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Die Vermögensfrage : Beteiligungen auf Pump sind gefährlich

  • -Aktualisiert am

Gefährliche Arbeit: Inspektion einer Windkraftanlage in Bremerhaven Bild: ddp images/dapd

Die Aussicht auf hohe Zinsdifferenzen zwischen billigen Krediten und teuren Geldanlagen verstellt in vielen Fällen den Blick auf die Risiken. Sie gleichen in der Regel einem Ritt auf der Rasierklinge.

          Die niedrigen Zinsen lösen unterschiedlichste Reaktionen aus. Die einen Anleger schimpfen über die mageren Erträge. Letztlich geben sie sich aber mit Sparbüchern, Tagesgeld und Wertpapieren zufrieden. Die anderen freuen sich über die niedrigen Sollzinsen und träumen von Zinsdifferenzen: Geld billig aufnehmen und zu hohen Renditen anlegen. Das geht mit Aktien auf Kredit oder mit Windkraftwerken auf Pump. Doch die beiden „Vorschläge“ sind aber nicht nur mit Chancen, sondern auch mit Risiken verbunden. Heikel wird es, wenn die Jagd nach hohen Erträgen und der Drang nach Rettung der Welt aufeinanderprallen.

          Ein vitaler Mann ist 65 Jahre alt. Der überzeugte Alt-68er hat im Laufe der letzten Jahre die Gesinnung gewechselt. Das rote Herz ist grün geworden, und der Wechsel kommt auch bei der Geldanlage zum Ausdruck. Der Mann hat vor Jahren ordentlich geerbt, und das Geld ist zum großen Teil in grüne Anlagen geflossen. Er hat ein altes Bauernhaus auf Vordermann gebracht, so dass das Anwesen heute 500000 bis 600000 Euro wert ist. Außerdem stecken im Depot einer roten Bank rund 700000 Euro in grünen Anleihen und Aktien. Die Papiere haben sich aber – Umwelt hin, Umwelt her – in jüngster Zeit nicht so entwickelt, wie sich der Mann das vorgestellt hat. Das wurmt ihn, und weil die Rente des Aktivisten bescheiden sein wird, ist dem Mann wie in alten Zeiten „spontan“ die Idee gekommen, mal eben schnell, wie der Bremer sagt, eine Windkraftanlage auf Pump zu kaufen.

          Windkraftwerk, Tilgungsdarlehen, Aktien-Index-Fonds

          Die Zahlen des Vorhabens stehen in den Tabellen 1 (Windkraftwerk) und 2 (Tilgungsdarlehen). Die Anlage kostet 1500000 Euro. Das ist kein Druckfehler, auch kein Maibock, sondern der feste Wille des Anlegers, frei nach dem alten Sponti-Spruch: Nicht kleckern, sondern klotzen, auf Dauer hilft nur Power! Das geht ordentlich ins Geld, und wenn die Nebenkosten berücksichtigt werden, müssen für das Vorhaben insgesamt 1575000 Euro auf den Tisch geblättert werden. Der mit Abstand wichtigste Punkt ist das gute Gefühl. Der Mann wird grüner Unternehmer. Die Anlage wirft nach dem Gesetz über die erneuerbaren Energien insgesamt 20 Jahre feste Erträge ab. Sie liegen bei 150000 Euro pro Jahr. Das sind nach landläufiger Rechnung jährlich 10 Prozent. Die überschlägige Kalkulation ist richtig, solange aus dem Ergebnis nicht der Schluss gezogen wird, auch die Rendite betrage 10 Prozent. Sie ist niedriger, weil jährliche Kosten von 15000 Euro anfallen und die Anlage in 20 Jahren wahrscheinlich deutlich weniger wert sein wird.

          Der Zahlungsplan der Investition ist ein „lupenreiner“ Entnahmeplan. Der Anleger steckt vorne 1575000 hinein, und hinten kommen 20 jährliche Raten von jeweils 135000 Euro heraus. Das führt zu einer Verzinsung von 5,8 Prozent pro Jahr. Wer der Zahl nicht traut, sollte die Probe aufs Exempel machen, zu Papier, Bleistift und Taschenrechner greifen und eine Zinsstaffel aufstellen. Der Anlagebetrag von 1575000 Euro wird nach einem Jahr zuerst um die Zinsen von 5,8 Prozent (91350 Euro) erhöht und anschließend um die Entnahme von 135000 Euro verringert. Das führt zu Beginn des zweiten Jahres zu einem Kapital von 1531350 Euro. Der Betrag wird am Ende des zweiten Jahres um 5,8 Prozent erhöht und um 135000 Euro erniedrigt. Das einfache Strickmuster wird 20 Jahre lang angewendet, und am Ende der Kolonne wird das Konto mit null Euro enden.

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