https://www.faz.net/-hbv-169kj

Die Vermögensfrage : Bei der Geldanlage in vermieteten Immobilien gibt es keinen Königsweg

  • -Aktualisiert am

Wer seine Versorgung im Alter nicht gänzlich in die Hände von Fortuna legen will, berücksichtig die Risikostreuung Bild: AP

Wer seine Versorgung im Alter nicht ganz dem Zufall überlassen will, muss sein Geld auch noch in der Rente strategisch anlegen. Gerade bei der Investition in vermietete Immobilien missachten aber viele Anleger die Gesetze der Risikostreuung.

          Die Ratlosigkeit älterer Anleger, was sie mit ihrem Geld machen sollen, hat viele Facetten. Sie beginnt bei Senioren, die das Problem mit kühlem Kopf lösen wollen, bei der Strukturierung des Gesamtvermögens: Wie viel Geld soll in der Kasse bleiben, wie viel Kapital soll in die klassischen Anlageformen wie Anleihen, Immobilien und Aktien fließen? Wenn das Problem der Klassen gelöst worden ist, stellt sich die Frage, in welche Gruppen das Vermögen investiert werden soll.

          Das können bei Anleihen beispielsweise Staatspapiere oder Unternehmensanleihen sein. Bei den Immobilien gibt es Einzelanlagen oder Beteiligungen. Und bei den Aktien bieten sich Branchen oder Märkte an. Schließlich geht es um konkrete Angebote, und da wird es für viele Menschen heikel. Wo gibt es solide Produkte, wie hoch sind die Kosten, wie sieht die Verfügbarkeit aus, wie hoch ist die Sicherheit? Diese Überlegungen werden in folgendem Beispiel deutlich.

          So viele Möglichkeiten

          Ein geschiedener Anleger ist 65 Jahre alt und besitzt ein Vermögen von 1,5 Millionen Euro. Das mag manchen Menschen hoch erscheinen, doch es zeigt sich, dass ältere Menschen oft auf hohem Niveau jammern. Wer aber Renten von 3.000 Euro pro Monat bezieht, verfügt über ein Vermögen von rund 500.000 Euro, wenn die Renten abgezinst werden.

          Dann kommt ein Eigenheim im Wert von 400.000 Euro. Folglich klettert das Vermögen auf 900.000 Euro. Abgerundet wird das Vermögen durch andere Mittel: Bargeld von 250.000 Euro, Anleihen von 100.000 Euro und Aktien von 250.000 Euro. Momentan bedrückt den Mann die Frage, was mit den Policen passieren soll, die fällig geworden sind und auf einem Festgeldkonto geparkt sind.

          Der Vertreter der Versicherung ruft den Anleger an, weil er ihm eine Rentenversicherung verkaufen will. Die Hausbank bietet einen Immobilienfonds an. Und ein Vermögensverwalter versucht sein Glück mit dem Angebot individueller Betreuung, hinter der sich die Mischung aus Anleihen und Aktien verbirgt. Was kommt für den Anleger in dieser Situation in Frage?

          Den Lebensabend nicht versauern

          Die Frage ist in dieser Form nur schwer zu beantworten. Der Anleger sieht nur das Geld, das die Versicherung überwiesen hat, und will wissen, was damit passieren soll. Sinnvoll wäre es, über andere Dinge nachzudenken: Erstens gibt es keine Sicherheit, zweitens sind Prognosen über Geldanlagen fragwürdig, drittens kann das Vermögen nur breit gestreut werden, und viertens sollten die Kosten im Auge behalten werden.

          Genauso sollte sich der Anleger bewusst machen, dass er 65 Jahre alt ist und das Leben auch bald zu Ende sein könnte. Folglich sollte er die Tage genießen und sich nicht über Banken, Staat und Versicherungen ärgern. Es wird ohnehin anders kommen als geplant.

          Nicht überhastet anlegen

          Wenn das Vermögen zu 10 Prozent in Bargeld, 40 Prozent in Anleihen, 40 Prozent in Immobilien und 10 Prozent in Aktien angelegt werden soll, hat der Anleger mehr zu tun, als nur das Geld der Versicherung anzulegen. Er muss Bargeld als auch die Aktien um jeweils 100.000 Euro abschmelzen und in Immobilien stecken.

          Das wird die Bank erfreuen, weil ihre Chancen auf den Verkauf des geschlossenen Immobilienfonds und die Provision von 10 Prozent steigen. Daher sollte sich der Anleger den Vorschlag in Ruhe betrachten und nicht überhastet den Vertrag abschließen.

          Bei der Anlage von Geld in Immobilien - im Fall geht es um 200.000 Euro - haben Privatleute in der Regel drei Möglichkeiten: Sie können eine Wohnung kaufen, sie können in geschlossene Immobilienfonds einsteigen, und sie können Anteile an offenen Immobilienfonds erwerben.

          Bei Vermögensplänen nicht abschrecken lassen

          Die Bewertung der einzelnen Möglichkeiten wird in vielen Fällen emotional geführt. Wohnungen gelten als fragwürdig, Beteiligungen als teuer und Fonds als heikel. Die negativen Aussagen bringen manche Anleger so in Verlegenheit, dass sie ihren Vermögensplan über den Haufen werfen.

          Wenn 40 Prozent des Vermögens in Immobilien angelegt werden sollen, sind 600.000 Euro fällig, und wenn das Eigenheim mit 400.000 Euro angesetzt wird, sind noch 200.000 Euro in vermietete Immobilien zu stecken. Da ist jede Diskussion über Alternativen überflüssig.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Istanbul nach den Wahlen : Erdogans Propaganda hat nicht geholfen

          Die Niederlage bei der Wahl in Istanbul ist nicht nur für den Präsidenten ein Schlag, sondern auch für die ihm ergebene Presse. Rund um die Uhr sorgte sie für Aufruhr, jetzt fürchtet sie um ihre Pfründe.
          Sommer am Wannsee in Berlin

          Liveblog : Knackt Deutschland heute den Hitzerekord?

          40-Grad-Marke könnte heute fallen +++ Wie kann ich mich vor der Hitze schützen? +++ Tiere in hessischen Zoos lässt die Wärme bislang kalt +++ Verfolgen Sie alle Hitze-News im F.A.Z.-Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.