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Die Vermögensfrage : Altersvorsorge nicht aufs Eigenheim stützen

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Die Verschraubung der Zahlen führt zu einem Plan, der mit dem Startkapital von 50.000 Euro beginnt. Dann folgen 420 Ausgaben von 500 Euro. Der Schlusspunkt ist der Verkauf des Hauses für 300.000 Euro. In diesem Fall beträgt die Verzinsung rund 0,7 Prozent pro Jahr. Können beim Verkauf dagegen 425.000 Euro erzielt werden, weil der Wert bis zum Verkauf jedes Jahr um 1 Prozent steigt, außerdem die Mieten jedes Jahr um 1 Prozent klettern, kommen unter dem Strich etwa 3 Prozent heraus. Sinkt der Wert des Hauses im selben Zeitraum jedes Jahr um 1 Prozent, muss das Haus in 35 Jahren für 211.000 Euro abgegeben werden, und die Sache verzinst sich mit 0,2 Prozent pro Jahr.

Die Beurteilung der Ergebnisse ist Ansichtssache. Die vorsichtigen Anleger, die von steigenden Kosten und Mieten und von moderaten Wertsteigerungen ausgehen, werden über die 2 bis 3 Prozent, die bei diesem Geschäft winken, nicht unglücklich sein. Vor allem zu einer Zeit, in der Angst und Sorge das Leben bestimmen, in der kaum nach Zinsen, sondern eher nach Sicherheit gefragt wird, gewinnt das Eigenheim an Bedeutung. Für langfristige Sparpläne, die sichere Anlagen enthalten, gibt es im Moment um die 3 bis 3,5 Prozent pro Jahr. Davon bleiben nach Abzug der Abgeltungsteuer zwischen 2,2 und 2,6 Prozent übrig, so dass sich das Eigenheim vor Banksparplänen, Investmentfonds und Kapitalversicherungen nicht verstecken muss.

Das Alter fordert mehr „freies“ Kapital

Umgekehrt werden Anleger mit Hang zum Risiko über eine Verzinsung von 2 bis 3 Prozent pro Jahr den Kopf schütteln und das Eigenheim in die Ecke stellen. Wer bei der Instandhaltung und den Mieten einen jährlichen Preisanstieg von 2 Prozent unterstellt und der Meinung ist, mit Aktien und Anleihen auf lange Sicht mindestens 5 Prozent nach Steuern zu verdienen, kann sich in 35 Jahren über ein Guthaben von 583 000 Euro auf dem Konto freuen. Das entspricht einem Wertzuwachs des Eigenheims um fast 2 Prozent pro Jahr. In guten Lagen mag dieser Anstieg möglich sein, doch wenn das Objekt auf dem Land liegt und die Bevölkerung schrumpft, sind Bedenken berechtigt.

Die meisten Anleger betrachten die vielen Zahlen mit Argwohn, weil sie der Meinung sind, dass kein Mensch so rechne. Wer vom Eigenheim träume, so die landläufige Einschätzung, packe das Vorhaben zu gegebener Zeit an und mache sich über die finanziellen Folgen wenig Gedanken, solange die monatliche Rate tragbar erscheine. Die Meinung ist nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem sollten die „gedankenlosen“ Anhänger des Eigenheims bedenken, dass ein eigenes Dach über dem Kopf mit erheblichen Gefahren verbunden ist, wenn es der tragende Pfeiler der privaten Altersversorgung ist.

Die gesetzlichen und die betrieblichen Renten werden, da sind sich viele Experten einig, in 30 oder 40 Jahren nur noch eine Grundversorgung darstellen. Daher wird es immer wichtiger, im Alter „freies“ Kapital zu besitzen, das zur Aufbesserung der Grundversorgung eingesetzt werden kann. Die Leute brauchen, um es in einfachen und klaren Worten zu sagen, im Alter Geld, das sie aufessen können. Für diesen Verzehr ist das Eigenheim aber wenig geeignet. Und da sollten auch die Optimisten, die von der umgekehrten Hypothek träumen, bei der das Haus in Raten versilbert wird, ihre Träume besser begraben. Vom Haus lässt sich halt schlecht runterbeißen, wie es in Schwaben heißt.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die 500 Euro, welche das Ehepaar im vorliegenden Fall für die Altersvorsorge aufwendet, auf Kante genäht sind. Besser wären schon 1000 Euro, um die eine Hälfte ins Eigenheim und die andere Hälfte in freies Kapital zu stecken, doch das ist leichter gesagt als getan. Die einen können nicht, weil eben nicht mehr Geld zur Verfügung steht, und die anderen wollen nicht, weil sie sich dem obersten Gebot des Saarländers verpflichtet fühlen, dass es im Leben in erster Linie darauf ankomme, gut zu essen. Da kann das Eigenheim nach Belieben gedreht und gewendet werden. Es ist die richtige Kost in schwieriger Zeit, doch es bleibt die falsche Kost, wenn es im Alter die Hauptnahrung sein wird.

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