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Die Vermögensfrage : Scheidung im Alter birgt Angst und Freiheit

  • -Aktualisiert am

Sie gehen bald getrennte Wege Bild: plainpicture/Frauke Schumann

Bei Scheidungen im vorgerückten Alter sorgt in der Regel die gerechte Aufteilung des Kapitals und der Renten für Konflikte.

          6 Min.

          Auf die Frage, wie der Mensch zu einem kleinen Vermögen kommt, gibt es drei Antworten. Der erste Anleger arbeitet und spart, der zweite Investor erbt und bewahrt, und der dritte Anleger verwaltet ein großes Vermögen derart, dass am Ende ein kleiner Betrag übrig bleibt. In die letzte Kategorie gehören freilich nicht nur Spekulanten, die ihr Geld an der Börse verspielt oder in Schiffen versenkt haben, sondern auch Ehepaare, die im vorgerückten Lebensalter merken, dass sie sich nichts mehr zu sagen haben und über Scheidung nachdenken.

          Trennungen im Alter sind keine Erfindung der Neuzeit. In alten Zeiten nahm sich der Mann eine Geliebte, und die Frau gönnte sich einen Liebhaber, und die schwierigen Verhältnisse wurden – vor allem in besseren Kreisen – einfach totgeschwiegen. Heute geht es in vielen Haushalten, in denen die Liebe abgekühlt ist, hitzig zur Sache, weil Scheidungen kein Tabu mehr sind. Das kostet in vielen Fällen ein Vermögen. Geld ist und bleibt ein Tabu, und wenn es um Erbschaften oder Trennungen geht, offenbart sich die Tiefe menschlicher Abgründe, wie zum Beispiel in folgendem Fall.

          Ein älteres Ehepaar bringt es auf 130 Jahre, er ist 64 und seine Frau 66 Jahre alt. Das Paar ist seit 35 Jahren verheiratet, und das letzte Drittel dieses Marathons hat, so traurig der Befund ist, beide Parteien nach Strich und Faden ausgelaugt. Frau und Mann haben sich nichts mehr zu sagen. Die Kinder sind aus dem Haus, die körperliche Anziehungskraft ist dahin, und im Alltag gehen die Ehepartner getrennte Wege. Folglich ist es kein Wunder, dass die Frage auftaucht, was die beiden Menschen außer der Adresse noch verbindet. Die Antwort ist ganz einfach: Es ist die Angst, von der Umwelt als Versager abgestempelt zu werden und bei der Trennung finanziell über die Klinge zu springen.

          Das Ehepaar hat sich durch Fleiß und Verzicht ein stattliches Vermögen aufgebaut. In der Kasse liegen 200.000 Euro. Die betrieblichen und gesetzlichen Renten betragen nach Abzug der Steuern und Versicherungen rund 3000 Euro pro Monat. Das stellt ein Vermögen von 544.000 Euro dar. Die Anleihen sind 300.000 Euro wert. Das schuldenfreie Eigenheim könnte für 500.000 Euro ver-kauft werden. Das Aktiendepot hat einen Wert von 600.000 Euro. So kommen unter dem Strich ungefähr 2144000 Euro zusammen.

          Renten von 3000 Euro

          Das Ehepaar hat vor 35 Jahren ohne Vermögen angefangen, so dass jeder Partner heute Millionär ist. Die Schilderung der Umstände und Zahlen mag bei vielen Betrachtern ungläubiges Staunen auslösen. Wer in solchen Verhältnissen steckt, empfindet die Lage freilich alles andere als lustig. Menschen sind auf die Wahrung ihres Besitzes erpicht, wie Psychologen zu berichten wissen. Änderungen sind in der Regel unerwünscht, und Teilungen werden wie Verluste empfunden. Im vorliegenden Fall gehören jedem Partner „lediglich“ 1.072.000 Euro, doch das Paar lebt in dem Glauben, den doppelten Betrag zu besitzen, so dass die gewünschte Trennung in finanzieller Hinsicht wie der Untergang der Welt empfunden wird.

          Momentan hat das Paar noch ein gemeinsames Dach über dem Kopf. Es bezieht Renten von 3000 Euro. Auf der hohen Kante liegen 200.000 Euro. Und in den Depots stecken 900.000 Euro. Das löst gewisse Behaglichkeit aus, auf die beide Partner nicht verzichten wollen. Doch die menschliche Kühle sorgt für solchen Frost und Frust, dass es zweckmäßig ist, sich nüchtern Gedanken darüber zu machen, wie sich die Trennung in Euro und Cent auswirkt. Die einfachste Lösung ist die rechnerische Halbierung des Vermögens.

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