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Die Vermögensfrage : Altersvorsorge zwischen Traum und Wirklichkeit

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Die meisten Verkäufer in Banken und Versicherungen haben nicht den Mut, ihren Gesprächspartnern reinen Wein einzuschenken. Umgekehrt sind viele Privatleute nicht in der Lage, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken. Daher enden viele Geldanlagen mit faulen Kompromissen. Hier eine Rentenversicherung für die Grundversorgung, da ein Aktienfonds für die Rendite, dort eine Beteiligung an einem Solarstrompark und Windkraftwerk für die grüne Seele: Bei einem Anlagevolumen von 1,5 Millionen Euro läuft jedem Vermittler das Wasser im Mund zusammen, weil er mit Provisionen von 60.000 Euro rechnen kann, wenn er sich nicht fürchterlich dumm anstellt.

Die Zahlen mahnen zu Besonnenheit. Das kostet zwar Geduld und Kraft, doch wer glaubt, dass Geld keine Arbeit mache, ist auf dem Holzweg. Irgendwann sind Nägel mit Köpfen notwendig. Das heißt im vorliegenden Fall: um die Vermögensverwaltung der Banken einen ganz großen Bogen machen. Ansonsten wird es bedenklich.

In der Bankenwelt kostet die Verwaltung des Geldes je nach Vertragsform zwischen 1 und 2 Prozent im Jahr. Davon merken die Anleger in der Regel nicht viel, weil die Gebühren per Lastschrift abgebucht werden. Wenn die Anlagen wegen der Verwaltung statt 3 nur noch 1 Prozent abwerfen, geht die monatliche Rente um bis zu 800 Euro zurück.

Der Schwund ist unnötig wie ein Kropf, weil jeder Anleger mit gesundem Menschenverstand in der Lage ist, eine Summe von 1,5 Millionen Euro selbst zu plazieren. Denkbar sind drei Ansätze. Die besorgten Anleger packen 200.000 Euro auf ein Sparbuch und stecken 1,3 Millionen Euro in eine Leibrente. Wer etwas Mut hat, legt 100.000 Euro auf das Sparkonto und investiert je 700.000 Euro in Leibrenten und Aktienfonds. Und wer Nervenkitzel braucht, wird einen Kredit von 400.000 Euro aufnehmen und die 1,9 Millionen Euro auf vier Töpfe verteilen: 100 000 Euro in Festgeld und jeweils 600.000 Euro in Leibrenten, Immobilien und Aktienfonds.

Bei der Auswahl des Tarifs kommt es auf Dynamik an

Das erste Modell besteht wirklich nur aus zwei Töpfen. In den ersten Topf wird ein Betrag von 200.000 Euro gesteckt, in den zweiten Topf werden die übrigen 1,2 Millionen Euro investiert. Die Anlegerin weiß, dass auf dem Sparbuch genügend Geld liegt, um sich ein neues Auto kaufen, das Eigenheim renovieren oder eine Weltreise machen zu können. Das tägliche Leben wird mit Hilfe der Leibrente finanziert.

Bei der Auswahl des richtigen Tarifs kommt es auf die Dynamik und die Garantiezeit an. Wer die Sorge hat, dass die Kaufkraft der Rente in den kommenden Jahren sinkt, ist gut beraten, auf eine konstante Rente zu verzichten. Hier bietet sich an, Policen zu wählen, bei denen die Rente jedes Jahr um 2 bis 3 Prozent erhöht wird, um die Inflation zu bekämpfen. Dies heißt in Zahlen, dass bei einem Anlagezins und einer Dynamik von jeweils 3 Prozent mit einer lebenslangen Rente von 3700 Euro gerechnet werden kann.

Die Renten werden mit einem Ertragsanteil von 22 Prozent besteuert. Rund ein Fünftel der jährlichen Bezüge unterliegt wie Einkommen, Mieten und Pensionen nicht der Abgeltungsteuer, sondern der Einkommensteuer. Die Anlegerin wird bei diesem Modell keine weiteren Einnahmen haben, so dass die Renten in den ersten Jahren steuerfrei sind. In den folgenden Jahren schlägt aber die kalte Progression zu. Die Rente wird jedes Jahr um 3 Prozent erhöht. Folglich überschreiten die Steuern ab dem zehnten Jahr die Tausend-Euro-Grenze, so dass die Ärztin zweimal zur Ader gelassen wird: hier die Inflation, dort die Steuer.

Aktienanleger hoffen auf höhere Renditen

Dagegen kann sich die Anlegerin nicht wehren. Einfluss hat sie aber auf die Garantiezeit der Rente. Sie kann bestimmen, wie lange die Rente nach ihrem Tod an andere Menschen weiter bezahlt wird. Im vorliegenden Fall bietet sich an, auf jede Garantie zu verzichten, weil die Ärztin alleinstehend ist. Dadurch fällt die Rente höher aus als bei Verträgen mit einer Garantiezeit von 15 oder 20 Jahren.

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