https://www.faz.net/-hbv-145t1

Die Vermögensfrage : Altersvorsorge nicht aufs Eigenheim stützen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Der Wunsch, für Generationen zu bauen, hat in Deutschland Tradition. Doch die eigene Immobilie bindet häufig zu viel Kapital. Dabei muss die Rente auf mehreren Pfeilern stehen. Sonst droht im Alter die Gefahr finanzieller Engpässe.

          4 Min.

          Die Finanzkrise hat nicht nur in den Depots, sondern auch in den Köpfen der Privatleute tiefe Spuren hinterlassen. Die monatlichen Aufwendungen der Anleger für die private Altersversorgung sind auf den niedrigsten Stand seit 2005 gefallen. Das ist das Ergebnis der jährlichen Altersvorsorge-Studie, welche die Postbank seit 2003 mit dem Institut für Demoskopie in Allensbach durchführt. Gravierender als die monetären Folgen sind die emotionalen Konsequenzen. Rund die Hälfte aller Befragten will zurzeit nicht die private Altersvorsorge ausbauen, obwohl ihr bewusst ist, dass die Rente mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen wird, um den heutigen Lebensstandard zu halten.

          Auf die Frage, wie die ideale Altersversorgung aussehe, sagten zwei Drittel der Anleger, das Eigenheim sei das Beste. Bei Berufstätigen mit Kindern hat dieser Wert sogar 72 Prozent erreicht, so viel wie nie seit Beginn der jährlichen Studie. Das ist für Fachleute keine Überraschung, weil sie wissen, dass die eigene Immobilie viele Gesichter hat. Für die einen Anleger ist das eigene Dach über dem Kopf die beste Geldanlage. Vor allem in Krisen wie der aktuellen verströmen Garten und Kamin wohlige Geborgenheit und Sicherheit. Die Gegner rümpfen - gleichgültig wie rauh die See ist - über Bausparverträge und Kehrwoche die Nase. Sie lieben ihre „Freiheit“ und nehmen auf ihren Geldkonten Verwerfungen in Kauf.

          Nur eine Investition auf Zeit

          Die Vorzüge und Nachteile des Eigenheims lassen sich nur schwer in Euro und Cent messen, obwohl die Frage, wie die Verzinsung der Anlage berechnet wird, einfach ist. Eigenheime sind unter finanziellen Aspekten Investitionen wie Autos, Flugzeuge oder Schiffe. Sie haben einen Startpreis, führen zu Einnahmen und Ausgaben, und die Sache hört mit einem Endwert auf. Daraus lässt sich die jährliche Verzinsung der Zahlungen berechnen, wie folgender Fall deutlich macht.

          Ein junges Ehepaar - er ist 33 Jahre alt, sie 31 Jahre - hat zwei Kinder, die sechs und vier Jahre alt sind. Die Eltern interessieren sich für ein Haus, das 300.000 Euro kostet. Das Ehepaar hat durch Geschenke und Rücklagen ein Vermögen von 50.000 Euro angesammelt, so dass ein Kredit von 250.000 Euro notwendig wäre. Dafür soll das Haus lange - zum Beispiel 35 Jahre lang - genutzt werden. Die Aussage ist auf der einen Seite normal, weil es in Deutschland guter Brauch ist, für Generationen zu bauen. Auf der anderen Seite ist dieser Wunsch aber mit Vorsicht zu genießen, weil es denkbar ist, dass das Eigenheim doch nur eine Investition auf Zeit ist. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, können sich die Eltern gut vorstellen, zu neuen Ufern aufzubrechen.

          Der monatliche Mietvorteil beträgt im vorliegenden Fall rund 1000 Euro. Die Instandhaltung des Objektes wird auf 250 Euro pro Monat veranschlagt. Sowohl die Mietvorteile als auch die Rücklagen sollen im ersten Rechengang konstant bleiben. Genauso wird unterstellt, dass der Wert der Immobilie in den kommenden Jahren nicht steigen wird. Das sind die wichtigsten Werte, und die Zahlen reichen aus, um einen Finanzplan aufzustellen und die Rentabilität der Investition zu berechnen.

          Vorsichtige Anleger werden zufrieden sein

          Das Ehepaar setzt 50.000 Euro ein. Danach folgen die Instandhaltung und die Kreditraten. Die Rücklagen bestehen aus 420 Raten à 250 Euro. Die Bank erhält, wenn der Zins dauerhaft 5 Prozent kostet und mit 1 Prozent zuzüglich ersparter Zinsen getilgt wird, in den nächsten 35 Jahren insgesamt 420 Raten à 1250 Euro. Der Lohn der Aufwendungen sind 420 ersparte Mieten von jeweils 1000 Euro und der Wert des Eigenheims beim Verkauf, ohne realer Wertsteigerung also voraussichtlich 300.000 Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der russische Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan treffen sich in Sotschi.

          Syrien-Konflikt : Putin und Erdogan beraten über nächste Schritte

          Knapp zwei Wochen nach dem Einmarsch türkischer Truppen im Norden Syriens trifft der russische Präsident Putin seinen türkischen Amtskollegen Erdogan zu Krisengesprächen. Reagieren die beiden auch auf einen Vorschlag aus Deutschland für eine international kontrollierte Sicherheitszone?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.