist nur die Unsicherheit. Das ist keine schöne Verheißung, aber bittere Wahrheit.

Bildung und Fleiß sind auf Dauer die besten Geldanlagen

Wer freilich dem Leben vertraut, wird sich über die Zukunft - auch über das Geld - weniger Sorgen machen, weil Vermögen das Ergebnis von Arbeit und Sparsamkeit ist. Vor diesem Hintergrund sollten junge Anleger einsehen, dass Bildung und Fleiß auf Dauer die besten Geldanlagen sind. Die Arbeitskraft ist für die meisten Menschen das mit Abstand größte Kapital. Leider wird dieser Schatz viel zu wenig gepflegt. Die Grundlage ertragreicher Arbeit ist aber nicht irgendein „toller Job“, wie viele Menschen meinen, sondern die Begeisterung für bestimmte Dinge und die Ausdauer, die Arbeit auch in schwierigen Zeiten ohne Murren zu erledigen.

Aus diesem Grund kommt es schon bei der Wahl des Berufes darauf an, nicht Dinge zu tun, die eine Mode sind, sondern Sachen anzupacken, für die Begeisterung vorhanden ist. Es ist wichtig, individuelle Neigungen zu erkennen, sich auf diese Fähigkeiten zu konzentrieren und zu versuchen, die Stärken zum Nutzen anderer Leute einzusetzen. Heikel wird die Geschichte, sobald Bildung aber Geld kostet. Wenn einzelne Politiker laut darüber nachdenken, an den Hochschulen moderate Studiengebühren einzuführen, gehen die Wogen hoch, weil Bildung zu einem Artikel verkommen ist, der nichts kosten darf. Warum eigentlich nicht?

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