https://www.faz.net/-hbv-71bv9

Die Vermögensfrage : Altersvorsorge ist in erster Linie eine Frage der Disziplin

  • -Aktualisiert am

Bild: Kai

Der Staat fördert kombinierte Spar- und Rentenverträge in besonderem Maße. Doch die Akzeptanz bei den Bürgern hält sich in Grenzen.

          Die Altersvorsorge ist in vielen Haushalten heftige Flickschusterei. Hier ein bisschen Staatsrente, da ein wenig Riester-Rente, obendrein eine Mini-Versicherung. Das ist in vielen Fällen besser als nichts, doch die Maßnahmen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie im Ruhestand bestenfalls für Schwarzbrot und Mineralwasser reichen. Wer mehr möchte - daran führt kein Weg vorbei - muss mehr auf die Seite legen, und das beizeiten. Mit dem Willen zum Sparen allein ist es freilich auch nicht getan. Es kommt auch darauf an, den richtigen Weg einzuschlagen.

          Wer heute 50 Jahre alt ist, noch 15 Jahre arbeiten möchte und eine zusätzliche Monatsrente von 1000 Euro wünscht, sollte sich an große Zahlen gewöhnen. Das liegt weniger am Zins, sondern eher an der Geldentwertung und der Versorgungsdauer. Falls die Inflation das Kapital jedes Jahr um 2 Prozent abschmilzt, wird der Wert der 1000 Euro im Verlauf der nächsten 15 Jahre auf 743 Euro sinken. Umgekehrt muss die Rente auf 1346 Euro steigen, um ihren Wert zu behalten.

          Sollen die Bezüge im Alter insgesamt 20 Jahre lang fließen, weil der Anleger gerne 85 Jahre alt werden möchte, müssen in den nächsten 15 Jahren rund 291.000 Euro auf die Seite gebracht werden. Dahinter verbergen sich vier Annahmen. Erstens: Der Zinssatz des Rentenplans beträgt 3 Prozent vor Steuern. Zweitens: Die erste Rente im Alter beträgt 1346 Euro. Drittens: Die Bezüge steigen jedes Jahr um 2 Prozent. Viertens: Nach 240 Entnahmen ist der Topf leer.

          Pflicht zum Sparen

          Rund 300.000 Euro sind ohne Zweifel viel Geld. Und wer in der glücklichen Lage ist, die Aufgabe zu meistern, hat sich mit drei Dingen zu beschäftigen: Es kommen nur Sparverträge in Betracht, es ist viel Disziplin notwendig, und es stellt sich die Frage nach der Rentabilität und Sicherheit der Verträge. Der mit Abstand heikelste Punkt ist allen Unkenrufen zum Trotz nicht der Zins der Anlage, sondern die Disziplin des Anlegers. Es gibt viele Untersuchungen über das Verhalten privater Investoren, und jedes Mal, wenn es ums langfristige Sparen geht, kommt derselbe Befund heraus. Es fehlt nicht am Willen, etwas fürs Alter zu tun, sondern es mangelt an der Disziplin, die Sparverträge auch durchzuhalten.

          Daher ist es kein Wunder, dass die Besitzer von Immobilien im Alter „reicher“ sind als vergleichbare Investoren, die ihr Geld in freie Anlagen gesteckt haben. Der andauernde Druck, die Immobilien zu entschulden zu müssen, sorgt im Laufe der Zeit für kleine Vermögen. Aus dieser Erkenntnis hat der Staat seine Lehren gezogen. Er fördert Spar- und Rentenverträge mit der Pflicht zum Sparen und dem Zwang zur Verrentung in besonderem Maße. Trotz der staatlichen Anreize wachsen die Bäume aber nicht in den Himmel. Die Renditen für „sichere“ Geldanlagen bewegen sich zur Zeit zwischen 2 und 3 Prozent vor Steuern, und es sind keine Anzeichen erkennbar, dass sich daran in Zukunft viel ändern wird. Folglich wird die private Altersvorsorge zum Tauschgeschäft: Was jetzt auf die Seite gelegt wird, das wird später verzehrt. Zinsen spielen eine untergeordnete Rolle.

          Der bekannteste Spar- und Rentenvertrag ist die aufgeschobene Leibrente. Hier wird zunächst Geld angespart. Danach wird das Kapital bis zum Lebensende verrentet. Wenn im Laufe von 15 Jahren zum Beispiel rund 291.000 Euro angesammelt werden sollen, sind bei einem Zinssatz von 3 Prozent monatlich 1283 Euro notwendig, um das Ziel zu erreichen. Die Erträge der Leibrente bleiben in der Sparphase steuerfrei, wenn das Kapital verrentet wird. Sollte das Guthaben zu gegebener Zeit doch vom Konto abgehoben werden, schlägt das Finanzamt zu. Wird der Vertrag vor dem 60. Geburtstag aufgelöst, muss auf die Zinsen die Abgeltungssteuer von 26,375 Prozent bezahlt werden. Und wenn die Police nach dem 60. Geburtstag zur Auszahlung kommt und nicht verrentet wird, muss die Hälfte der Zinsen der persönlichen Besteuerung unterworfen werden. Hier wird der Steuersatz in vielen Fällen höher sein als die Abgeltungsteuer, so dass die Abgaben ansteigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          AKK : Merkels Tritt in die Kniekehlen

          Für Annegret Kramp-Karrenbauer läuft es derzeit nicht gut. Selbst die Kanzlerin lässt sie aussehen, als wollte sie sagen: Sie kann es (noch) nicht.

          Zwei Appelle : Was in Hongkong passiert, sollte Europa beunruhigen

          Die Demonstrationen und Aufrufe zum Massenstreik in Hongkong gehen weiter. Die Spaltung der Gesellschaft nimmt ihren Lauf. Zwei Autoren aus Hongkong formulieren ihre Forderungen an China und die EU.

          Ärger bei Frauenfußball-WM : „Ich schäme mich zutiefst“

          Der Videobeweis sorgt bei der Fußball-WM der Frauen für viel Aufregung. Beim Spiel von Kamerun gibt es einen Streik, weinende Spielerinnen und 17 Minuten Nachspielzeit. Englands Trainer findet deutliche Worte dafür.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.