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Die Vermögensfrage : Bausparen bleibt trotz Minizinsen eine interessante Geldanlage

  • -Aktualisiert am

Gewusst wie bei Bauprojekten: Architekten beim Studium eines Bauplans Bild: Rüchel, Dieter

Die Vorteile der Verträge hängen in erster Linie von den Sollzinsen zum Zeitpunkt der Geldaufnahme ab.

          8 Min.

          Bausparverträge sind Finanzprodukte, die Privatleute seit Jahrzehnten in zwei Lager spalten. Da gibt es auf der einen Seite die Anhänger, die Bausparverträge über den grünen Klee loben. Und dann gibt es auf der anderen Seite die Gegner, die Bausparverträge mit deftigen Worten zum Teufel wünschen. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Betonköpfe beider Fraktionen große Probleme mit sachlichen Argumenten haben, doch wer sich ohne Vorurteil für die Antwort interessiert, wie interessant Bausparverträge in Zeiten geringer Zinsen sind, wird an drei Dingen nicht vorbeikommen: denken, rechnen und vergleichen. Wie das beim Bausparen funktioniert, wird in zwei Beispielen deutlich.

          Bausparverträge sind wie alle Geldanlagen keine sinnlosen Spaßverträge, sondern sinnvolle Werkzeuge zur Erfüllung individueller Wünsche. Hier geht es in 95 Prozent aller Fälle um ein Haus oder eine Wohnung, und dafür ist Geld nötig. Entscheidend ist die Frage, wann das gebraucht wird: jetzt sofort, in einigen Jahren oder in ferner Zukunft? Das mag sich banal anhören. Doch dieser Zeitpunkt ist der wichtigste Faktor, der für die Vorteilhaftigkeit von Bausparverträgen maßgebend ist, und das ist vielen Menschen nur schwer zu vermitteln. Folglich ist es kein Wunder, dass die meisten Privatleute vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen und Entscheidungen treffen, die nur selten zu den tatsächlichen Zielen passen.

          Wer zum Beispiel sofort Geld braucht, weil der Bagger vor der Tür steht oder im Internet die Traumwohnung angeboten wird, kann mit der Aufnahme des Darlehens – besser gesagt, der Kredite – nicht mehr lange warten. Der Plural ist von Bedeutung, weil die Finanzierung selbstgenutzter Immobilien in acht von zehn Fällen aus zwei Teilen besteht. Da ist auf der einen Seite ein Annuitätendarlehen, das an die Bank zurückgezahlt wird, und dann ist da auf der anderen Seite ein Festdarlehen, das mit Hilfe eines Bausparvertrages getilgt wird.

          Fremdkapital wird aufgeteilt

          Oft wird das Fremdkapital im Verhältnis von zwei Dritteln zu einem Drittel aufgeteilt. Wenn beispielsweise 300.000 Euro benötigt werden, ist es an der Tagesordnung, 200.000 Euro in Form eines Annuitätendarlehens und 100.000 Euro in Gestalt eines Festdarlehens aufzunehmen und einen Bausparvertrag über 100.000 Euro abzuschließen. Der dritte Vertrag beginnt mit der Abschlussgebühr von 1000 Euro. Sie wird nur in Ausnahmefällen in Scheinen bezahlt. Stattdessen werden die Kosten in aller Regel mit den ersten Sparraten verrechnet.

          Die Einzahlungen betragen 600 Euro pro Monat. Folglich versickern die erste Rate und Teile der zweiten Überweisung in den Taschen der Bausparkasse, die mit dem Geld ihre Vertreter bezahlt. Danach fließen die Raten auf das Sparkonto des Kunden. Dort werden sie zurzeit mit 0,25 Prozent pro Jahr verzinst. Nach sieben Jahren stehen, wenn alles nach Plan läuft, knapp 50.000 Euro auf dem Konto. Die Summe sieht auf den ersten Blick unverdächtig aus. Wer sich aber einen Taschenrechner schnappt und die Raten addiert, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Augen verdrehen. An die Bausparkasse wurden 84 Raten à 600 Euro überwiesen, in der Summe also 50.400 Euro. Dafür stehen lediglich 49.830 Euro auf dem Konto. Das ist ein Minus von 570 Euro.

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