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Die Vermögensfrage : Barwerte verfolgen Privatleute ein Leben lang

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Bild: F.A.Z.-Kai

Die Kapitalisierung von Einnahmen und Ausgaben gehört bei Finanzgeschäften zum kleinen Einmaleins. Das schärft den Blick für den Wert des Geldes.

          Wenn es um die Bewertung von Geldgeschäften geht, greifen die meisten Privatleute am liebsten zum Taschenrechner und zählen die Einnahmen und Ausgaben zusammen. Das scheint einfach zu sein. Doch die Addition von Zahlen ist bei Geldgeschäften die größte Sünde, weil die Zeit nicht berücksichtigt wird. Die Addierer geraten mit ihren Summen schnell auf Abwege.

          Was zählt, sind die Barwerte: Hier werden die künftigen Zahlungen auf die Gegenwart abgezinst, so dass korrekte Vergleiche möglich sind. Die Berechnung der Barwerte ist für viele Privatleute aber ein Buch mit sieben Siegeln. Das wird an sechs Beispielen deutlich.

          - Risikovorsorge

          Lebensversicherungen lösen bei jungen Familien zwiespältige Gefühle aus. Was machen junge Mütter mit Kleinkindern, wenn der Ernährer der Familie ums Leben kommt? Umgekehrt stellt sich dieselbe Frage. Was machen junge Väter mit Kleinkindern, wenn die Mutter stirbt? Die beste Lösung ist der Abschluss von Risikolebensversicherungen. Damit haben viele Menschen freilich Probleme, weil das Geld verloren zu sein scheint. Das ist aber nicht richtig.

          Wer nüchtern an die Sache herangeht, wird einen Blick ins Haushaltsbuch werden. Wie viel Geld wird jeden Monat benötigt? Dann ist die Frage zu beantworten, wie lange dieser Betrag bezahlt werden soll. Außerdem sind Prognosen über die Höhe der Geldentwertung und den Zinssatz für die Anlage der Versicherungssumme zu treffen. Wenn die Hinterbliebenen zum Beispiel monatlich 2000 Euro brauchen, die 20 Jahre fließen und jedes Jahr um 4 Prozent steigen sollen, gilt bei einem Anlagezins von 3 Prozent ein Vervielfältiger von 260.

          Der Vervielfältiger ist der Wert, mit dem die gewünschte Monatsrente multipliziert werden muss (siehe Tabelle unten). Folglich benötigt die Familie eine Risikolebensversicherung mit einer Todesfallsumme von 520 000 Euro. Den Rest erledigt das Internet. Die elektronische Anfrage bei den bekannten Direktversicherern, Asstel, Cosmos und der Hannoverschen, zeigt einem 30 Jahre alten Familienvater, dass die Absicherung der Familie zwischen 25 und 32 Euro pro Monat kostet. 240 Prämien je 25 Euro ergeben in der Summe 6000 Euro, und die Vorstellung, für Frau und Kinder so viel Geld auszugeben, sorgt bei dem einen oder anderen Mann für Unmut.

          Auch hier kann der Barwert gewisse Erleichterung verschaffen. Wer die Prämien mit jeweils 3 Prozent abzinst, kommt laut Tabelle auf einen Barwert von 4525 Euro. Das sieht etwas freundlicher aus. Nur muss dieser Betrag auf einen Schlag in ein Depot fließen, weil Risikolebensversicherungen gegen Einmalbeitrag nicht üblich und in vielen Fällen auch nicht vorteilhaft sind.

          - Eigenheim

          Die deutschen Sparkassen sind, wenn es ums Geld geht, galante Verführer. Auf ihrer Internetseite provozieren sie Mieter mit der Frage, warum die Leute in fremde Taschen wirtschaften. Sie bieten einen Rechner an und fordern die Menschen auf, bei Gelegenheit einmal nachzurechnen, wie viel Geld durch die Miete ohne bleibenden Gegenwert verloren gehe. Beispiel: Wer 30 Jahre monatlich 1000 Miete zahlt, muss bei einem Anstieg von 2 Prozent pro Jahr insgesamt 486 817 Euro auf den Tisch blättern. Die Zahl ist korrekt, weil die Raten richtig addiert worden sind. Trotzdem ist die Rechnerei grobes Foulspiel. Erstens bekommt der Mieter für diesen Betrag sehr wohl einen Gegenwert, und es stellt sich die Frage, wie viel Kredit mit 360 Raten je 1000 Euro getilgt werden könnte. Die Antwort liefert der Barwert, und das Ergebnis ist in der Tabelle zu finden.

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