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Die Vermögensfrage : Altersvorsorge zwischen Traum und Wirklichkeit

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Die zweite Lösung baut auf dem ersten Modell auf. Nur verschieben sich die Zahlen. Das Sparschwein wird mit 100.000 Euro gefüttert, und in die Versicherung werden 700.000 Euro einbezahlt. Dadurch sinkt die Rente auf 2000 Euro im Monat. Die Differenz zu den 3700 Euro des ersten Modells holt sich die Dame aus dem Aktientopf. Er wird mit 700.000 Euro gefüllt und jedes Jahr werden daraus 20.000 Euro für den Konsum entnommen.

Die Anlage in Aktien ist mit der Hoffnung auf höhere Rendite verknüpft. Das mag sich in Zeiten, in denen die Aktienkurse wie Fieberkurven verlaufen, wie ein schlechter Witz anhören, aber das ändert nichts an der Hoffnung auf höhere Erträge. Um die 700.000 Euro trotz der jährlichen Entnahme von 20.000 Euro nicht angreifen zu müssen, wäre vor Steuern eine Verzinsung von 5,6 Prozent notwendig. Bei vollständigem Verzehr der 700.000 Euro sind 2,5 Prozent notwendig. Die Bandbreite zeigt zwei Dinge: Auf der einen Seite sind die Vorgaben nicht utopisch. Eine Verzinsung von 4 Prozent pro Jahr wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Der Wert ist auf der anderen Seite aber so eng und knapp, dass für Gebühren und Kosten wenig Spielraum vorhanden ist.

Ausgabeaufschläge von einmalig 5 Prozent und Verwaltungskosten von jährlich 2 Prozent sind im Augenblick unmöglich. Die Abgaben belasten das Vermögen so stark, dass für den Anleger nicht viel übrig bleibt. Die meisten Verwalter schaffen es über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren nicht, die Kapitalmärkte zu schlagen. Und wenn sich die Anleger damit abfinden können, dass es so ist, dann gelten vier Gebote: Kauf börsengehandelter Indexfonds, Hände weg von ständiger Umschichtung der Anlagen, Entnahme von jährlich 20.000 Euro und das Leben in vollen Zügen genießen!

Die Umsetzung erfordert Mut und Zuversicht

Darauf baut auch das dritte Modell auf. Die Umsetzung erfordert aber Mut und Zuversicht. Hier wird ein Kredit von 400.000 Euro aufgenommen, so dass die Anlegerin insgesamt 1,9 Millionen Euro in der Kasse hat. Von diesem Betrag werden wiederum 100.000 Euro auf ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto gepackt, um gegen allfällige Umtriebe gewappnet zu sein, wie der Schweizer sagt. Die restlichen 1,8 Millionen Euro werden zu gleichen Teilen auf Anleihen, Immobilien und Aktien verteilt. Hinter den Anleihen steckt die Leibrente, und bei den Aktien kommen wieder Indexfonds in Frage. Die Versicherung wird eine Rente von 1600 Euro abwerfen. Die Differenz von 2100 Euro können die Aktien abwerfen, falls sie sich mit 4,5 Prozent pro Jahr rentieren. Neu sind die Immobilie und der Kredit, mit denen die Lücke zwischen der Wunschrente (5000 Euro) und der Realrente (3700 Euro) verkleinert werden soll. Dafür sind gewisse Vorgaben einzuhalten.

Der erste Eckpunkt sind die Preise der Immobilie. Sie darf höchstens 600.000 Euro kosten. Die jährlichen Nettoerträge müssen mindestens 30.000 Euro betragen und jedes Jahr um 1 bis 2 Prozent steigen. Die Gebäudesubstanz sollte im kommenden Jahrzehnt um maximal 20 Prozent fallen. Wenn diese Liegenschaft mit einem Kredit - das ist der zweite Eckpunkt - von 400.000 Euro verknüpft wird, der im Jahr höchstens 3,5 Prozent kostet und mit den Mieten der Immobilie bedient wird, entsteht ein interessantes Zinsdifferenzgeschäft. Die Anlegerin setzt 200.000 Euro ein und wird in zehn Jahren voraussichtlich 300.000 Euro auf dem Konto haben. Der Gewinn entspricht einer Rendite von 4,1 Prozent nach Steuern, und die 100.000 Euro lassen sich zu gegebener Zeit einfach auf den Kopf hauen. Natürlich können sie auch als Reserve für schlechte Zeiten gebunkert werden, doch die Zeiten sind schon heute lausig genug.

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