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Die Vermögensfrage : Baukredite stehen oft auf wackeligen Fundamenten

  • -Aktualisiert am

„Soll ich ihm jetzt die 300 Jahre Laufzeit eintragen oder nicht?“ Bild: Kai

Niedrige Zinsen und geringe Monatsraten sorgen für lange Kreditlaufzeiten. Die Gefahr von höheren Belastungen in der Zukunft steigt.

          6 Min.

          Spanien ist zur Zeit in mehrfacher Hinsicht ein heißes Pflaster. Die Sonne sorgt für hohe Temperaturen, die Banken stehen mit dem Rücken zur Wand, und die Privatleute bangen um ihre Häuser. Die Ursache der wirtschaftlichen Misere ist einfach. In den letzten Jahren haben Millionen von Iberern billige Kredite aufgenommen, um sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Die Menschen glaubten wie in Amerika an steigende Immobilienpreise, und die Kredite waren mit variablen Zinsen ausgestattet, die beim Abschluss niedrig waren. Nun hat sich der Wind gedreht. Die spanische Wirtschaft hinkt, die Arbeitslosenquote ist auf über 20 Prozent geklettert, die Immobilienpreise sind gesunken, und die Kreditzinsen sind gestiegen, so dass die Schieflage kein Wunder ist. In Deutschland ist die Situation längst nicht so dramatisch. Trotzdem ist die Finanzierung des Eigenheims auch in diesem Land kein Zuckerschlecken, und die Gefahren werden in folgendem Beispiel deutlich.

          Ein junges Ehepaar, beide Partner sind jeweils Mitte 30, hat zwei Kinder und 50000 Euro auf dem Konto. Das Kapital soll der Grundstock für den Kauf eines alten Hauses sein, das 250000 Euro kosten soll. Folglich ist ein Kredit von 200000 Euro notwendig. Die beiden Angestellten haben mehrere Offerten auf dem Tisch. Das erste Angebot kommt von der Hausbank. Es besteht aus zwei Krediten. In der Hypothek sind 150000 Euro enthalten. Der Zins beträgt 3 Prozent pro Jahr und gilt 15 Jahre. Getilgt werden soll die Schuld mit jährlich 1 Prozent. Die Sparkasse beziffert den Effektivzins mit 2,85 Prozent pro Jahr. Der Kredit lautet über 50000 Euro. Hier wird ein Nominalzins von 2,5 Prozent pro Jahr angeboten. Er soll zehn Jahre gelten, und die Tilgung wird auf 2 Prozent eingestellt. Die effektiven Kosten sollen 2,52 Prozent betragen.

          Keine Orientierung, fragwürdige Gestaltung

          Die Offerte der Konkurrenz, einer Volksbank, besteht aus zwei Darlehen und einem Bausparvertrag. Die Hypothek beträgt 100000 Euro. Der Nominalzins liegt bei 3,25 Prozent pro Jahr und gilt ebenfalls 15 Jahre. Die Tilgung beträgt 1 Prozent pro Jahr. Effektiv soll die Geschichte jährlich 3,3 Prozent kosten. Der Kredit von 100000 Euro wird für 2,25 Prozent pro Jahr angeboten. Der Zinssatz gilt zehn Jahre, und in dieser Zeit sollen nur Zinsen bezahlt werden. Folglich wird ein Effektivzins von 2,28 genannt. Der Kredit soll mit Hilfe eines Bausparvertrages getilgt werden. Die Bausparsumme beträgt 100000 Euro. In den Spartopf der Bausparkasse sollen zehn Jahre monatlich 400 Euro fließen. Nach der Zuteilung des Vertrages soll die Schuld jeden Monat mit 500 Euro getilgt werden. Der effektive Jahreszins beträgt nach Angaben der Bausparkasse jährlich 3,55 Prozent.

          Die beiden Angebote sind der aktuelle Spiegel der deutschen Eigenheimfinanzierung. Sie sind im Gegensatz zur spanischen Lotterie deutlich stabiler, weil auf variable Zinsen verzichtet wird. Trotzdem sind beide Angebote in mehrfacher Hinsicht mit größter Vorsicht zu genießen. Die diversen Effektivzinsen bieten keine Orientierung, und die Gestaltung der Finanzierung ist in höchstem Maße fragwürdig. Die einzelnen Klippen müssen die Privatleute freilich selbst erkennen. Hier bietet der Staat keine Hilfe, hier steht kein Kreditgeber zur Seite, hier hilft nur der gesunde Menschenverstand.

          Die Probleme beginnen bei der Analyse der Angebote. Es liegt auf der Hand, die Pakete mit Hilfe der monatlichen Belastung zu vergleichen. Beim ersten Angebot sind für die Hypothek genau 500 Euro und für den Kredit genau 188 Euro zu bezahlen. Das sind pro Monat insgesamt 688 Euro. Bei der Konkurrenz sind 942 Euro zu entrichten: 354 Euro für die Hypothek, 188 Euro für den Kredit und 400 Euro für den Bausparvertrag. Die erste Summe ist zwar niedriger als die zweite Summe. Trotzdem führt der Vergleich der monatlichen Belastung auf Abwege, weil die Angebote mit Hilfe dieser Kennzahl nicht vergleichbar sind.

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