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Die Vermögensfrage : Altersvorsorge zwischen Traum und Wirklichkeit

  • -Aktualisiert am

Bild: Kai

Für den eigenen Lebensabend vorzusorgen, ist eine echte Herausforderung. Manche Modelle verlangen nach Mut und Zuversicht.

          6 Min.

          Geld im Alter ist zuweilen mehr Last als Lust. Wenn auf den Konten hohe Guthaben liegen, die zur Finanzierung des Ruhestandes nötig sind, haben zahlreiche Menschen mit der einfachen Gestaltung ihres Vermögens gewaltige Probleme. Das beginnt bei dem Druck, das Geld "ordentlich" anzulegen und hört bei der Frage auf, in welche Produkte es gesteckt werden soll. Hier stehen Frauen und Männer im Grunde vor denselben Schwierigkeiten, doch ihr Verhalten unterscheidet sich voneinander.

          Männer stehen auf dem Standpunkt, beim Geld alles im Griff zu haben, doch das ist ein Märchen. Da sind Frauen in der Regel ehrlicher. In vertrauter Runde geben sie ohne große Umschweife zu, dass ihnen der Umgang mit Geld zusetzt. Da ist es kein Wunder, dass Banken auch in Zukunft die großen Gewinner bleiben werden. Ihnen bläst zwar seit Jahren heftiger Wind ins Gesicht. Doch bleibt, wenn es um Geld geht, nicht nur die Sparkasse im Besonderen, sondern auch die Bank im Allgemeinen erste Wahl. Das ist aber mit Gefahren für das Privatvermögen verbunden.

          Vermögen kann wie Schnee in der Sonne schmelzen

          Eine alleinstehende Ärztin zum Beispiel, 60 Jahre alt, hat in den vergangenen Monaten ihre Praxis verkauft. Außerdem sind Lebensversicherungen fällig geworden, und das Versorgungswerk hat, was in dieser Zunft selten geworden ist, die Altersrente in einem Betrag ausgezahlt. Hinzu kommen Bargeld und Wertpapiere, so dass etwa 1,5 Millionen Euro auf den Konten liegen. Das mag auf den ersten Blick viel Geld sein, beim zweiten Blick aber wird das Vermögen wie Schnee in der Sonne schmelzen.

          Die Ärztin ist gesund und hat die feste Absicht, mindestens 90 Jahre alt zu werden. Trotz ihrer Lebensfreude ist die Dame auf Sicherheit bedacht und will mit ihren anderthalb Millionen Euro nach Möglichkeit kein Risiko eingehen. Außerdem rechnet sie in den nächsten Jahren mit einer jährlichen Inflation von mindestens 3 Prozent. Das sind heikle Bedingungen, und wer ein bisschen Gefühl für Zeit und Zinsen hat, erahnt die Folgen.

          Geldanlage bedeutet zur Zeit, dass beim Zinssatz nach Steuern vielleicht 3 Prozent herausspringen. Wird eine Geldentwertung in gleicher Höhe angesetzt, strebt die Verzinsung gegen null Prozent. Letztlich müssen die 1,5 Millionen Euro nun durch die gewünschte Restlaufzeit der ehemaligen Ärztin geteilt werden. Bei 30 Jahren kommen 4200 Euro im Monat heraus, so dass die erste Aufgabe gelöst zu sein scheint. Davon ist die Ärztin aber weit entfernt. Sie träumt davon, jeden Monat wenigstens 5000 Euro ausgeben zu können. Das führt zu heftigen Risiken und Nebenwirkungen. Im Augenblick ist ein Anlagezins von 3 Prozent nach Steuern mit sicheren Anlagen nicht erzielbar. Mit viel Glück kommen die Investoren auf 2,5 Prozent vor Steuern. Davon bleiben nach Abzug der Abgeltungsteuer etwa 1,8 Prozent übrig. Folglich ist die Wunschrente bei einer Inflation trotz des Kapitalverzehrs nicht darstellbar. Sie beträgt lediglich 3500 Euro pro Monat.

          Die Rentenlücke regt die Phantasie an

          Die Rentenlücke zwischen 5000 und 3500 Euro regt die Phantasie an. Die erste Lösung ist die "Erhöhung" des Zinses. Bei einer Rente von 5000 Euro, die 360 Monate bezahlt und jedes Jahr um 3 Prozent erhöht wird, ist nach Kosten und vor Steuern ein Anlagezins von 5,7 Prozent notwendig. Das ist mit einem Depot, das aus Anleihen, Immobilien und Aktien besteht, nicht zu erzielen. Hier sind mit viel Mut vielleicht 4 Prozent zu erreichen. Dieser Satz führt zu einer "Abrundung" des Restlebens, wenn die Ärztin um keinen Preis auf ihre monatliche Rente von 5000 Euro verzichten will. Mehr als 25 Jahre sind bei dieser Vorgabe nicht finanzierbar, so dass die Dame, sollte sie im Alter von 85 Jahren weiter gesund und munter sein, eben ihr Haus "verfuttern" muss.

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